Pfiffige Idee

Pfiffi

 

Pfiffige Idee

Retro hält in viele Bereiche Einzug. Jetzt gibt es wieder den pfiffigen Schlüsselanhänger, den ich noch aus den siebziger Jahren kenne. Ich erinnere mich an einen Heilig Abend, als mein Vater solch einen Pfiffi geschenkt bekam. Mit einem zufriedenen Grinsen überreichte meine Mutter das Geschenk, das helfen sollte ein leidiges Problem aus dem Haus zu schaffen. „Wo ist mein Schlüssel“, rief der gestresste Vielarbeiter oft durchs Haus. Ob er gerade auf dem Weg zu einer Messe war oder  den Autoschlüssel suchte, zum Fußball oder in die Firma fahren wollte. Der Schlüssel war nie da wo er sein sollte und stundenlanges Suchen an der Tagesordnung. Die dramatische Aktion endete oft mit dem Satz: „Den haben sie mir geklaut“. Das war ganz sicher nicht der Fall, meist fand sich das Stück irgendwo zwischen Wäschebergen oder auch außen an der Eingangstür steckend wieder.

Meine Mutter war dieses ewige Spiel leid und hatte die Lösung gefunden. Ein Schlüsselanhänger, der auf das Pfeifen mit einem Piepen reagierte, baumelte fortan am Schlüsselbund meines Vaters und trug nun eher zur Lust als zum Frust bei.  Wir pfiffen fortan alle fröhlich durch das Haus und hatten unseren Spaß daran wenn es nicht funktionierte, andererseits einfach so los ging und aus allen Ecken unvermittelt ein Piepen klang. Irgendwann gaben wir es auf,  der Anhänger flog aus dem Haus und das alte Spiel ging wieder los.

An Heilig Abend packte ich nun das Geschenk meiner Kinder aus. Was sehe ich da, ein Pfiffi. Als ich in ihre Gesichter sah, grinsten beide breit. „Damit sie dir den Schlüssel nicht wieder klauen“, sagten sie wie aus einem Mund.

Aber es wiederholt sich eben nicht nur das: Kaum steige ich ins Auto ein und das Radio geht an, piepst das Teil fast wie im Takt dazu. Rede ich mal ein bisschen lauter, schlägt es an und ich erschrecke regelrecht. Manchmal weiß ich gar nicht, warum es jetzt schon wieder piept. Da suche ich doch lieber wieder. Es wird schon keiner meinen Schlüssel klauen, das glaube ich ja nun wirklich nicht.

 

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Menschen vom anderen Ende der Welt

Manchmal lerne ich Menschen kennen, die sehen fast genauso aus wie wir, sind aber ganz irgendwie ganz anders. Madina Scharipowa kommt aus Tadschikistan. Für mich war das ein bisschen wie am Ende der Welt…. Sie war als Lehrerin  in einer der Hauptstädte des Landes, kann deutsch und ist damit wohl priveligiert. Das Land ist jung, alle wollen es aufbauen.  Es war ein kurzer Besuch. Ich hätte gern mehr erfahren….trotzdem interessant…. Hier geht es zu Madina

Blattkritik

Menschen sind anders. Etwa in der Redaktion derZeitung, für die ich arbeite. Nun machen wir freien Mitarbeiter seit kurzem auch Blattkritik, wie die Redakteure das schon lange jeden Tag tun. Im Wechsel. Jeder soll einmal eine Woche lang jeden Tag das Lokale Blättchen beurteilen. Überschriften, Layout, Bilder, Texte, Themen etc…. Die Redakteure laden herzlich zur Kritik ein. Das wird an alle verteilt – wir sollen was draus lernen. Dabei muss man natürlich schön über die Arbeit der Kollegen herziehen, auch der Freien, die das ja noch nicht gewöhnt sind.  Ich hab mich freiwillig zuerst gemeldet. Ich dachte, fängst du gleich damit an, dann hast du das schnell hinter dir und flott losgelegt.

Es  geht dabei richtig zur Sache. Das ist kein Psychoseminar, bei dem man erst einmal sagt, was man so fühlt. Es geht ja auch nur um die Zeitung und nicht um die Person. Doch der Umgang mit Kritik will gelernt sein. Gleich rauschten die e-mails bei mir rein mit haufenweise Rechtfertigungen. Die Fotos seien so schlecht, weil es so dunkel war, weil der Typ gerade nicht geschaut hat und, und, und. Das kenne ich alles….Ich mache ja genau die gleichen Fehler und ich wäre bestimmt die erste, die sich rechtfertigen würde. Muss ich aber im Moment glücklicherweise nicht. Weil ich ja geschickt  bin und zuerst an der Reihe. So kann ich mich in Ruhe vorschämen, bevor ich mir selbst einen überbrate.

