Meine Fehler stehen immer in der Zeitung

Zeitung und Fehler: Das sollte sich ausschließen. Man muss nicht immer allem glauben, was in der Zeitung steht, heißt es im Volksmund. Diese Sprüche höre ich nur zu oft.

Ein gutes Mittel dagegen ist, was man als die journalistische Sorgfaltspflicht versteht. Immer, wenn man nicht die Hand dafür ins Feuer legen kann, das was man schreibt richtig ist, muss man anfangen zu recherchieren und das bei verlässlichen Quellen. Im Grunde klappt das auch gut.

Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gefühl dafür, wann man noch einmal nachhaken muss. Nämlich immer dann,  wenn sich der auch noch so kleinste Zweifel regt. Ich habe sogar eine Stelle am Körper dafür, mein Brustbein. Da fühle ich mich dann unwohl. Trotzdem passiert es, wie gestern. Ich habe aus dem ältesten Wirtschaftsgebäude der Stadt das älteste Haus gemacht, nicht noch einmal nachgelesen und so stand es heute in der Zeitung. Da hagelten gleich die Anrufe der Historiker.

Schade. Das war so ein schöner Termin und der Bericht meiner Meinung nach auch gelungen. Ich hatte sogar noch aus eigener Initiative etwas dazu recherchiert. Und dann das, einmal nicht richtig konzentriert und schwupp, ein Fehler.

Um genau arbeiten zu können, braucht jeder etwas anderes. Ich brauche Ruhe und Zeit. Manchmal werde ich aber in meiner Leidenschaft zu schnell und dann passiert es eben.

Da ist es wieder. Man wird auch als Schreiber sichtbar für viele andere, auch mit seinen Schwächen. So wie man als Journalist eigentlich ja auch ständig andere bewertet, stellt man sich ebenso ständig der Bewertung anderer – und macht ebenso Fehler wie Politiker, Historiker, Ärzte, Klempner – eben alle Menschen.

Das ist eigentlich nicht so ungewöhnlich, mit einer Ausnahme: Meine Fehler stehen immer in der Zeitung.

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Du mit deiner Sonnenbrille

Letzte Woche bei einer Musikveranstaltung habe ich mich mit einem jungen Mann unterhalten. Er kannte mich. Ich wusste nicht gleich, wo ich ihn hintun sollte. Das passiert mir oft. Ich lerne in meinem Job viele Menschen kennen, sehe sie nur kurz und viele vergesse ich auch dann schnell wieder.

Wenn man das so lange Jahre macht, prägen sich nicht alle Gesichter ein. Dazu sind viele Begegnungen zu kurz und für mich persönlich auch nicht immer entscheidend. Das passiert. Peinlich ist es mir deshalb schon lange nicht mehr, wenn mir mancher Name nicht einfällt. Aber es fällt mir auf, wie sehr ich sichtbar bin für andere. Wenn ich auf der Bühne fotografieren muss, präsentiere ich mich auch irgendwie. Es hat lange gebraucht, bis ich das ertragen konnte, am Anfang habe ich mich sehr geniert. Immer musste ich durch meine Scham gehen – immer wieder – bis sie  sich letztlich auflöste und das normal wurde.

Es scheint sogar interessant zu sein, dass ich ständig mit der Sonnenbrille herum renne. „Du mit deiner Sonnenbrille“, sagte der junge Mann. Irgendwie fühlte ich mich dabei wieder beschämt. Meine Augen sind besonders empfindlich Licht gegenüber geworden. Ohne meine Sonnenbrille gehe ich tatsächlich nicht aus dem Haus. Selbst im Winter brauche ich sie beim Autofahren. Manchmal erwische ich mich sogar bei Regenwetter damit. Dann muss ich aber selbst lachen und ziehe sie schleunigst ab.