Voll Moppelkotze

Moppelkotze. Diesen Ausdruck habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als ich gestern in einer Lesung saß und der Autor einiger netter Gedichte, Holger Becker,ein undefinierbares Essen am Ende als Moppelkotze entlarvte, konnte ich nicht anders als laut loslachen. Moppelkotze.  Das gibt es tatsächlich.  Ich habe mal nachgegoogelt. Moppelkotze ist ein im norddeutschen Raum verbreiteter Eintopf mit nicht näher definiertem Inhalt. Alles irgendwie quer Beet. Grüne Bohnen, Rindfleisch, Kartoffeln, ach irgendwas.

Heute wird der Ausdruck in der Jugendsprache für alles Ekelerregende benutzt. Das alles sagt wikipedia. Auch. Irgendwo beim NDR wird es in einer Sendung frei übersetzt mit Alles Unsinn. Das heißt dann natürlich“ voll Moppelkotze“.

Irgendwie trifft das auch den Kern dessen was Holger Becker, der im richtigen Leben Standesbeamter ist, so in seiner Freizeit macht. Nämlich alle Ungereimtheiten in Form zu bringen und sich seinen Reim darauf zu machen. Witzig, lustig,durchaus tiefgründig und vielleicht ein bisschen „voll Moppelkotze“.

Eine Probe: “Frosch am Teich entdeckt die Fliege. Denkt: Na, ob ich die wohl kriege? Fliege ist noch sehr vital. Frosch denkt: Na, dann nächstes Mal.”

Aufopferung?!

Tief bewegt hat mich der Besuch bei Bettina Koyro, einer Frau in  meinem Alter, die seit 20 Jahren intensiv Entwicklungshilfe in Brasilien betreibt. Seit sie in der Kindheit für ein paar Jahre  in Sao Paulo lebte, hat sie die hilflosen, armen und hungernden Menschen nicht vergessen. Sie fasste nach dem Abitur den Entschluss, wieder dort hin zugehen. Sie wurde Hebamme, baute eine Krankenestation auf und kümmert sich nun in Juiz de Fora um die hunger leidenden Menschen in der Stadt. Das ist ihr Ding und irgend stellte sie das nie in Frage.

Auch wenn sie selbst kämpfen muss, für ihre Rente, die sie so wahrscheinlich nie bekommt. Sie hat selbst nicht viel, bereut es aber nicht, diesen Weg gegangen zu sein. Aufgeopfert habe sie sich nicht, sagt sie. Es war immer ein Bedürfnis.

Wie Krisen in die Kraft führen können


Ein junger Mann, der von Geburt an nicht hören kann. Den habe ich in der letzten Woche kennen gelernt. Eine Ausnahme. Nicht hören zu können ist für viele Kinder ein großes Handikap. Einige Erfahrungen habe ich bei meinen Besuchen an der Hörbehindertenschule in Homberg, der Herrmann-Schafft-Schule,  gemacht, die eine der größten Einrichtungen dieser Art in Nordhessen ist. Man begegnet dort vielen Kindern mit dieser besonderen Schwäche, sie brauchen meist ein andersartiges Lernern als andere.

Deshalb hat mich der Besuch bei Tobias Zischler  so überrascht. Er wirkt unglaublich souverän, selbstbewusst und stark. Das habe ich bei Menschen mit dieser Behinderung noch niemals in dieser Form erlebt. Zudem fällt es bei ihm kaum auf,  er spricht sehr gut und verstand nahezu alles. Ich merkte, wie ich ganz  normal sprach.

Dass dieser Junge auf ein Gymnasium ( Melanchton Schule Steinatal) gehen kann, und dann noch ein guter Schüler ist zegt, was die Groß-Eltern alles für ihn getan haben, damit er sich mit seiner Behinderung entwickeln kann. Das ist ein wahnsinniger Einsatz, der meinen großen Respekt hat – sie ziehen extra dorthin, wo der Junge zur Schule gehen kann. Er kann sogar Klavier spielen. Das ist famos…und bald wird er sicher studieren..Im Artikel berichte ich über seinen Sieg bei den Deutschen Gehörlosen Radmeisterschaften, das hat er auch noch so mal schnell geschafft…..

