Stelen in Berlins Mitte

Berliner Stelen

Da stehe ich mitten in den Berliner Stelen, dem Holocaust Mahnmal von Peter Eisenmann, das seit 2005 in der Nähe des Brandenburger aufgebaut ist. Die 2711 Stelen erinnern in der Form an Gräber. Obwohl es bedrückend ist, fällt von oben an diesem Silverstertag 2013 Licht hinein und auch von den vier Seiten, die ich von der Mitte heraus fotografiert habe, leuchtet es. Das macht Hoffnung. Die Menschen tanzen auf den Stelen, hüpfen hinauf und herab. Das war nicht geplant, wird nun aber als Teil des Kunstwerks interpretiert und es ist, als bringe es Leben und Leichtigkeit in ein sonst sehr schweres Thema, es weicht es auf. Das gefällt mir. Beides darf da sein. Das Gedenken und die Hoffnung.

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Mastercard Gold, von wegen…….

Es hupt. Meine Freundin wartet unten im Auto auf mich, wir wollen ins Kino. Ich will noch schnell eine dringende Mail wegschicken und schalte den Computer an. Da öffnet sich so ein blödes Fenster „Gebührenfrei Mastercard Gold?“.  Ich klicke auf den Schließenbutton.  Nix passiert. Ah, da sind zwei Felder :„ Ja oder Nein“. Es hupt schon wieder , dieses Mal mehrfach. Ich drücke schnell auf Nein. Ich will jetzt keine Mastercard Gold und auch sonst nie.  Ich will in meinen mail-account.  Statt dass der ganze Werbekram nun weg ist, öffnet sich ein neues Fenster. Ich platze bald. Wie geht der Mist nun weg? Mittlerweile bin ich auf  Hundert und klicke wild hin und her, endlich reagiert das Teil und die Internetwerbung verschwindet. Ich ruf der Freundin runter, dass ich bald da bin, schicke meine Post weg und will den Computer ausschalten, da taucht jetzt auch noch ein Fenster für die Yogamattenwerbung auf. Trotz mehrfachen Klickens lässt sich der Computer nicht herunterfahren. Ich ziehe abrupt den Stecker.  Jetzt geht das Ding endlich aus. Mastercard Gold: So viel Geld werde ich mit meiner Schreiberei  nie verdienen, dass ich mir die  leisten könnte, auch wenn sie gebührenfrei ist.

Bambus mit dicken Armen

Im Internet Klamotten zu kaufen ist ja nicht so einfach. Da muss man sich zwar in keine Kabine zwängen und bei grellem Neonlicht seinen Körper im Spiegel betrachten, wobei garantiert kein Makel verborgen bleibt, aber Tücken hat das auch. Meist passt der Kram hinten und vorne nicht und man schickt die Ladung kurzerhand wieder an den Hersteller zurück. Der Versandhandel qiero hat sich was ganz Besonderes einfallen lassen, damit die Klamotte auch passt. Qiero gibt zu jedem Teil, ob Mantel, Shirt oder Jeans einen Typtipp. Er unterscheidet nicht nur zwischen Apfel und Birne, was ja schon lang bekannt ist,  also Frau mit zuviel Bauch oder Po.  Nein, da gibt es auch noch Wespe und jetzt auch Bambus. Wespe ist die mit der Taille, die ich mir mein Leben lang gewünscht habe. Bambus war mir ganz neu, so ungefähr bin ich. Typ,  viel Oberkörper, keine Taille und unten rum dünner als oben. Nur das mit den schlanken Armen stimmt nicht. Also ich bin Bambus mit dicken Armen. Wieder was gelernt.

