Klimawechsel

Tabuthema zum Losprusten

Da ist erst mal keiner heiß drauf: Die Wechseljahre sind fürs Fernsehen höchstens in Form einer Dokumentation vorzeigbar. Klinisch und nüchtern aufgemacht, mit Informationen gespickt, Grafiken und Animationen. Doch Doris Dörrie ist ein anderes Format gelungen, in den Folgen Klimawechsel. Satirisch und provokativ greift sie anhand von  fünf Frauen das Tabuthema auf, malt es mit viel überspitztem Humor bunt an und schon kann man sich den ansonsten unangenehmen Folgen der hormonellen Veränderung nähern.

Zum Losprusten komisch überzeichnet das ZDF das Leben der Fünfzigerinnen im prallen Wechsel. Vier Lehrerinnen und eine Gynäkologin kämpfen gegen den Verlust der Attraktivität. Kurz vor dem Klimakterium bekommt Kunstlehrerin Desiree (Andrea Sawatzki) noch ein Kind und ist sichtlich überfordert damit. Sie, die sich eigentlich voll und ganz der Kunst verschrieben hat, muss sich mit Wickeln und Stillen rumschlagen.

Schließlich schreit sie die Schüler an: „Wer nicht für die Kunst leben will, verlässt den Raum“. Nun sitzt sie allein da, so allein wie sie auch der Kindsvater eigentlich lässt. Er will, dass sie stillt bis das Kind ein Jahr ist, sie muss als Lehrerin Geld verdienen und hat keine Zeit mehr für sich. Er dagegen lässt es als Yogalehrer nach dem Hormon Yoga krachen besonders mit der Gynägologin Dr. Bach (Maren Kroymann), die so richtig bitterböse ihrer Nebenbuhlerin, der attraktiven Mathelehrerin  Beate Busch (Ulrike Kriener), sogar die Vagina bei einer Straffung zunäht, um sich wieder ins Rennen zu bringen.

Leiser kommt die behäbige Angelika Arndt (Maria Happel) daher. Sie schwimmt jede Nacht in ihrem Bett, Hitzewallungen, kämpft mit der Gewichtszunahme und dem deswegen ewig an ihr herum meckernden Gatten Kurt (Horst Kotterba). Letzlich  flüchtet sie sich in den Derwisch Tanz und will zum Islam konvertieren.

Abhauen kann vor den Wechseljahren aber auch nicht die schüchterne und sensible Biologielehrerin Cornelia Koch (Juliane Köhler)  nicht. Sie schlägt ihre Panikattacken erst mit Putzanfällen und lässt sich später auf eine Affäre  mit einem Schüler ein, von dem sie schließlich sogar schwanger wird.

Schön überzeichnet? Der Kampf gegen den Wechsel gewinnt an Fahrt, mit jeder Folge werden die Charaktere extremer, die Geschichten überdrehen, bis sie sich selbst so stark karikiert haben, dass man meinen können, eine Klimakatastrophe und nicht nur ein Wechsel kündige sich an. Da will man wissen, wie es weiter geht und wird ganz heiß auf die nächsten Folgen.

Klimawechsel: ZDF 4. 5.und 6.  Folge, Donnerstag 15. April, 22. April, 29. April jeweils 21 Uhr