Frei und schön: Das ist sie wirklich.

Endlich mal eine  erfrischende und differenzierte Sicht auf sich selbst: Astrid Herrmann-Haase hat für mich den Vogel abgeschossen mit ihrem Brief an die Zeitschrift „emotion“. Die hatten ihre Leserinnen gebeten, sich zu äußern wie zufrieden sie mit sich sind.

Astrid Herrmann-Haase

Astrids Fazit: „Frei und schön“, das bin ich. Sie ist schön, erfolgreich und intelligent, trägt Größe 44 und sagt unter anderem: Ich mag meine Kurven wirklich sehr gern. Mein Gesicht ist wohlgeformt und schön. Ich fühle mich stark. Kräftig. Ausreichend schnell. Dynamisch und machtvoll. Ich kann sein. Ich darf sein. Ich bin total richtig. .….. Dann kommt jemand von außen und lässt mich spüren, dass ich als dick angesehen werde. Das macht mich wütend und auch traurig. Es ist ein gesellschaftlicher Blick, der nicht wirklich frei ist. Und ich mag es, frei zu sein. Freiheit bedeutet so viel. Es bedeutet alles. So viele Menschen sind nicht frei. Nehmen Dinge oder Meinungen auf und können diese nicht hinterfragen, sich und die Welt reflektieren und womöglich neu bewerten. Das liegt vermutlich am Menschensein. Es ist einfach. Einfachheit tut gut. Aber ist das nicht vielleicht auch zu wenig? Ich für mich finde es zu wenig, Ich will viel. Ich will sehen. Spüren. Leben. Und vor allem will ich frei sein. Groß, stark und selbstbestimmt……Astrid heißt: Sternenseglerin und schöne Göttin. Ich finde das passt. Frei und schön, das bin ich. Wenn ich ein Bild von mir zeichnen könnte, wäre ich eine brüllende, den Betrachter direkt anblickende, wild zerzauste, naturverbundene, tätowierte und freie Frau. ( Quelle: emotion 10/12)

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Interview im Schlafanzug

Dass man als Landreporter Augen und Ohren offen hält, ist selbstverständlich. Wo mir etwas auffällt, wo ich staune und aufmerke, dahinter verbirgt sich meist eine Geschichte. So ist man immer nah an den Menschen.
Die Frage ist nur, wie nah darf es denn eigentlich sein. Neulich am Samstag. Ich sitze gerade am Frühstückstisch, habe die vierte Tasse Kaffee intus und alles gelesen, was die Zeitung so her gab, surfe noch ein bisschen im Internet und schaue auf die Uhr. Oh, schon halb zwölf. Jetzt aber ran: Ich muss unbedingt die Wäsche machen, das Wohnzimmer aufräumen und noch einkaufen, schließlich will ich auch noch eine Runde laufen.

Als ich mich gerade aufmache, klingelt es. Ich schaue an mir hoch und runter. Ich bin noch im Schlafanzug. Die Frisur macht alles Mögliche, außer zu sitzen und mehr als eine Katzenwäsche habe ich noch nicht hinter mir. Mache ich jetzt auf oder nicht? Eine ältere Dame steht vor der Tür. „ Das ist bestimmt die Stromableserin“, denke ich und entschließe mich sie hinein zu lassen. Ich kenne das: Die ist schnell im Keller und wieder hinaus und außerdem treffen die samstags bestimmt viele im Schlafanzug an. Zudem will ich nicht, dass der Zählerstand wieder geschätzt wird, dann steigt die Stromrechnung vielleicht wieder.
Leider ist das alles aber nicht so: Die Dame lobt mich erst als gute Reporterin und beginnt eine tragische Geschichte zu erzählen, die ich in die Zeitung bringen soll. Sie will dafür aber nicht in meine warme Küche kommen, wegen ihrer dreckigen Stiefel, sondern setzt sich in den kalten Flur. Wenigstens muss ich nicht mit meinem Schlafi weiter in der Zugluft stehen. Die Geschichte ist lang und hat viele Hintergründe, ich hole schnell eine Decke und hänge sie mir um, damit ich morgen nicht krank bin. Nach einer halben Stunde bin ich um ein paar Informationen reicher, aber halb durchgefroren. Wir einigen uns mit der Berichterstattung. Ich begleite sie hinaus, schaue im Flur in den Spiegelund schüttel den Kopf über mich selbst Das war das erste Interview, das ich im Schlafanzug hatte . Wie verrückt muss man eigentlich dafür sein?

