Immer schön über den Durst trinken

Aschermittwoch ist vorbei und bei vielen ist Fasten angesagt. Ich atme erleichtert auf, mein Weg geht anders.

Ich bin bekennender Genussmensch und auf leckeren Fischsalat und Barbera zu verzichten ist eigentlich die reinste Qual für mich. Allein nach Silvester kann ich selbst mein geliebtes Vitello Tonnato nicht mehr sehen und brauche dringend mal eine Ess-Pause. Diese Zeit nutze ich dann zum Fasten und zwar möglichst schnell, bevor der ganze Zauber wieder vorbei ist. Am 1. Januar geht es immer los. Ein Obsttag, fünf Tage Tee, Wasser und Gemüsebrühe und zwei Tage leichte Kost.

Anfangs bin ich noch voller Euphorie und rede mir gut zu: Du kannst auch Disziplin , sage ich mir immer wieder liebevoll aber bestimmt.  Zur Unterstützung gehe ich auch auf die Waage. Dieser Schritt ist allerdings der schwierigste, wenn auch wirkungsvollste. Langsam platziere ich erst den großen Onkel auf der Wiegefläche und setze dann den  ganzen Fuß dazu. Erst dann traue ich mich auch den anderen Fuß darauf zu stellen. So erscheint  eine zutiefst erschütternde Zahl auf der Anzeige.  Die Folge: Ich steige schnell wieder hinunter und halte auf jeden Fall weiter durch.

Nach einer Zeit werden Bauch und Wangen hohl und ich fange an, mich wieder wohl zu fühlen. Das beflügelt. Nächtelang lese  ich mich durch die Weltliteratur, weil  ich nicht schlafen kann und höre dem Rumoren in meinem Bauch zu.

Nach ein paar Tagen folgt dann das Unvermeidliche. Ich  kann keinen Jasmintee mehr sehen und hasse meinen Mann wenn er seine Fastendevise „Immer schön über den Durst trinken“ runter leiert. Damit meint er natürlich Wasser, leider.  Stundenlang schaue ich zur Überbrückung Kochsendungen im Fernsehen. Selbst die drei Fastenratgeber retten mich nicht mehr.  „Im Fasten öffnet sich der Geist, man kommt zu sich selbst“, steht da verheißungsvoll.  Ich frage mich, wann komme ich endlich wieder zu fester Nahrung.

Zum Glück ist das ja nun vorbei und während nun alle fasten kann ich auch nach Aschermittwoch getrost zum  Italiener gehen.

Advertisements