Besser geht es immer

„Besser geht´s immer“

Meinen ersten Termin bei der Zeitung werde ich nie vergessen. Ich war 32 und machte ein Praktikum bei einer Wochenzeitung. Eigentlich wollte ich in die Werbebranche, Prospekte und Internetauftritte entwerfen und hatte dafür eine Weiterbildung absolviert.  Aber ich brauchte ein Praktikum, welches  ich eben bei dieser Zeitung bekam. Während ich nun öde Anzeigen  gestaltete, lugte ich immer öfter neugierig in die Abteilung nebenan. Dort wurden Interviews geführt, Fotos bearbeitet und Texte geschrieben.  Kreispolitiker und Unternehmer, Künstler und Sportler gingen  ein und aus. Meine Nase wurde immer länger und meine Neugierde immer größer. Und wie es der Zufall so wollte war einmal jemand krank und ein Reporter musste her. Man fragte mich.

Ich war sehr interessiert. Die Sache hatte nur einen Haken. Schließlich hatte ich von rein gar nichts eine Ahnung. Gut, lesen konnte ich immerhin schon und hatte dies auch immer ausgiebig betrieben. Das schien mir nach einiger Überlegung die beste Voraussetzung fürs Schreiben. Aber außer ein paar schlecht gelungenen Fotos im Familienalbum konnte ich keine große Erfahrung an der Kamera vorweisen. Das war wohl nicht so vorteilhaft.

Der Redakteur hatte es aber gut mit mir gemeint und der Anfängerin gleich drei Termine an einem Tag aufgedrückt. Ich schnallte also die Kamera um und es ging los – in den Tierpark. Ein Tierfotograf stellte dort Bilder aus. Ein älterer Herr, recht bekannt für seine Fotos in der Region, erklärte wie er die Füchse vor die Linse bekam. Mutig steuerte ich auf ihn zu und sammelte die Details seiner Geschichte auf. Ich fing einfach an zu fragen, ohne Konzept und mit viel Neugierde hörte ich ihm zu, stellte ihn irgendwie vor sein Bild, drückte auf den Auslöser der Kamera und rauschte wieder ab.

Als ich in ähnlicher Manier auch die anderen beiden Termine ohne jegliches Vorwissen und völlig aufgeregt hinter mich gebracht hatte, ging es an den Computer. Auch dort war das Konzept eher schlecht. Was schreibe ich und wie geht das? Nachdem ich stundenlang überlegt hatte, kam mir der rettende Gedanke. „Besser geht es immer. Du fängst einfach an“, machte ich mir Mut. Ich haute einfach irgendwas aus meiner Beobachtung und meinem Gefühl in die Tasten, mischte das mit dem mir bekannten üblichen Zeitungsjargon und brachte so in einer Sonntagnacht  einen  schönen Vierzigzeiler zustande.

Der Artikel war nicht berauschend, aber immerhin gab es ein Lob. „Ja, schreiben kann sie“, sagte der Redakteur. Das beruhigte mich wenigstens erst einmal, die viele Arbeit hatte sich gelohnt. Dann fügte er  hinzu: “Aber an den Bildern müssen wir noch arbeiten.“  Das Foto lag auf dem Redaktionstisch. Ich hatte den guten Mann leider aus vielen Metern Entfernung aufgenommen, so komisch von der Seite und sein Tierbild konnte man nur schemenhaft erkennen. Eigentlich sehr gruselig. Dass man Pressefotos stellen muss und nach genauen Vorgaben arbeitet, wusste ich damals ja noch nicht.

Bis ich das einigermaßen hinbekam, gingen viele Jahre ins Land. Und trotz erstem Lob:  Auch beim Schreiben lerne ich ständig dazu und mein erster Gedanke gilt nach wie vor. Besser geht´s immer!

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Lernen und kleine Pause

Ich habe vor einer Woche gerade ein Experiment begonnen. Für vier Wochen arbeite ich  in der Nachbarredaktion . Meine Idee war es wieder mehr in das Redaktionssystem Einblick zu bekommen und den täglichen Redaktionsablauf. Ich habe das früher oft gemacht und  in den letzten drei Jahren weniger, weil ich noch in der Firma meines Mannes mit gearbeitet habe.

Es ist irgendwie wirklich wie ein Experiment. Es hat sich vieles verändert und ich muss mich ganz schön strecken, um da wieder anzudocken. Da prallen viele Eindrücke auf mich ein. Deshalb komme ich im Moment auch nicht dazu, mich um meinen Blog zu kümmern. In zwei Wochen wird es wieder anders.  Ich werde dann von meinen Erfahrungen berichten und hoffentlich auch mit vielen Ideen wieder dabei sein.

Der Jahresanfang

Januar und Februar sind immer mau: Wenn du frei bei einer Tageszeitung arbeitest, kann der Jahresanfang ganz schön langweilig werden. Die meisten Termine fallen im Sommer und kurz vor Weihnachten an. Dann steht das Telefon kaum still. Doch jetzt:  Der  Fasching ist vorbei, der Schreibtisch ist leer und ich fange an aufzuräumen. Die alten Artikel landen im Papierkorb.

Die letzte Sitzung der Gemeinde fällt mir in die Hände. Oh Gott, was habe ich mich aufgeregt. Da lernt man Menschen kennen!

Heute habe ich erst abends einen Termin.  Es geht um Solarparks und Windenergie, die in einer kleinen Gemeinde entstehen sollen. Dazu gibt es eine Bürgerversammlung. Erfahrungsgemäß sind die Bügerversammlungen zu diesen Themen immer sehr brisant, weil zwar alle für erneuerbare Energie sind, aber keiner die hässlichen Anlagen vor seinem Haus stehen haben will. Viele haben Angst vor dem Lärm der Rotoren und dem Preisverfall ihrer Häuser. Also wird es bestimmt wieder heiß hergehen.

Ich bin ganz neu in dieser Gemeinde, weil sich gerade ein Wechsel ergeben hat. In meinem bisherigen Gebiet werde ich nun weniger eingesetzt, ich muss also weiter raus fahren. Deshalb bin ich also doppelt gespannt, was heute passieren wird. Die Kamera ist geladen und der Block liegt bereit, ein Artikel zum Thema ebenfalls. Ich mache mich jetzt zurecht und dann geht es los. Hoffentlich dauert es nicht zu lang, die Diskussionen können auch schon einmal sehr langweilig werden. Ich will immer am liebsten, dass alle auf den Punkt kommen. Den Gefallen tun  mir die Referenten meist nicht. Wenn man also damit zu tun hat, oft fremdem Themen zu lauschen und versucht das Wichtigste mitzuschreiben, gehen die Referenten oft in ihren Fachrichtungen auf.