Ich schaue auf die alten Bräuche

Fritzlar. Eigentlich ist der November nicht unbedingt der perfekte Monat für die Kräutersuche, aber Anna Hutter aus Fritzlar geht mit mir den Weg in der Ederaue ab, auf dem sie sonst Kräuterführungen anbietet. Und siehe da, Brennesseln und Mierre säumen den Wegesrand, hier und da lugt noch ein Löwenzahn aus dem Gras.  Die Blüten  sind natürlich nicht so satt wie im Sommer. Im Winter ziehen sich die Säfte der Kräuter in die Wurzel, lerne ich. Die 26-Jährige hat eine ungewöhnliche Berufung. Sie sagt: „Ich bin eine Kräuterfrau“.

Beim Anblick der zierlichen und vitalen Sozialpädagogin will man dem Klischee einer Kräuterfrau, wie man sie vielleicht  aus Erzählungen im Mittelalter her kennt, nicht folgen. Eine moderne junge Frau läuft neben mir her, die vor Begeisterung nur so sprüht. „Ich will das alte Naturkunde Wissen weiter geben“, sagt sie als wir bei Temperaturen um den Nullpunkt die Eder entlang gehen. Während ich den Mantel noch enger um mich schlage, kommt sie beim Erzählen in Wallung. Nach dem Studium des Sozialwesens in Kassel bildete sie sich in der Heilpflanzenkunde bei Doris Grappendorf in Köddingen weiter, lernte dort viel über Kräuter und wie sie zum Wohlbefinden beitragen können. „Ich war schon als Kind an der Natur sehr interessiert“, sagt sie. Sie stammt aus Kasachstan und wuchs in Bad Wildungen auf.

Das jahrhunderte alte Wissen der heilkundigen Frauen aus dem Mittelalter sei mittlerweile wissenschaftlich bewiesen und füge sich so in die Moderne ein. „Mit Esoterik hat das alles nichts zu tun“, erklärt sie.

So kommt es mir auch nicht vor. Die junge Frau wirkt klar und aufgeschlossen. Sie bringt die Fakten auf den Punkt und spickt das Ganze mit spannender Geschichte.  Da erfahre ich sogar noch etwas über die Hexenverfolgung in der Neuzeit. Dann schwenkt sie wieder zum Die wirke entwässernd,  eigne sich im Frühjahr prima für eine Entschlackungskur und unterstützte bei Krankheiten wie Rheuma und Gicht. Ich bin froh, wenn ich das Kraut überhaupt erkenne. Das Thema der Kräuterheilkunde ist für die junge Frau aber nicht ganz einfach. „Ich darf nicht therapieren. Anwendungen mit Kräutern müssen immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Jeder Körper ist anders und reagiert dementsprechend,“ betont sie. Von Selbstmedikation rät sie ab. Das sei immer eine heikle Sache.

Der Abschluss der Phytotherapeutin, den sie mit ihren Studien erworben hat, ist zwar in Österreich anerkannt, aber nicht in Deutschland.  Daher spezialisierte sie sich auf den pädagogischen Bereich. Sie arbeitet als umweltpädagogische Honorarkraft,  meist führt sie Kinder im Wildpark Knüll durch den Wald, bestimmt Kräuter, erzählt ihre Geschichten dazu und kocht. Als Kräuterweib verkleidet besucht sie mittelalterliche Märkte und wird von Gemeinden gebucht. Ihre kleine Firma, über die sie diese  Angebote und Kräuterführungen abwickelt, nennt sie Haggeflüster- das soll die Verbindung zu den Hageweibern  zeigen.

