Mist, es taut.

Neulich hatte ich doch vom Schneeschieben der Bürgersteige  in unserer Straße geschrieben   ( Schadenfreude und die Folgen). Pünktlich zum 1. Januar kam meine Nachbarin bei mir vorbei und überreichte mir den Schneeschieber in gebastelter  Version . Ich war total entzückt und und finde es so süß, welche Mühe sie sich gemacht hat . Gleich habe ich das fest gehalten. Dann kam es mit einem Zucken aus ihrem Mund: „Mist, es taut“.

Ja, wenn ich heute so raus schaue, kann ich das nur bestätigen. Der ganze Schnee ist fast weg. Zweimal musste ich allerdings schon ran. Und,  nächste Woche soll es ja wieder schneien.

Ariane und Anna Hopf mit dem gebastelten Schneeschieber
Ariane und Anna Hopf mit dem gebastelten Schneeschieber

Schadenfreude und die Folgen

Im Februar dieses Jahr  habe ich mal eine Kolumne geschrieben, sie wurde auch veröffentlicht und lautete:

Eis und Schnee bitte nur für gerade Jahre

In unserer Gemeinde gibt es klare Regeln fürs Gehweg-Räumen bei Eis und Schnee. Wir haben nur einen Bürgersteig in der Straße und die Hausnummer 3. Deshalb müssen wir in ungeraden Jahren den Weg eisfrei halten. Bei geraden Jahreszahlen sind unsere Nachbarn dran, – also die von gegenüber. Ich erinnere mich an ein ungerades und sehr schneereiches Jahr, da bedauerte mich die Nachbarin. Mensch, es tut mir aber leid, dass es dieses Jahr so wahnsinnig viel schneit, sagte sie. Das macht doch nichts, hält fit, erwiderte ich sportlich und schob zähneknirschend die weißen Massen vor mir her. Seit Anfang  2010 arbeite ich morgens früh am Computer, schaue dabei aus dem Fenster und sehe fast täglich unseren Nachbarn. Er läuft die Straße rauf und runter, kehrt  seit Wochen den Schnee weg, kratzt das Eis vom Asphalt und streut den Weg. Wenn ich zur Arbeit fahre,  ist  der Nachbar ist immer noch am Werk. Ich winke ihm freundlich zu, er stützt die Arme auf den Schneeschieber und grinst breit zurück.  Was bin ich froh, dass sich dieser Jahrhundertwinter ein gerades Jahr ausgesucht hat. Statistisch ist es dann doch bestimmt sehr wahrscheinlich, dass der nächste Winter Jahr total mild wird rechne ich aus und fahre weiter.

Nachsatz: Jetzt sind wir immer noch in 2010  und der Nachbar schippt schon wieder seit einem Monat den Schnee beiseite. Ich  schaue nun schon seit Wochen die Prognosen für Schnee im Januar 2011 an und  finde  der Winter hat früh angefangen und er sollte auch  früh aufhören, oder? Nach Silvester wird es bestimmt nicht mehr schneien. Das reicht ja jetzt auch mit dem Schnee. Stopp. Aus. Fertig. Schluss.

Die Langsamkeit des Winters

Lange Zeit haben wir uns nach diesen Wintern gesehnt, immer wieder gejammert, dass es keinen Schnee mehr gibt wie früher, als alles noch in scheinbar in Ordnung war. Heute türmen sich die Schneeberge wieder, das Thermometer fällt in den Keller. Ist nun alles wieder in Ordnung? Nein. Nun ist der Winter  schlimm, weil das Klima ja in Unordnung ist .  Oder ist etwa mit uns etwas nicht in Odnung? Früher holte man das Holz in Hütte, machte den Ofen an  und kuschelte sich ein. Weite Wege mussten nur die wenigsten zurück legen. Verkehrschaos kannte man in diesen Ausmaßen nicht. Das  Leben in unseren Breitengraten war über den Jahreswechsel einfach  langsamer, daran musste man sich halten.

Der Verkehr wuchs in den vergangenen 20 Jahren sehr stark an, in diesen Jahren waren die Winter meist mild, die Probleme daher vielleicht auch kleiner als jetzt. Wir sind nicht mehr auf wochenlange dicke Schneeberge und Eiseskälte eingestellt.

LKW werden aber trotz aller Warnungen  auf die Autobahnen geschickt, alle wissen sie bleiben stecken. Kilometerlange Staus sind vorprogrammiert, viele Verkehrstote auch. Das nimmt man eben in Kauf, statt mal einen oder zwei Tage zu warten. Selbst die Züge fahren nicht planmäßig, Schienen frieren ein, Verspätungen und lange Wartezeiten in kalten Bahnhöfen sind die Folge. Wer braucht das schon?

Es ist ein wenig so, als wolle die Welt uns zeigen, dass wir nicht alles kontrollieren können. Im Gegenteil das Wetter kontrolliert uns, hält uns im Griff, immer noch. Der viele Schnee und das Eis bringen mir ein Stück Gelassenheit.  Ich werde ruhig, weil ich eh nichts dagegen tun kann. Das ist  die Langsamkeit des Winters. Gut, dass es ihn wieder gibt.