Vogel, Pferd oder Muffin?

Bei Frauengesichtern könne man zwischen Pferd, Vogel oder Muffin unterscheiden. Das sagt die amerikanische amerikanische Autorin Nora Ephron im Interview mit der Brigitte woman.  Jane Fondas Gesicht sei ein Pferd, Meg Ryans ein Vogel und Sally Field habe großes Glück, sie habe ein Muffinantlitz, erzählt sie.  Das Gute an Sally Fields Gesicht sei, dass sich runde Gesichter am besten liften lassen,  dann folgen Pferdegesichter aber Vogelgesichter wie die Autorin selbst eins habe, sähen nach einer Straffung leider aus wie Totenmasken.

Die Erfolgsautorin hat Drehbücher wie „Harry und Sally“ , „E-mail für dich und „Schlaflos in Seattle“ geschrieben und kommt nun mit einem neuen Buch heraus. „Ich kann mir alles merken, nur nicht mehr so lange“ so der Titel, der neugierig macht und sich humorvoll mit den Tücken des Alterns beschäftigt.  Gut geschrieben ist aber auch das Interview von Evelyn Holst, die sich im Nachhinein als irgendwas zwischen Pferd und Vogel outet. Ich habe es da als Muffin eindeutig besser.

Mythos Mutter und die Karriere

In Deutschland sind wir in der Kindererziehung etwa 40 Jahre hinter den anderen europäischen Ländern zurück. Das Mütterbild hängt schief. Frauen, die Kinder bekommen, verzichten auf den Beruf. Frauen, die sich für Kinder entscheiden, verzichten auf Karriere, weil sie glauben beides nicht vereinbaren zu können. Auf diesem Gebiet hakt es bei uns mit der Emanzipation. 3 sat räumte in der Sendung Mythos Mutter bei  scobel mal gründlich auf damit.

Verwunderlich ist, dass unsere Auffassung vom Muttersein mit dem Mutterbild unserer nationalsozialistischen Vergangenheit zu tun hat. Aus dieser Generation stammt der Begriff Rabenmutter.  Ebenso hat aber auch die kommunistische Erziehung in der ehemaligen DDR Auswirkungen auf unser Denken: Man erinnert sich an sogenannte schlechte Mütter, die ihre Kinder in die Krippe geben. Die Konsequenz: Krippen hatten lange Zeit ein schlechtes Image. Aber unsere Nachbarländer haben es uns vorgemacht. Wir können nun auf viele gute Beispiele zurückblicken. Kinder, die in Krippen gut versorgt werden, haben gut Vorraussetzungen.

Es muss aber mehr Krippenplätze geben und die Sicht der Gesellschaft auf die Frau muss sich ändern und sie unterstützen in der Kinderarbeit. Das wird zur Gesamtaufgabe, denn man kann es sich nicht leisten die Potentiale nicht zu nutzen. Tiefe und vielfältige Hintergründe  gibt 3sat in der Sendung  scobel mit dem Beitrag Mythos Mutter.  Die Sendung ist zwar etwas älter und wurde zum Muttertag gebracht,  auch vor dem Hintergrund der  Entwicklung in Frankreich. Immer mehr Mütter bleiben dort entgegen der sonstigen Entwicklung in Frankreich zu Hause. Dazu gibt die Sendung ein Interview mit der französischen Philosophin Elisabeth Badinter.

Noch einmal Frida

Biografien über Frida Kahlo gibt es sicherlich viele. Nach dem Besuch der Ausstellung Retrospektive in Berlin habe ich nun eine gute Beschreibung des Lebens der mexikanischen Malerin gefunden. Hayden Herrera schafft es, ein fesselndes Bild der spannenden Revolutionärin zu zeichnen und geht dabei tief in viele Facetten.

In vielen Zitaten aus Briefen lernt man ein gutes Stück Frida besser kennen: „Ich habe in den letzten Monaten so viel leiden müssen, dass ich mich kaum schnell erholen kann“ , schreibt sie ihrem Arzt. Dr. Eloessser, den sie immer wieder aufsuchte, wenn sie wegen des Unfalls Probleme mit der Gesundheit hatte.  Später heißt es in ihren Briefen: „ Ich glaube, dass ich durch Arbeit meine gegenwärtigen Sorgen vergessen kann und es wird mir besser gehen.“

Ja, sogar Picasso, der Penibelste aller Peniblen, sang ein Loblied auf Fridas  künstlerische und persönliche Qualitäten. Als Zeichen seiner Zuneigung schenkte er ihr Ohrringe aus Schildplatt…. S. 221.