Ba
Typ Bambus

Angst hat viele Gesichter

Bewundernswert offen: So zeigte sich mir Gerhard Hinneburg im Interview. Ein Soldat, der sein ganzes Leben lang von Angst gequält wird, und sie immer wieder verbergen muss. Da wächst der Druck über die Jahre bis er quasi expoldiert. Seine Lösung ist es nun nach außen zu gehen und sich anderen mitzuteilen, Luft abzulassen und für andere Betroffene da zu sein.

zum Artikel: HNA Artikel Angsterkrankung Hinneburg

Interview im Schlafanzug

Dass man als Landreporter Augen und Ohren offen hält, ist selbstverständlich. Wo mir etwas auffällt, wo ich staune und aufmerke, dahinter verbirgt sich meist eine Geschichte. So ist man immer nah an den Menschen.
Die Frage ist nur, wie nah darf es denn eigentlich sein. Neulich am Samstag. Ich sitze gerade am Frühstückstisch, habe die vierte Tasse Kaffee intus und alles gelesen, was die Zeitung so her gab, surfe noch ein bisschen im Internet und schaue auf die Uhr. Oh, schon halb zwölf. Jetzt aber ran: Ich muss unbedingt die Wäsche machen, das Wohnzimmer aufräumen und noch einkaufen, schließlich will ich auch noch eine Runde laufen.

Als ich mich gerade aufmache, klingelt es. Ich schaue an mir hoch und runter. Ich bin noch im Schlafanzug. Die Frisur macht alles Mögliche, außer zu sitzen und mehr als eine Katzenwäsche habe ich noch nicht hinter mir. Mache ich jetzt auf oder nicht? Eine ältere Dame steht vor der Tür. „ Das ist bestimmt die Stromableserin“, denke ich und entschließe mich sie hinein zu lassen. Ich kenne das: Die ist schnell im Keller und wieder hinaus und außerdem treffen die samstags bestimmt viele im Schlafanzug an. Zudem will ich nicht, dass der Zählerstand wieder geschätzt wird, dann steigt die Stromrechnung vielleicht wieder.
Leider ist das alles aber nicht so: Die Dame lobt mich erst als gute Reporterin und beginnt eine tragische Geschichte zu erzählen, die ich in die Zeitung bringen soll. Sie will dafür aber nicht in meine warme Küche kommen, wegen ihrer dreckigen Stiefel, sondern setzt sich in den kalten Flur. Wenigstens muss ich nicht mit meinem Schlafi weiter in der Zugluft stehen. Die Geschichte ist lang und hat viele Hintergründe, ich hole schnell eine Decke und hänge sie mir um, damit ich morgen nicht krank bin. Nach einer halben Stunde bin ich um ein paar Informationen reicher, aber halb durchgefroren. Wir einigen uns mit der Berichterstattung. Ich begleite sie hinaus, schaue im Flur in den Spiegelund schüttel den Kopf über mich selbst Das war das erste Interview, das ich im Schlafanzug hatte . Wie verrückt muss man eigentlich dafür sein?

Mein November ist der Januar

Wenn ich die Lichterkette vom Weihnachtsbaum räume und die Kugeln wieder fürs nâchste Jahr in die Schatulle stelle, dann scheint gleichzeitig mein Seretoninspiegel zu sinken, denn ich bekomme schlechte Laune. Jetzt folgt der eklige Januar. Die meisten hassen ja den November, bei mir ist das anders. Ich kann dem Januar nur wenig Positives abgewinnen.

Die Versicherer plündern mein ohnehin vom Weihnachtseinkauf gestresstes Konto, Genüssen jeglicher Art schwöre ich erst einmal ab, weil ich immer noch voll vom Silvesteraclette bin und dieses Jahr kann ich noch nicht mal die Askese auskosten, weil aus gesundheitlichen Gründen das wahrnehmungsintensive Fasten ausfällt.

Also: weit und breit kein Spaß in Sicht.

Ich zerre den verklebten Kerzenhalter aus den rieselnden Tannenzweigen und schmeiße den Baum hinaus in den Tag, der nicht hell werden will. Er ist verregnet wie ein grauer Novemberfreitag. Dann denke ich an den letzten November, an ausgedehnte Spaziergänge im sonnigen Spätspätherbst, Kürbissuppe und die Vorfreude auf die Weihnachtszeit.