„Auf dieser Wiese blüht der Löwenzahn im Sommer in  Massen“, hält sie dann an.  Löwenzahn sei ein reiner Ginsengersatz. Er rege die Funktion von  Leber und Darm an und man könne quasi alles davon essen, Blüte, Stängel und Blätter und Wurzeln.  Löwenzahntee zähle zum  Aphrotisiakum, sei besser als jeder Kaffee und die anregende Wirkung halte lange Zeit an. „Die Kräuter wachsen da, wo sie gebraucht werden“, sagt die Fachkundige. Sie kommt ins Schwärmen und hört nicht mehr auf und entdeckt noch ein Sträußchen Vogelmiere.

Ich kenne das zwar vom Sehen, aber hätte dem nie eine wohl tuende Wirkung zugesschrieben. Als Tee, Salat und Quark entfalte sie ihre Wirkung. Sie sei anregend und helfe bei Hautproblemen. So geht das dann die ganze Zeit weiter: Ich lerne Kräuter kennen, die ich gerade mal vom Namen her kenne. Hutter rät:  Esst die Kräuter, sie haben viele wichtige Spurenelemente und Mineralien. Das Thema ist unerschöpflich.  In ihrer Küche probiert sie vieles aus, fertigt Tinkturen und Tees, schafft neue Rezepte und kann gar nicht genug von der Vielfalt der Kräuter  bekommen.

„Ich bin eine Frau, die auf alte Bräuche schaut“, meint sie und gibt sogar nach eine Wetterprognose. St. Martin sei ein Lostag. „Es war sonnig, das heißt der Winter wird lang und kalt“, fügt sie hinzu.  Na, dann freue ich mich jetzt schon mal auf die ersten frischen Kräuter nach dem langen kalten Winter.  (ZTY)

Neues entsteht aus dem Eigenen und in der Resonanz

Eine faszinierende Frau ist diese Viera Janarcekova. Sie lebt seit 25 Jahren ganz zurück gezogen inmitten der Natur bei uns im Knül und absolvierte nun ein Stipendium am Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Ich habe sie in ihrer Umgebung im Knüll besucht. Und dort entsteht diese spezielle Musik. Das ist ein  großer Kontrast und zeigt wie sehr die Künstlerin aus dem eigenen schöpft aber auch die Inspiration braucht für die Entwicklung. Hier geht es zum Video.

Märchen: eindeutig zweideutig

Erotische Märchennacht: Mein Gott was soll das sein, denke ich als mich die Redakteurin um Besetzung des Termins bittet. Mein Hirn rattert los und die Fantasie schlägt Alarm. Ich lache und male mir die wildesten Dinge aus. Was mir da wieder begegnet, ist wirklich witzig. Die Kasseler Schauspielerin Andrea C. Ortolano hat das Thema in ihr Programm aufgenommen. In feenhaften Kostümen trägt sie zwischen den Gängen erotische Märchen vor, bezieht das Publikum mit ein und erntet einen Lacher nach dem anderen. Das Ganze ist anspruchsvoll, einfach nett, dezent frivol und eindeutig zweideutig. Dazu gab es vom Verkehrsverein Frielendorf und den Gastronomen im Ort im schwarz-roten Ambiente Liebesknochen und wolllüstes Wildschwein oder scharfes Putencurry – sehr appetitlich. Ach so, hier geht es zum Artikel.

Andrea C. Ortolano und Julia als Dornröschen

Abenteuer Afrika

Wieder einmal bin ich einer beeindruckenden jungen Frau begegnet. Es gibt so viele junge Menschen, die sich etwas trauen, ihren ganz eigenen Weg gehen und der Spur ihrer Leidenschaft folgen. So eine mutige junge Frau ist Hanna-Lena Reich aus der Schwalm. Sie studiert Afrikanismus und setzt sich für die Menschen in Afrika ein. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema will sie sich auch vor Ort für die Menschen engagieren, sucht den Austausch und die Begegnung, es bleibt nicht nur bei der Theorie.  Und dennoch hat man den Eindruck, dass sie schon jetzt auch eine professionelle Distanz zu schwierigen, elenden Situationen hat.