Das Buch gibt eine vielschichtige Sicht auf die Person Fridas und ihre Kunst. Zugleich zeigt es in die Verbindungen zu anderen Künstlern der Zeit und die Bekanntschaften der Kahlo mit  Politikern wie Trotzki und Eisenhower.

Von Supermamas und Übervätern

Väter sind nie zu Hause

Männer gehen tasgüber zur Arbeit, auch mal in die Kneipe und am Wochenende ins Fußballstadion.. Stimmt. Aber Männer lieben auch ihre Kinder und wollen mit ihnen zusammen sein. Leider verhindern das oft die Arbeitszeiten, flexible Lösungen am Arbeitsplatz sind selten.

Väter drücken sich, wo sie nur können

Väter wissen alles besser

Mütter sind perfekt

Zum Glück nicht! Kinder brauchen keine perfekten Mütter, sondern authentische, die sich möglichst natürlich verhalten, zu ihren Unzulänglichkeiten stehen und auch mal über ihre Gefühle reden. Super Muttis wollen auch Vorzeigekinder, das kann für alle Beteiligten sehr anstrengend sein.

Mütter haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht alles schaffen

Mütter können nicht loslassen

Alles Vorurteile.… Mehr Vorurteile und  Auflösungen  im Magazin Blick in die Kirche

Jeder Mensch ist interessant

Jeder Mensch ist interessant

Dieser Satz stand neulich als Überschrift über einem Interview zu Judith Rakers in der HNA vom 1. Oktober 2010.  Sie wurde  dort als neue Moderatorin von  3 nach 9  vorgestellt.

Das ließ mich aufmerken, weil es einer meiner Lieblingssätze ist. Wenn mich jemand fragt, warum ich diesen Job mache, antworte ich immer: „Wegen der Menschen. Man lernt so viele unglaublich andere Menschen kennen. Das ist total spannend.“

Man mag natürlich nicht jeden. Aber oft ist es so , dass man die Menschen verstehen lernt, wenn  man sich mit ihnen auseinander setzt. Viel zu oft gibt es  irgendwelche Vorbehalte hat, warum auch immer. Oder man findet einfach keinen Zugang, weil es keine offensichtlichen Anknüpfpunkte gibt.  Das löst sich erst dann, wenn man gänzlich offen ist. Im Job muss man das sein, sonst kann man kein Gespräch führen.

Dann zeigen sich oft erstaunliche Dinge. Und der Satz von Judith Rakers stimmt wirklich. :

„Wenn man den Menschen ohne Vorurteile begegnet, ist jeder auf seine Weise interessant.“

Es fehlt die Liebe

Es gibt Menschen, die haben etwas gegen andere, ohne dass diese anderen etwas gegen sie haben. Es gibt den Unwillen von Menschen gegen andere. Sie finden etwas, was ihnen an anderen nicht gefällt. Dadurch, dass sie andere verurteilen, sind sie unwillkürlich besser als die, die sie verurteilen. Mit jedem Verurteilungsakt werden sie größer, besser, vielleicht sogar berühmter.

Ich darf jetzt nicht sagen, sei verurteilen andere, machen andere herunter, um selber besser und größer dazustehen. Dass sie durch das Runtermachen anderer sich selber deutlicher werden, das ist klar. Aber dass sie andere heruntermachen, um selber besser dazustehen, darf man nicht sagen. Sie haben jeweils andere Gründe, andere herunterzumachen. Sie sagen laut genug, warum sie andere heruntermachen. Gibt es eine Ursache für dieses Alles herunter machen? Es gibt eine Vermutung. Es fehlt die Liebe.

Ich wage zu vermuten: Wo Liebe fehlt, springt Hass ein.

„Die Heruntermacher bersten vor Gründen. Lieben braucht keinen Grund. Lieben, bevor wir geliebt werden!“

Auszug aus Martin Walsers Roman Muttersohn, der im kommenden Jahr erscheinen soll.

Ein größerer Auszug ist im Focus vom 4. Oktober 2010 zu lesen.

Witzig ein paar Seiten zuvor gab es eine Interview mit dem Literturkritiker Marcel Reich-Ranicki- Überschrift: Ich habe geärgert… putzig…..

