Erkenntnis

Ich habe mich immer gefragt, warum ich Angst erst kennen lernte, als meine Kinder geboren waren. Vorher hatte ich mich nie als besonders furchtsam erlebt.

Jetzt lese ich einen Satz, der das schön zusammenfasst und den ich gut nachvollziehen kann.

„Solange ich schwanger war, dachte  ich immerzu, dass ich meinen Körper wieder für mich haben wollte. Doch sobald ich mein Kind zur Welt gebracht hatte, erkannte ich, dass der wichtigste Teil von mir sich jetzt außerhalb meines Körpers befand, allen möglichen Gefahren ausgesetzt war und mir wieder abhanden kommen könnte“.   Jodi Piccoult  „Die Wahrheit  meines Vaters“ S. 16.

Mittlerweile sind die Kinder groß und diese wichtigsten Teile entfernen sich immer mehr von mir. Es gilt nun sie ziehen zu lassen, sie los zulassen, damit sie sich transformieren und zu etwas anderem völlig  Neuem werden. Jeder  meiner zwei Teile tut das auf seine Weise, experimentiert, verbindet sich mit anderen und entwickelt sich.  Nur im Vertrauen und Loslassen geht die Angst.

Unkonventionelle Erziehung

David Gilmour

Unser allerbestes Jahr

Es ist eine Hommage an die Liebe zwischen Vater und Sohn, an das Verständnis zwischen den Generationen und die vielen unerklärlichen Dinge im Leben, die wir immer wieder neu  verstehen wollen.

Jesse, 16, typisch Pubertät, hat fest vor,  die Schule zu schmeißen und macht ernst.  Sein Vater, der Schriftsteller David Gilmour, will  Fehler in der Erziehung wieder gut machen. Er lebt in einer neuen Beziehung und zieht für ein Jahr wieder zu seinem Sohn. Er fasst einen unkonventionellen Entschluss. Der Junge darf machen, was er will. Bedingung, die zwei schauen sich regelmäßig Filme an. Sohnemann lässt sich auf das Abenteuer ein.

Der Vater schrieb früher Filmkritiken und will mit den bewegten Bildern den Sprössling fürs Leben interessieren. Eine Odysee durch die Filmgeschichte beginnt.   12 Uhr mittags oder Shinning:  Gary Cooper oder  Jack Nickolsen, interessante Filmkritiken und Sichtweisen auf Filme, die wir alle gesehen haben, fesseln

James Deans berühmte Szene in Giganten macht Furore.  Gilmour erklärt, wie er mit absolutem Nichtstun zum größten Idol seiner Zeit wurde. Das scheint in diesem Moment fast wie ein Vergleich.

Das absolute Vertrauen in sich, seinen Sohn und die Richtigkeit dieses Tuns überrascht. Mit diesem Vertrauen und mit der unbändigen Liebe, die zwischen den Zeilen steckt, bewältigt er die Krise.  Man fühlt  in seiner  Angst um den Jungen, der in einer Szene auf Kuba in eine Bar verschleppt wird, die Kraft der Verbundenheit. In dieser Szene kämpft er um sein Kind, begibt sich in Gefahr, wie er es mit dem zunächst seltsamen Vorhaben ebenso tut. Die Zwei wachsen zusammen, bauen eine Beziehung auf und am Ende führen  die Weisheiten von Film und Vater den Jungen in die Realität zurück.

Ein sehr intelligenter Roman, der mit klugen Sätzen und Lebensweisheiten daher kommt. „ Menschen vor denen man Angst hat, hasst man irgendwann einmal“.  An einigen Passagen triftet die Geschichte ein wenig  ins Kitschige ab. Doch die gut gemachten Filmkritiken retten die Geschichte  dann gleich wieder.

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit. Gilmour schrieb die eigene Geschichte mit seinem Sohn auf. Der Schriftsteller ist gleichzeitig Film- Kritiker.

David Gilmour: „Unser allerbestes Jahr“. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Adelheid Zöfel. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2009. 254 S., geb., 18,95 [Euro]

„eine weise, lebensbejahende Studie über das Erwachsenwerden“ Andreas Schröder in Literaturwelt Das Blog

Hut ab

Respekt vor dem Vertrauen

Maximiliane Lata

Neulich am Berliner Künstlermarkt an der Straße  des 17. Juni habe ich mich in eine Mütze verliebt. Okay, ein bisschen half die Macherin der Hüte,  Maximiliane Lata mit. Zielsicher  setzte sie mir eine ihrer Kreationen auf das Haupt, rückte ihn etwas nach rechts und streifte mein Haar hinters Ohr. Der Blick in den Spiegel überzeugte mich, ich gefiel mir sofort. Meine Freundinnen um mich herum waren auch ganz entzückt. Nimm den, toll, so die Kommentare.  Mein Blick in den Geldbeutel ließ allerdings zu wünschen übrig, gähnende Leere nach einem Wochenende in Berlin.

Kartenzahlen gibt es bei den meisten Künstlern nicht und auch der nächste Automat ist meilenweit entfernt. Also sagte die gute Frau: „Wir schauen uns in die Augen, sagen Sie mir Ihren Namen und dann geb ich Ihnen meine Bankverbindung.  Sie nehmen den Hut mit und können mir das Geld morgen überweisen.“ Da war ich sprachlos. So etwas habe ich lange nicht erlebt. Dieses Vertrauen. Sie kennt weder mich noch meine Freundinnen, sie lebt in Berlin, ich in Nordhessen. Ich hätte der alles erzählen können. Unglaublich, dass es so etwas noch gibt.

Ich kann noch nicht einmal in meinem Edeka Laden um die Ecke anschreiben, obwohl ich da seit zwölf Jahren über den Daumen gepeilt 40.000 Euro gelassen habe, bestimmt als solvent gelte und immer bezahlt habe.  Das ärgert mich manchmal schon.

Deshalb, einmal mehr: Hut ab oder en francais Chapeau liebe Maximiliane

Außerderdem sind die handgefertigten Hüte und Mützen in vielen  Variationen natürlich total schön…..und die Verkaufstaktik vom maxim lata einmalig. Sie schwätzt einem keinen alten Hut auf, sondern berät individuell und kompetent.

Gut behütet