Wahlkampf in der Kleinstadt

Wenn ich morgens so ins Büro fahre, komme ich zurzeit nicht an den Wahlplakaten der heimischen Parteien vorbei. Am 27. März ist Kommunalwahl und die Politiker unserer Stadt kämpfen auf Hochtouren um die Plätze in den Parlamenten. Ich staune über die Kreativität. Sicher, sozial, kompetent heißt es da. Daneben prangen auf rotem Grund drei Kreise zum Ankreuzen. Ich komme ins Grübeln. Irgendwie erinnern mich diese Plakate an die Werbebanner in den 80ern. Haben die das Zeug raus geholt um uns Wählern vorzugaukeln, dass alles noch beim Alten ist, wir uns in den Zeiten des  sozialen Wohlstands  befinden, als es noch kein Hartz IV gab, Globalisierung ein Fremdwort war und wir uns auf eine sichere Rente freuen konnten?  Das wäre immerhin eine Möglichkeit.

Plakat Grüne Kommunalwahl Quelle: Internetseite Grüne
Plakat Grüne Kommunalwahl Quelle: Internetseite Grüne

Ein anderes Plakat  zeigt eine schöne Ansicht unserer Stadt mit den Worten „Homberg wird besser“.  Das nenne ich mal positiv gedacht und das Ganze auf den Punkt gebracht. Bei den heftigen Streitereien in unserem Stadtparlament, wo ein Akteneinsichtsausschuss dem nächsten folgt, kann man sich eigentlich nur noch an das Prinzip Hoffnung klammern. Ebenso wie bei unserem Aushängeschild Marktplatz, der seit seiner großen Umgestaltung vor drei Jahren zwar schön ist, aber leergefegt wie in einem schlechten Western, weil die Geschäfte fehlen. Das lässt wahrlich nur den Schluss zu:  Es ist ist Zeit, dass das aufhört und endlich alles besser wird, wie auch immer.

Schadenfreude und die Folgen

Im Februar dieses Jahr  habe ich mal eine Kolumne geschrieben, sie wurde auch veröffentlicht und lautete:

Eis und Schnee bitte nur für gerade Jahre

In unserer Gemeinde gibt es klare Regeln fürs Gehweg-Räumen bei Eis und Schnee. Wir haben nur einen Bürgersteig in der Straße und die Hausnummer 3. Deshalb müssen wir in ungeraden Jahren den Weg eisfrei halten. Bei geraden Jahreszahlen sind unsere Nachbarn dran, – also die von gegenüber. Ich erinnere mich an ein ungerades und sehr schneereiches Jahr, da bedauerte mich die Nachbarin. Mensch, es tut mir aber leid, dass es dieses Jahr so wahnsinnig viel schneit, sagte sie. Das macht doch nichts, hält fit, erwiderte ich sportlich und schob zähneknirschend die weißen Massen vor mir her. Seit Anfang  2010 arbeite ich morgens früh am Computer, schaue dabei aus dem Fenster und sehe fast täglich unseren Nachbarn. Er läuft die Straße rauf und runter, kehrt  seit Wochen den Schnee weg, kratzt das Eis vom Asphalt und streut den Weg. Wenn ich zur Arbeit fahre,  ist  der Nachbar ist immer noch am Werk. Ich winke ihm freundlich zu, er stützt die Arme auf den Schneeschieber und grinst breit zurück.  Was bin ich froh, dass sich dieser Jahrhundertwinter ein gerades Jahr ausgesucht hat. Statistisch ist es dann doch bestimmt sehr wahrscheinlich, dass der nächste Winter Jahr total mild wird rechne ich aus und fahre weiter.

Nachsatz: Jetzt sind wir immer noch in 2010  und der Nachbar schippt schon wieder seit einem Monat den Schnee beiseite. Ich  schaue nun schon seit Wochen die Prognosen für Schnee im Januar 2011 an und  finde  der Winter hat früh angefangen und er sollte auch  früh aufhören, oder? Nach Silvester wird es bestimmt nicht mehr schneien. Das reicht ja jetzt auch mit dem Schnee. Stopp. Aus. Fertig. Schluss.

Keine Angst

Keine Angst – Mauern gegen den Abstieg

Mittwoch, 10. März, 20.15 Uhr, ARD  Keine Angst – Mauern gegen den Abstieg.  Ich saß vor dem Fernseher und konnte manchmal kaum hinschauen. Es war bedrückend in welcher Situation die 14-jährige Becky aufwächst. Obwohl es sich um einen Spielfilm handelt, scheint der Film sehr realistisch, er zeigt die Welt einer völlig vernachlässigten Jugendlichen, die in schrecklichen Umständen aufwächst, wie man sie heute aber bestimmt oft antrifft.  Es tut so weh, man möchte fast aufstehen und rausgehen. Doch das Thema fasziniert auch in seiner Rohheit und Wahrheit. Es handelt sich dabei um mehr als um das ewig alte Drama zweier Liebenden, wie sie schon oft in der Literatur benutzt wurden, um Konflikte in der Gesellschaft aufzuzeigen. Ob Romeo und Julia oder Kabale und Liebe -dort wo zwei Menschen sich nicht lieben können wegen ihrer verschiedenen Herkunft werden immer auch die dahinter liegenden Probleme sichtbar. Bringt  der Film nun wirklich zwei Welten zueinander, wie das die Regisseurin meint?  Soll dies die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft symbolisieren?  Zumindestens bleibt das Ende offen. So offen wie die Lücke zwischen Arm und Reich.