Zum Artikel: 20100925_0004391872_hna-1

Menamanie

Talent auf der Facebook-Bühne

Marlena Hajek

Alle sind in der Lenamanie nach dem grandiosen Sieg von Lena Meyer-Landrut beim Grand Prix. Das erinnert mich an meine Menamanie. Sie ist eine der besten Freundinnen meiner Tochter und künstlerisches Multitalent.

Die Leidenschaft für Tanz, Musik und Kunst prägen ihr Leben und so folgt sie immer wieder ihren Impulsen, setzt sich mit der Gitarre vor die  Videokamera, nimmt sich beim Gitarre-Spielen und Singen auf, malt Bilder, macht wunderschöne Fotos  und zeigt das auf der Facebook-Bühne.

Hut ab

Respekt vor dem Vertrauen

Maximiliane Lata

Neulich am Berliner Künstlermarkt an der Straße  des 17. Juni habe ich mich in eine Mütze verliebt. Okay, ein bisschen half die Macherin der Hüte,  Maximiliane Lata mit. Zielsicher  setzte sie mir eine ihrer Kreationen auf das Haupt, rückte ihn etwas nach rechts und streifte mein Haar hinters Ohr. Der Blick in den Spiegel überzeugte mich, ich gefiel mir sofort. Meine Freundinnen um mich herum waren auch ganz entzückt. Nimm den, toll, so die Kommentare.  Mein Blick in den Geldbeutel ließ allerdings zu wünschen übrig, gähnende Leere nach einem Wochenende in Berlin.

Kartenzahlen gibt es bei den meisten Künstlern nicht und auch der nächste Automat ist meilenweit entfernt. Also sagte die gute Frau: „Wir schauen uns in die Augen, sagen Sie mir Ihren Namen und dann geb ich Ihnen meine Bankverbindung.  Sie nehmen den Hut mit und können mir das Geld morgen überweisen.“ Da war ich sprachlos. So etwas habe ich lange nicht erlebt. Dieses Vertrauen. Sie kennt weder mich noch meine Freundinnen, sie lebt in Berlin, ich in Nordhessen. Ich hätte der alles erzählen können. Unglaublich, dass es so etwas noch gibt.

Ich kann noch nicht einmal in meinem Edeka Laden um die Ecke anschreiben, obwohl ich da seit zwölf Jahren über den Daumen gepeilt 40.000 Euro gelassen habe, bestimmt als solvent gelte und immer bezahlt habe.  Das ärgert mich manchmal schon.

Deshalb, einmal mehr: Hut ab oder en francais Chapeau liebe Maximiliane

Außerderdem sind die handgefertigten Hüte und Mützen in vielen  Variationen natürlich total schön…..und die Verkaufstaktik vom maxim lata einmalig. Sie schwätzt einem keinen alten Hut auf, sondern berät individuell und kompetent.

Gut behütet

Buddhistin Gelongma Lama Palmo

Die erste österreichische Lama

Beeindruckend war ein Porträt  über Gelongma Lama Palmo. Darin berichten die Reporter über die Wienerin Sabine Arzt-Januschke, die als erste Österreicerin gilt, die budhistische Nonne wurde.

Arzt-Januschke wird 1970 in Wien geboren  und begann nach dem Ende der Vienna Business School ein Studium der Germanistik und Romanistik, wiederum in Wien. Sie schrieb und fotografierte, oft auch über das Thema Buddhismus. Fasziniert war sie von Beginn ihres Lebens von Religion.

Das Porträt zeigt eine ungewöhnliche Frau, die kurz nach  ihrer Hochzeit beschloss budhistische Nonne zu werden.

1998 erhielt sie die ersten klösterlichen Gelübde und trat 2000 in das traditionelle Kagyu Drei Jahresretreat in KTD, USA ein.

Gleich nach dessen Beendigung wurde sie 2004 nach Japan und noch im selben Jahr nach Österreich geschickt. Im Dezember 2004 erhielt sie die volle klösterliche Ordination einer Gelongma (tib.: dge slong ma) oder Bhikkhuni innerhalb des Vietnamesischen Zen Buddhismus.

2006 traf sie Dalai Lama und Karmapa Orgyen Trinley Dorje in Privataudienzen. Beide erteilten ihren Rat und Segen für die Projekte von Lama Palmo. 2007 wurde sie von Tai Situ Rinpoche zum Lehrer in Residenz für Palpung Yeshe Chökhor Ling Europe ernannt.

