Noch einmal Frida

Biografien über Frida Kahlo gibt es sicherlich viele. Nach dem Besuch der Ausstellung Retrospektive in Berlin habe ich nun eine gute Beschreibung des Lebens der mexikanischen Malerin gefunden. Hayden Herrera schafft es, ein fesselndes Bild der spannenden Revolutionärin zu zeichnen und geht dabei tief in viele Facetten.

In vielen Zitaten aus Briefen lernt man ein gutes Stück Frida besser kennen: „Ich habe in den letzten Monaten so viel leiden müssen, dass ich mich kaum schnell erholen kann“ , schreibt sie ihrem Arzt. Dr. Eloessser, den sie immer wieder aufsuchte, wenn sie wegen des Unfalls Probleme mit der Gesundheit hatte.  Später heißt es in ihren Briefen: „ Ich glaube, dass ich durch Arbeit meine gegenwärtigen Sorgen vergessen kann und es wird mir besser gehen.“

Ja, sogar Picasso, der Penibelste aller Peniblen, sang ein Loblied auf Fridas  künstlerische und persönliche Qualitäten. Als Zeichen seiner Zuneigung schenkte er ihr Ohrringe aus Schildplatt…. S. 221.

Das Buch gibt eine vielschichtige Sicht auf die Person Fridas und ihre Kunst. Zugleich zeigt es in die Verbindungen zu anderen Künstlern der Zeit und die Bekanntschaften der Kahlo mit  Politikern wie Trotzki und Eisenhower.

Sind wir nicht alle ein bisschen Frida?

Das Leiden und die Liebe

„Sie meinten, ich sei eine Surrealistin. Ich habe nie meine Träume gemalt, nur meine eigene Wirklichkeit“, sagte die mexikanische Malerin Frida Kahlo, als sie entdeckt wurde. Das lässt fast den Schluss zu, dass ihr Leben irgendwie unwirklich war.

Frida Kahlo

Schon fast absurd erscheint, was sie erlebte, wie sehr sie leiden musste und doch einen Weg für sich fand zum intensiven Leben. Als junge Erwachsene wurde sie von einer Straßenbahn angefahren, eine Stange durchbohrte ihren Körper. Da begann sie zu malen. Ein Leben lang litt sie unter den Folgen des Unfalls, dazu hatte sie ein Wirbelsäulenleiden und mit Folgen von Polio zu kämpfen. 21 Operationen durchlitt sie, war zeitweise ans Bett oder den Rollstuhl gefesselt, sie wurde nur 47 Jahre alt.

Das Leiden prägte ihr Leben, auch in der Beziehung zu dem Künstler Diego Rivera, mit dem sie eine große Liebe und viele Enttäuschungen durchmachte. Eine Scheidung und dann die Widerheirat. Alles hielt sie in ihren Bildern fest auch die Fehlgeburt. Sie malte auch im Krankenbett, ließ sich eigens eine Staffelei anfertigen.

So groß wie ihre Qualen, so groß war ihre Stärke und ihre  Kunst. In ihren Bildern steckt noch heute die  große Ausdruckskraft der Künstlerin für das Leiden und die Liebe. Sie lässt uns  die beiden zentralen Themen des Lebens spüren. Deshalb bietet sie eine große Projektionsfläche für nahezu jeden und man findet Teile von sich in ihr.

Sie intellektualisiert, doch  ihre Sprache ist die des Gefühls, wobei es der Symbolik, dem Szenario daher kommt.  In ihren vielen Selbstbildnissen scheint sie selbst fast entrückt, ein wenig distanziert. Das meist immer gleiche Gesicht in ihren Darstellungen  spiegelt nur selten ihr Befinden, nur ausnahmsweise fließen Tränen darauf. Als hätte sie eine  Distanz zu sich und so vielleicht auch die Kraft. Auch die oft starren Augen scheinen zu sagen, ich halte durch. Meist schauen sie schräg nach unten, weg vom Betrachter. Manchmal auch wissend durch ihn hindurch.

Frida Kahlo wurde 1907 in Coyoacan in Mexiko geboren. Sie zählt zu den großen Identifikationsfiguren der latein-amerikanischen Kunst. Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ragt sie als eine der berühmetesten Künstlerinnen heraus. Ihr ereignisreiches Leben, die Bekanntschaft mit vielen Berühmtheiten ihrer  Zeit lässt sich facettenreich darstellen. Frida Kahlo lebte von 1907 bis 1954. Sie starb im Alter von nur 47 Jahren. Ihr Vater hatte deutsche Wurzeln, die Mutter war Mexikanerin.  (Quelle: Faltblatt der Ausstellungsleitung)

Die  Ausstellung Retrospektive zeigt zurzeit das Leben und bedeutente Werke der Künstlerin Frida Kahlo im Martin Gropius Bau in Berlin bis zum 9. August.

Neben den Bildern und biografischen Schilderungen ergänzt eine Fotoschau aus dem Besitz der Familie und Freunden die Ausstellung. Ein Dokumentationsfilm komplettiert den Blick auf Frida Kahlos Leben . Faszinierend.