Sie sieht auch das positive, das bunte Afrika mit seiner kulturellen Vielfalt und nicht nur die  die hohe Kriminalität oder die Armut. Sie verfällt nicht dem Helfersyndrom sondern bewahrt sich die professionelle Distanz, was sicher keine leichte Aufgabe ist und trotzdem spürt man die Leidenschaft.

Hanna Lena Reich

Begegnung mit dem Elend

Nausis. Nun ist sie wieder zu Hause, sitzt am Waldrand zwischen Weinreben im heimischen Garten in Nausis. Um sie herum herrscht die ländliche Ruhe.

Das war im vergangenen Monat noch anders. Hanna-Lena Reich (24) lebte ein halbes Jahr im lauten Nairobi, wo sie innerhalb ihres Afrika-Studiums für die Vereinten Nationen arbeitete. Von dort berichtete sie für die HNA über ihre aufregenden Erlebnisse in der Millionenstadt sowie ihre Urlaube in Tansania und an der Küste Kenias.

Im Moment sei sie froh in Deutschland zu sein. Sie genieße die Natur im deutschen Frühling. Aber die Erlebnisse in Nairobi wirken noch nach und Hanna-Lena überlegt, ob eine Arbeit bei den Vereinten Nationen (UN) eine berufliche Perspektive ist. „Die Arbeit war interessant, aber so ganz anders als ich es erwartet habe“, sagte sie.

Einsatz für die Frauen

Die Nausiserin wirkte an dem Projekt „Safer Cities“ mit und beschäftigte sich mit der Sicherheit von Frauen in Städten. Das Leben in Nairobi mit einer der höchsten Kriminalitätsraten der Welt ist gefährlich: Vergewaltigung, Prostitution, Gewalt seien an der Tagesordnung. „Die Schicksale sind oft unglaublich hart und viele Menschen haben keine Perspektive“, erzählt Hanna-Lena. 60 Prozent der Menschen in Nairobi lebten in Slums teils ohne Strom, Wasser und Toiletten. Lebensgeschichten hörte sie viele, auch im berühmten Slum Kibera, in dem 200 000 Menschen leben. Das Elend war für die junge Frau schwer zu ertragen. „Ich hatte gedacht, ich sei abgehärtet.“

Sie selbst wohnte in einem der reichen Viertel der Stadt. Die großen Gegensätze waren für sie erschreckend. „Ich war in Afrika und doch nicht richtig da“, meint sie. „Wir sollten die Welt verbessern und gingen abends essen, das passt nicht zusammen.“

Ins Schwärmen kommt die Studentin als sie von ihrem Besuch in Dar es Salaam in Tansania erzählt. Dort arbeitete sie vor zwei Jahren bei einem Wasserprojekt und besuchte die Menschen nun wieder. „Mein Herz hängt sehr an diesem Ort.“ Die Menschen seien ebenfalls arm, aber das Leben sei nicht so schlimm wie das der Slumbewohner.

Immer wieder Afrika

Immer wieder zieht es Hanna-Lena nach Afrika. Schon als sie zum ersten Mal als Schülerin dort war, war sie Feuer und Flamme. Den Menschen auf diesem Kontinent bei ihrer Entwicklung zu helfen, sieht sie als ihre Aufgabe. Ein Schwerpunkt sei Frauenarbeit. Die Unterdrückung der Frau sei extrem. Die Studentin spürt wie viel Glück sie hat, sich so ganz nach ihren Vorstellungen entwickeln zu können. „Ich brauche Abenteuer und Abwechslung. Mir ist schnell langweilig.“

In Afrika gebe es keine Langeweile. Zu bunt sei das Leben dort, zu kontrastreich und spannend die Eindrücke.

Nun fährt sie wieder nach Bayreuth zum Studium. Aber irgendwann geht es wohl wieder in Richtung Afrika.