Veröffentlichung: The Himalayas and Beyond – Karma Kagyu Buddhism in India and Nepal, Foreword by H.H. Dalai Lama, Palpung Yeshe Chökhor Ling Europe, Wien 2009

Land ist seine Leinwand

Landart Künstler Hans-Joachim Bauer – alles verändert sich



Mardorf. Alles verwandelt sich, nichts bleibt gleich: Darauf weist Dr. Hans-Joachim Bauer oft in seinen Kunstwerken hin. Auch er erfindet sich ständig neu. Vom Manager über den Berufschullehrer führte sein Weg zum Land-Art Künstler.

Er lebt mittlerweile in seinem Atelier, einem Fachwerksaal  im beschaulichen Mardorf. Am Rande des Dorfes liegt sein Kunstfeld. Darauf malt er seine Ideen, aber nicht mit Pinsel und Öl, sondern mit dem Pflug in den Acker oder mit Saatgut in die Erde. Relikte seines künstlerischen Schaffens sind um ihn herum im Atelier.  Blaue Äste, Baumstämme, Zeichnungen, die goldene Kuh, einst Kunst für den Hessischen Landtag, Zeitungsartikel säumen die Wände im Saal.
Dort entstehen auch seine Ideen.   Er sagt: „Ich wollte schon immer meine Kreativität ausleben und neue Systeme entwickeln, in denen ich lebe.“ Lange Zeit lebte er aber – wenigstens für den Betrachter- wie viele andere.

Die Kunst spielte bei Bauer erst mit Anfang 50 eine Rolle. Er habe bis dahin schon immer Einfälle gehabt, die mit Religion und Philospohie zu tun gehabt hätten, aber lange Zeit blieben die Ideen nur in seinem Kopf.
Das erste größere Werk war eine fotorgrafische Inszenierung über den Kreuzweg Jesus im Fitness-Studio. Damals  brachte er noch Berufsschülern Wirtschaft und Englisch bei. Paralell war er allerdings auch schon auf anderen geistigen Wegen unterwegs, studierte nebenbei Philosophie, Geschichte und Politik, promovierte auch  und schrieb die Erzählung die Bleiarche.

Eisprung zur Landart

„Den „Eisprung“ zur Landart hatte ich Anfang der Neunziger“, sagt er.  Ein Landwirt  aus dem Dorf brachte ihn darauf. „Warum schreiben sie nicht mal Gott auf den Acker“,  hatte er gefragt. Genau das tat  Bauer dann.  Gemeinsam mit dem Sohn des Bauern schufen sie ein Feldrelief mit diesem Wort.  Aus der Vogelperpektive gut zu sehen, erregte es viel Aufsehen und Bauer hatte einen weiteren Weg gefunden, sich auszudrücken.

Im Acker malt der Landwirt, Bauer trägt meist  den gedanklichen Teil des Prozesses. In der Landart habe er ein Mittel gefunden, das Innere nach außen zu stülpen und seine Vorstellung von der Welt anderen mitzuteilen, sagt er.

Das größte Landart-Projekt entstand 1998. Die Hasenjagd. Der Acker ist wieder seine Leinwand. An der Autobahn A7 bei Ostheim lässt er die Umrisse eines rennenden Hasen rechts und links neben der Fahrbahn als Erdrelief einbringen. Es scheint, als ginge die Fahrbahn mitten durch das Tier und soll ein Fingerzeig an die Zerstörung der Natur durch den Menschen sein.

Das Thema Mensch und Natur greift er öfters auf. Im vergangenen Winter reiste er nach Patagonien, um in einer Installation auf die Gletscherschmelze und den Klimawandel aufmerksam zu machen. Dafür stieg er ins kalte Gletscherwasser. 2005 stellten sich alle Mardörfer zu einem Dorfgesicht zusammen, formten Mund, Nase, Augen und Ohren – auch mit Traktoren und Landmaschinen. So weist er auf soziale Zusammenhänge hin.

Er bereiste viele Orte der Welt, hinterließ dort seine Kunst. Beispiele sind ein Tangoprojekt in Argentinien, eine Genperformance in Mexiko oder der Hieroglyphe Wasser in der Lybischen Wüste, dargestellt durch Menschen.