Aber es gibt auch andere Menschen: Heute kommt mal eine ganz andere mail von einem freien Kollegen rein:

……gefällt mir gut Ihre Art, wie Sie das mit der Blattkritik machen. Lockeres, förderliches Besprechen von Berichten und Fotos. Verbunden mit manchen nützlichen Tipps und auch Infos und Querverweisen zu den Themen. Für mich durchaus lehrreich. Ich lese unsere Zeitung viel intensiver und mit schärferem Blick. Weiter so!…..

Danke für so viel Wertschätzung, das macht mir Mut, mich nächste Woche dem genauso zu stellen.

Es kommt immer anders, als man denkt

Termine, Termine……

Heute wache ich auf und schaue in den Terminkalender,  muss ich aber eigentlich nicht. Ich weiß ja, es steht nix  drin. Bin ich auch gar nicht böse drum. Der Keller muss dringend mal aufgeräumt werden, die Fenster.. oh Gott ….und einkaufen war ich auch schon ewig nicht mehr. Also ran an den Feind, heut ist Putztag. Nach dem Frühstück zerre ich den Eimer aus der Besenkammer und drehe den Wasserhahn auf. Meinen Putzplan habe ich mir schon zurecht gelegt. Erst die Fenster, wir wohnen in einer alten Villa, es sind ja nur 26, werde ich heute sicher schaffen.

Ich fange im Hausflur an, da klingelt das Telefon: Hallo hast du schnell Zeit? In der Schule ist ein Termin, Trommelkurs- ein Projekt aus Afrika. Kannst du das für uns vorstellen?, fragt die Redaktionsassistentin. Ich überlege und frag: Wie jetzt?  Sofort?  Das kommt mir ja mal wieder gar nicht gelegen. Na gut. Ich machs, überlege ich. Das Geld nehme ich gern mit, Putzen kann ich später auch noch. Das Wasser im Eimer ist mittlerweile eh schon fast kalt, die nette Redaktionsassistentin hat mir nur noch ganz kurz die Geschichte ihres Umzugs erzählt, ……. Naja, ich ziehe die alten Klamotten aus, schlüpfe in die neuen Jeans und schlappe in die Schule.

Der Trommelkurs aus Afrika entpuppt sich als ein Projekt der ersten Klasse. Also Routinetermin. Erst schreie ich 20 tobende Kinder an und stelle mich als Tante von der Zeitung vor. Darauf hin fragen die alle. Komm ich jetzt in die Zeitung?  Ja , sage ich, wenn ihr endlich ruhig seid und euch erst Mal von mir fotografieren lasst. Als ich die Truppe nach zehn Minuten endlich um fünf große Trommeln drapiert habe und alle brav laut Spaghetti gerufen haben, damit sie auf dem Foto lachen, interviewe ich den Trommellehrer. Der kommt auch nicht aus Afrika sondern aus der tiefsten Schwalm. Wenigstens fährt der aber einmal im Jahr auf den schwarzen Kontinent zum Trommelbauen und ist auch sonst sehr interessant. Da lässt sich mal eine Geschichte mit Hintergrund erzählen.

Kurz , meine Jagd war erfolgreich, mit einem fertigen Artikel im Kopf und gutem Bild fahre ich nach Hause. Ich habe für heute ja noch andere Pläne. Schreiben kann ich das auch morgen noch.

Einige geputzte Fenster später, geht die Sirene. Ich denke noch:  Hoffentlich muss ich heute nicht raus, ist bestimmt ein Unfall. Keine zwei Minuten später bimmelt wieder das Telefon: Da ist ein Brand bei euch. Kannst de mal hinfahren, raunt der Redakteur. Also muss ich wieder überlegen.  Mittlerweile sehe ich aus wie der Putzteufel höchstpersönlich. Die Haare stehen ab, das Gesicht  ist voller roter Flecken und unter meinen Armen strömt ein lieblicher Schweißgeruch hervor. Gut , denke ich,  bei so einem Brand muss man ja nicht aussehen, als ginge man zur Modenschau. Und einem attraktiven Mann bin ich auf meinen Terminen in den letzten 14 Jahren auch nicht begegnet.

Also schnappe ich wieder Block und Kamera und schiebe los. Mittlerweile hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Es qualmt nur noch aus dem Dachfenster, im Haus ist kein Mensch mehr und es bleibt mir nur übrig die gesamte Szenerie ein wenig darzustellen und den Feuerwehrführer aus dem Dorf zu interviewen. Das gibt nur ne kleine Geschichte, überlege ich, ist nichts dramatisches passiert. Wieder zu Hause blicke ich durch mein dreckiges Fenster im Büro auf meinen Ort. Jetzt muss ich doch noch schnell die Geschichten schreiben – Fenster putzen kann ich ja auch morgen noch.