Der Mensch ist eine Spaßnatur

Was macht uns glücklich? Ist Glück für jeden gleich? Wir haben alles und sind dennoch nicht glücklich, ist das der Grund?  Ist Wohlstand wichtig für das Wohlbefinden? Über Zufriedenheit in Zeiten des zwanghaften Optimismus diskutierte Dieter Moor. In der Sendung im Palais am Samstag 18. September auf rbb.

Rumliegen und Faulenzen bei Sonne und Schampus macht nicht glücklich, die Glücksschaltung im Gehirn braucht Impulse, sagt der Wissenschaftsforscher Stefan Klein. Das erklärt er in einem absolut sehenswertem  Video auf seiner Internetseite.  Äußere Umstände haben wenig Einfluss auf das Glücksgefühl, sagt er. Blick ändern, Wahrnehmung schulen, Hedonismus, Liebe und Sex machen glücklich. Und ein Glückstagebuch führen, das schult die Erinnerung. Und immer schön üben.  Der Mensch ist eigentlich eine Spaßnatur.

Die Definitionen von Glück scheinen jedenfalls sehr unterschiedlich zu sein. Der  querschnittsgelähmte Sportler Ronny Ziesmer war glücklich sportliche Ziele erreichen zu können. Nach seinem Unfall wurde er querschnittsgelähmt. Sein Glück, das in einem Land mit einer guten Absicherung sein zu können. In Rumänien möchte er sich dieses Schicksal nicht vorstellen. Das andere Glück: eine Familie zu haben, die ihn auffängt. Das macht für ihn das Leben nun so lebenswert, das er nun ein großes Projekt plant: er will ein neuronales Forschungszentrum gründen und nimmt mit seinem Rollstuhl an Marathons teil.

Für Katharina Ohana (Psychologin und Autorin (Gestatten: Ich. Die Entdeckung des Selbstbewusstseins), ist Glück auch Forschung. Sie hat ihre Kindheit in Therapien aufgearbeitet, sich aus den Fesseln der depressiven Mutter befreit und definiert Glück eher als eine Frage der Sichtweise. Und Leid gehört zum Glück auch dazu, ohne Leid kein Glück.

Der Publizist Joachim Gauck  meint, wir hätten alles, viele seien zu verwöhnt. Die Menschheit wäre süchtig nach Glück. Das ist die große Lebensfrage unserer Zeit. Eine Möglichkeit Glück zu erreichen, sei es, sich Ziele stecken. Das müsse gerade die Jugend wieder lernen. Sie sollten nicht alles bekommen. Um so später über Zielerreichung nach Glück streben zu können.

Das wiederum bejahte die Psychologin so nicht. Auch der schwarze Gürtel im Judo konnte sie nicht glücklich machen, Glück sei vor allem eine Frage des guten Umgangs mit sich selbst. Sie meint glücklich sein, lasse sich lernen. Glück als Einstellungssache. Das kann ein Trost sein in diesen Tagen, wo sich die Welt so schnell verändert und die Menschen verunsichert.

Ist es nicht auch manchmal nervig, ewig glücklich sein zu müssen. Nahezu zwanghaft wird ein Optimismus betrieben, das macht mich ganz unglücklich. Haben unglückliche Menschen keinen Platz mehr in einer Gesellschaft, die die Glückssuche wie eine Ersatzreligion praktiziert?

Zwiebackkrümel in der Strumpfhose

Witzig und rasant: Das neue Buch Endlich von Ildiko von Kürthy. Alle ihre Freundinnen seien ein wenig verrückt, sagte die Autorin bei Kerner. Immer auf der Suche was das Leben bis zur Menopause alles noch so bringt, benehmen sich die Anfang Vierzigerinnen als hätten sie Zwiebackkrümel in der Strumpfhose.

Die besten Voraussetzungen für Veränderung. Einer der Sprüche der Autorin, die auch für die Zeitschrift Brigitte schreibt.  Verändere dein Leben, sonst verändert es dich. Die Protagonistin ihres neuen Buches erfährt mit knapp über vierzig, dass der Gatte sie betrügt und rüstet mittels Personaltrainer und bester Freundin noch einmal auf . Die Geschichte ist keine besondere, sie wirkt manchmal sogar ein wenig sehr klischeehaft und erinnert irgendwie an eine Mischung aus Sex in the City und Hera Lind. Doch die Sprache macht Spaß. Sie ist schnell, witzig und fast nie langweilig. Man galoppiert mit Vera durchs Buch, wenn auch der Abgang ein bisschen flach ist. Aber das verzeiht man gern, denn viele Stunden Lachen liegen hinter einem.