Titanic

Zum Hessentag in Homberg  blieb er mit seiner Kunst wieder im Dorf: Die Titanic wird im Mardörfer Feld entstehen. Eine Feldskulptur in der Landschaft soll den Mythos wieder aufleben lassen. „Die Titanic zeigt uns, dass die Vergänglichkeit überall ist, auch wenn wir Konstrukte schaffen, die scheinbar nicht untergehen können“, sagt er. Und da ist er wieder bei einem seiner zentralen Themen. Alles ist Veränderung.

Zur Person

Hans Joachim Bauer wurde am 19. Juni 1942 in Fritzlar geboren und wuchs in Homberg auf. Er absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre, holte das Abitur nach, studierte Volkswirtschaft und
Betriebswirtschaft und war als Manager tätig. Auslandsaufenthalte in Indien und Spanien folgten. Später sattelte er zum Berufsschullehrer um. Das zweite Studium folgte parallel zum Job:  Philosophie, Geschichte, Politik mit Promotion. Es folgen diverse Publikationen wie die Erzählung: Die Bleiarche. Ab 1992 wird er auch künstlerisch tätig, seit 1994  entdeckt er seine Ader für Landartprojekte. www.bauer-landart.de

(Quelle: HNA 29. Mai 2008 von Christine Thiery)

Mit Sinn gegen das Alter

Dr. Hans Joachim Bauer (67)  möchte solange aktiv bleiben, wie es geht. Ich habe Interesse an der Welt. Auch wenn ich alt bin – das hält mich jung“. Manchmal habe er das Gefühl vom Alter  angegriffen zu werden. Aber damit sei er nicht allein. Sein Mittel: Sinnhaft arbeiten.  ( Quelle: HNA vom 29. Mai 2008)

Originale

Der Homberger Eisbär



Dirk Schaller: Frisör, Sänger, Entertainer

Im Eisbärenlook streift Frisör Dirk Schaller am Wochenende als Reiner Irrsinn durch die Lokale und mischt im weißen Zottelmantel mit Partyschlagern die Leute auf. Himbeereis zum Frühstück, oder Humbta Mallorca sind einige seiner eigenen Mischungen: Er landete damit auf der Mallorca CD.

Abfeiern auf der Bühne nach Manier von DJ Ötzi ist ein Riesenspaß für die Leute, und ein Superausgleich für das Kraftpaket Schaller zur Arbeit als Frisör. „Wenn ich den Mantel anziehe und die Brille aufsetze, bin ich einer anderen Welt“, sagt er. Mittlerweile ist der 37-Jährige am Wochenende zur Partyzeit ausgebucht. Er repräsentierte während des Hessentags  die Stadt Homberg. Schaller moderierte die Vorstellungen der Stadt und gab abends noch seine Show auf der Bühne. Erfahrungen als Entertainer machte er auch mit seinen außergewöhnlichen Modenshows. Die Avantgarde hielt unter Schallers Regie Einzug in die Zentren des Kreises. Er organisierte vier Modenschauen gemeinsam mit Einzelhändlern.

Ein kreativer Kopf ist Schaller auch bei der Arbeit. Der Frisör machte als einer der Jüngsten im Kreis mit 20 Jahren seinen Meister und eröffnete sofort danach einen eigenen Salon. Mittlerweile hat er einen zweiten Laden in der Kreisstadt. Die ganz solide Seite vertritt Schaller als Ehemann und Vater von zwei Kindern, der zudem Innungsobermeister des Frisörhandwerks im Kreis ist.

Hildegard

Das ist Leidenschaft pur:  Claudia Riemann aus Kassel entschied sich erst vor drei Jahren  ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Chansons zu singen. Ihre Mutter hatte ihr in der Kindheit  diesen Traum  ausgeredet.  Lern erst einmal etwas Vernünftiges, hatte sie gesagt. Die junge Frau wurde Erzieherin und dann Mutter. Mit Mitte Vierzig machte sie ihre Wünsche dann doch noch wahr.