Von Christine Thiery HNA vom 22. Mai 2011

Begeisterung stoppen

Presse klatscht nicht

Das  fühlt sich schon oft komisch an:  Ich sitze zwischen vielen Menschen, etwa bei einer politischen Veranstaltung, einer Ehrung, im Theater und  bin im Dienst der Zeitung unterwegs.  Alles um mich herum klatscht, nur ich nicht. Als einzige lasse ich die Hände am Kuli und starre auf meinen Block. Die Devise lautet: Presse klatscht nicht. Der Hintergrund ist ganz einfach. Wegen der Objektivität sollte man keine Meinung zeigen. Mit dem Klatschen tut man dies aber.

Das finde ich nicht immer so toll. Als Mensch ist man nun einfach ein soziales Wesen. Ich fände es klasse mal laut zu klatschen dürfen,  wenn der Parteifreund  geehrt wird, den ich kenne und einfach nur nett finde, auch wenn wir politisch nicht auf einer Welle sind. Super wäre es auch die Hände vor Begeisterung laut aneinander zu bringen, wenn der Tenor so toll singt, dass mir das Herz blutet oder die Rednerin einen exzellenten Vortrag gehalten hat.  Da bedauere ich manchmal Kurt Tucholskys Worte: Der Journalist ist überall dabei, aber gehört nirgends dazu. So ähnlich fühle ich mich dann auch.  Naja, zum Trost darf ich dann ja was darüber schreiben.

 

Noch einmal Frida

Biografien über Frida Kahlo gibt es sicherlich viele. Nach dem Besuch der Ausstellung Retrospektive in Berlin habe ich nun eine gute Beschreibung des Lebens der mexikanischen Malerin gefunden. Hayden Herrera schafft es, ein fesselndes Bild der spannenden Revolutionärin zu zeichnen und geht dabei tief in viele Facetten.

In vielen Zitaten aus Briefen lernt man ein gutes Stück Frida besser kennen: „Ich habe in den letzten Monaten so viel leiden müssen, dass ich mich kaum schnell erholen kann“ , schreibt sie ihrem Arzt. Dr. Eloessser, den sie immer wieder aufsuchte, wenn sie wegen des Unfalls Probleme mit der Gesundheit hatte.  Später heißt es in ihren Briefen: „ Ich glaube, dass ich durch Arbeit meine gegenwärtigen Sorgen vergessen kann und es wird mir besser gehen.“

Ja, sogar Picasso, der Penibelste aller Peniblen, sang ein Loblied auf Fridas  künstlerische und persönliche Qualitäten. Als Zeichen seiner Zuneigung schenkte er ihr Ohrringe aus Schildplatt…. S. 221.

Das Buch gibt eine vielschichtige Sicht auf die Person Fridas und ihre Kunst. Zugleich zeigt es in die Verbindungen zu anderen Künstlern der Zeit und die Bekanntschaften der Kahlo mit  Politikern wie Trotzki und Eisenhower.

Immer wieder freitags

Freitags ist der Wurm drin….

Es muss doch irgendwo eine Statistik geben, die zeigt, dass freitags die meisten Unfälle passieren. Drei Wochen in der Nachbarredaktion reichen, um mir wieder einmal zu zeigen: Freitag rumst es immer. Wenn  die Sirene geht, werden alle Redakteure unruhig. Da gibt es eine eindeutige Marschrichtung: Bei Unfall oder Brand müssen wir berichten. Da ich nun die einzige bin, die im Moment dafür in Frage kommt, sitze ich quasi immer in den Startlöchern. Kamera und Block liegen griffbereit auf dem Tisch. Beim ersten Tatütata schnappe ich beides und rase los. Oft komme ich gemeinsam mit der Polizei an.

Am schlimmsten ist es freitags. Meistens kurz vor Dienstschluss, wenn es so etwas als Lokalreporter überhaupt gibt, geht das tatütata.  Aber da hilft nichts,  im Dienste des Lesers geht es raus ———–egal wann. Der Adrenalinpegel steigt und damit auch die Power. Das ist dann nach einem 9 Stunden Tag auch nötig, denn nach dem Einsammeln der Fakten, dem Knipsen und manchmal sogar noch dem Videodreh wird alles noch für den nächsten Tag fertig gemacht. Wenn man dann so gegen 8 aus der Redaktion fällt, ist der elf-Stunden Tag auch wieder einmal voll.