Traumstadt Buenos Aires

Buenos Aires – die Leidenschaftliche

Ich habe gestern eine neue Liebe entdeckt- Buenos Aires. Die Reportage im ZDF über die Stadt des Tango, auch genannt das Paris Südamerikas, war mitreißend – und vielversprechend.

Die  Facetten der Stadt wurden an den Porträts  völlig unterschiedlicher Menschen aufgereiht. Die  Reportage zeigt  Gegensätze pur:  polospielende Superreiche und eine Mutter, die ihre sieben Kinder auf der Straße durchbringt. Er lebt seine Träume – sie hat keine mehr – sagt sie.

Ein Traum ist Buenos Aires auch  für die Tangotänzerin Susanne Lorenz aus Hamburg, die dort ihre Wahlheimat gefunden hat. Sie lebt  ihre Liebe und die Leidenschaft  im Tanz. Wunderschöne Bilder einer wilden, schönen Stadt- mit facettenreichen Gegensätzen fasziniert in der Reportage.

Ein Textauszug: Die Stadt ist wie die Ureinwohner – genannt  Porteños. Sie sind neurotisch, intelligent, schön, leidenschaftlich und haben einen Hang zur Melancholie. Der Porteno kennt die Realität, kommt aber  nicht immer mit ihr zurecht. Dabei  ist er zutiefst sensibel und tanzt sich im Tango aus ihr heraus.

Herrlich.

Unkonventionelle Erziehung

David Gilmour

Unser allerbestes Jahr

Es ist eine Hommage an die Liebe zwischen Vater und Sohn, an das Verständnis zwischen den Generationen und die vielen unerklärlichen Dinge im Leben, die wir immer wieder neu  verstehen wollen.

Jesse, 16, typisch Pubertät, hat fest vor,  die Schule zu schmeißen und macht ernst.  Sein Vater, der Schriftsteller David Gilmour, will  Fehler in der Erziehung wieder gut machen. Er lebt in einer neuen Beziehung und zieht für ein Jahr wieder zu seinem Sohn. Er fasst einen unkonventionellen Entschluss. Der Junge darf machen, was er will. Bedingung, die zwei schauen sich regelmäßig Filme an. Sohnemann lässt sich auf das Abenteuer ein.

Der Vater schrieb früher Filmkritiken und will mit den bewegten Bildern den Sprössling fürs Leben interessieren. Eine Odysee durch die Filmgeschichte beginnt.   12 Uhr mittags oder Shinning:  Gary Cooper oder  Jack Nickolsen, interessante Filmkritiken und Sichtweisen auf Filme, die wir alle gesehen haben, fesseln

James Deans berühmte Szene in Giganten macht Furore.  Gilmour erklärt, wie er mit absolutem Nichtstun zum größten Idol seiner Zeit wurde. Das scheint in diesem Moment fast wie ein Vergleich.

Das absolute Vertrauen in sich, seinen Sohn und die Richtigkeit dieses Tuns überrascht. Mit diesem Vertrauen und mit der unbändigen Liebe, die zwischen den Zeilen steckt, bewältigt er die Krise.  Man fühlt  in seiner  Angst um den Jungen, der in einer Szene auf Kuba in eine Bar verschleppt wird, die Kraft der Verbundenheit. In dieser Szene kämpft er um sein Kind, begibt sich in Gefahr, wie er es mit dem zunächst seltsamen Vorhaben ebenso tut. Die Zwei wachsen zusammen, bauen eine Beziehung auf und am Ende führen  die Weisheiten von Film und Vater den Jungen in die Realität zurück.

Ein sehr intelligenter Roman, der mit klugen Sätzen und Lebensweisheiten daher kommt. „ Menschen vor denen man Angst hat, hasst man irgendwann einmal“.  An einigen Passagen triftet die Geschichte ein wenig  ins Kitschige ab. Doch die gut gemachten Filmkritiken retten die Geschichte  dann gleich wieder.

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit. Gilmour schrieb die eigene Geschichte mit seinem Sohn auf. Der Schriftsteller ist gleichzeitig Film- Kritiker.

David Gilmour: „Unser allerbestes Jahr“. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Adelheid Zöfel. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2009. 254 S., geb., 18,95 [Euro]

„eine weise, lebensbejahende Studie über das Erwachsenwerden“ Andreas Schröder in Literaturwelt Das Blog