Trommelbauer

Der Trommelbauer

Der Trommelbauer. Da ist noch eine zweite Geschichte drin. Mir fällt auf, er kommt aus der Nachbarregion. Ich könnte ein Porträt über ihn machen, rufe gleich in der Schule an und bekomme seine Telefonnummer. Im Internet kann ich ihn nirgends finden und denke mir schon, dass er vermutlich sehr zurückgezogen lebt. Ich telefoniere mit ihm, er ist angetan. Die Redaktion freut sich, auch auf eine bunte Geschichte im Blatt. Ich kündige es groß an. Das mache ich gern. Nicht immer wird das auch so groß, wie man denkt. Stichwort… es kommt alles anders.  Bei Menschen zu Hause, da muss vieles stimmen, vor allem die Chemie und man muss bereit sein, sich auf vieles einzulassen.

Nun fahre ich ja nicht nach Afrika in den Busch sondern auf einen nordhessischen Bauernhof.

Überrascht bin ich nicht wirklich vom Ambiente.  Die Ordnung ist unübersichtlich, der Mensch der dort arbeitet voller Enthusiasmus. Er zeigt mir alle Kniffe, rennt immer wieder in die Werkstatt, um Werkzeug zu holen, neue Trommeln zu zeigen und Instrumente heran zu schaffen. Er rennt die Treppe rauf, die Treppe wieder hinunter.

Für seine 53 Jahre ist er fit.  Sehr fit, erzählt von seiner Vergangenheit, hat beim Trommelkurs seine Liebe für Afrika und die Musik entdeckt. Gibt zu, er sei ein 68er,  ihm lag nichts an Geld, suchte nach dem Sinn, wollte kreativ sein. Gibt zu, es ist nicht immer leicht, so ein paar Trommeln im Jahr bauen und verkaufen, das kann hart sein,  man muss überleben, auch mit Trommelkursen. Ein Blick ins Gesicht verrät, das stimmt. Ein Blick auf den Hof verrät, das stimmt. Die unübersichtliche Ordnung sagt, das stimmt.

Der junge 53-Jährige, der die Treppe hoch und herunterrennt sagt- das stimmt, aber er rennt wieder hinunter und holt ein weiteres Instrument, eine anderes Werkzeug, erzählt von Afrika, vom einfachen Leben dort. Spielt sein Instrument. Ist ganz die Trommel- ist ganz er.

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