Ich habe sie gestern zum Frauentag mit ihrem Hildegard Knef  Programm gesehen. Man fühlt durch jede Pore die Leidenschaft pur, wenn sie singt. Die Kraft musste lange Zeit warten bis sie sich ihren Weg an die Öffentlichkeit graben konnte. Dafür erstrahlt sie jetzt in ungebrochenem Glanz. Eine so starke Frau, wie die Knef zu kopieren und ihre mit kraftvollen Verben prall gefüllte, dynamisch spitze, sich in Konflikten wirbelnden Sprache auszudrücken, die im Schluss mit einem fulminanten Abgang endet, dafür braucht es eine Frau mit ähnlicher Ausstrahlung. Das schafft Claudia Riemann.  Mit ähnlich rauchiger Stimme, aufrechter Haltung.

Man hat das Gefühl,  die Knef steht leibhaftig vor dir. Ebenso überzeugend muss sie in Zarah Leander sein. Dort gibt es ebenfalls ein Programm über das Leben und die Chansons der Künstlerin, ein Porträt über Marlene Dietrich ist in Arbeit. Es lohnt sich mal wieder in die Chansons der Knef reinzuhören. Zum Zarah-Leander Programm

Claudia Riemann und Julia Reingardt

kann man auf  ein Video sehen. 15. Februar. „Und der Erfolg gibt mir Recht”, sagte sie selbstbewusst.

Leidenschaftlich  mit kraftvoller Stimme und ähnlicher Haltung fast wie die Knef selbst, erzählte Riemann vom aufregenden Leben der Diva. Sie sang deren Chansons, am Klavier begleitet von Julia Reingardt. Sie hob die trotzige Tapferkeit der unverwüstlichen Kämpfernatur hervor. Nach der Schauspielkarriere  in Hollywood  begann Hildegard Knef  in den sechziger Jahren als Sängerin und Autorin zu arbeiten. Sie schrieb  ihre Lieder selbst, mit einer Sprache, die nur so strotzt vor Kraft . “Mir sollen sämtliche Wunder begegnen”, lautet eine bekannte Textstelle.

Nicht ganz so tief verraucht wie die Knef selbst kam Riemanns Stimme über die Bühne aber mit einer ebenso großen Leidenschaft . Und weniger mit der beklemmenden Individualität des großen Stars, wie es einmal hieß. “Ich glaub ´ne Dame werd ich nicht”, sang sie lässig ins Mikro.  30 Konzertjahre hatte die Diva, aber ihr Lampenfieber endete nie, obwohl sie viel Lob bekam. Ein Kritiker schrieb einst: Die Knef hat keine herkömmliche Stimme, aber ein Organ, das auf dem Resonanzboden ihrer Seele liegt. Und die interpretierte auch Riemann beim wohl berühmtesten Lied  “Für mich soll es rote Rosen regnen” förmlich auf.  Das „Ich will, ich will” im Refrain ist wohl die zentrale Botschaft, vor allem zum Frauentag. Der Komponist Hans Hammerschmidt sagte, er habe den Zettel mit dem Text für rote Rosen auf dem Klavier gefunden. In nur fünf Minuten habe die Melodie gestanden. Die Schallplatte  wurde zwei Millionen Mal verkauft. Trotzdem hatte Hilde wohl nicht immer viel Geld, zwei Pleiten zierten ihr Leben. Ohnehin sei ihr Leben auch voller Wunden gewesen. Sie wurde 60 Mal operiert, hatte Krebs und ein Lungenemphysem, an dem sie am 1. Februar 2002 in Berlin verstarb. Sie schrieb sieben Bücher. Hildegard Knef stand immer für ihre  eigene Meinung. Geboren in  1925 gab es nur wenige Frauen, die so früh konsequent ihren eigenen Weg gingen. Zum Schluss sang Riemann das vielfach viel interpretierte und auch von der Knef mit einem deutschen Text übersetzte „la vie en rose“ als zweite Zugabe und wundervollem Abschluss des Abends.

Claudia Riemann und Julia Reingardt aus Kassel sind seit drei Jahren zusammen unterwegs. Riemann hatte damals beschlossen ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Sängerin zu werden. Sie hatte Erzieherin gelernt und war dann Mutter. Gesungen hatte sie bis dahin hauptsächlich in Chören. Dann bestand der Wunsch zum Chanson. Neben der Knef-Interpretation gibt es das Zarah Leander Programm. Demnächst soll Marlene Dietrich als dritte Diva mit  aufgenommen werden.