Hemingway der Hohenburg

Ernest Hemingway und Kuba gehören  zusammen, ebenso wie der Landart Künstler Hans-Joachim Bauer und H omberg. Während eine große Büste des weltberühmten Schriftstellers in einer seiner Stammbar in Havanna an ihn erinnert, soll nun bald auch eine kleine Statue von Bauer in seiner Lieblingskneipe in Homberg auf der Hohenburg zeigen, dass die Burg für den Homberger Landartt-Künstler ein Ort der Inspiration ist.

Ewald Rumpf modelliert Hans-Joachim Bauer

Die Idee zu der ungewöhnlichen Figur kam Bauer bei seinem letzten Besuch in Kuba, den er vorwiegend in Havanna verbrachte. Er besuchte bei dieser Gelegenheit die Bar „El Floridita“ und erzählte von der beeindruckenden Statue Hemingways. An dessen damaligem Stammplatz befindet sich heute eine Büste, die an den Schriftsteller erinnert, der dort häufig in der Gesellschaft von Filmstars wie Gary Cooper oder Spencer Tracy saß.

Burgberg-Wirtin Andrea Fischer hatte dann die Idee, dass auch Bauer an seinem Stammplatz eine kleine Büste platzieren könnte. Figurengestalter ist Ewald Rumpf aus Knüllwald, Künstlerkollege und Freund Bauers. Er modellierte die Statue in Ton an den vergangenen drei Tagen in der Gaststätte. Die Besucher staunten nicht schlecht über das ungewöhnliche Gastspiel der beiden Herren. Die Figur ist etwa 30 Zentimeter hoch und zeigt den nachdenklichen Bauer in einer sitzenden Haltung. Es soll demnächst gebrannt werden und dann einen Ehrenplatz auf dem Sims neben Bauers Stammplatz bekommen.

Bauer arbeitet zurzeit parallel an verschieden Projekten. Sein Kubabesuch inspirierte ihn in Havanna ein Feld über die Revolution anzulegen. Der Name steht schon fest: Die Kraft des Wollens oder auf spanisch La Fuerza del Poder. Das Projekt handelt von der Revolution und dem Sturz des kubanischen Diktators Batista. Das Feld soll etwa 6000 Quadratmeter groß werden. „Es gibt einen Entwurf, aber die Umsetzung ist wegen der politischen Verhältnisse schwierig“, sagte Bauer. Man dürfe in Kuba Urlaub machen aber mit dem Arbeiten sei es ein Problem. Er hat nun eine Ansprechpartner in der kubanischen Botschaft in Berlin, der ihm helfen will das Projekt zu verwirklichen. Demnächst fährt Bauer aber erst einmal nach Marrakesch, um dort an einem Projekt zu arbeiten, dass die globale Finanzwelt kritisiert. „Ich hinterlasse meine künstlerischen Spuren auf der ganzen Welt“, sagt Bauer. Und so manche Idee dafür entstehe auf dem Burgberg. Rumpf arbeitet hingegen weiter an seinen Figuren. Er reist dafür zwischen Tschechien, Italien, Schweden und Nordhessen umher.

Ich schaue auf die alten Bräuche

Fritzlar. Eigentlich ist der November nicht unbedingt der perfekte Monat für die Kräutersuche, aber Anna Hutter aus Fritzlar geht mit mir den Weg in der Ederaue ab, auf dem sie sonst Kräuterführungen anbietet. Und siehe da, Brennesseln und Mierre säumen den Wegesrand, hier und da lugt noch ein Löwenzahn aus dem Gras.  Die Blüten  sind natürlich nicht so satt wie im Sommer. Im Winter ziehen sich die Säfte der Kräuter in die Wurzel, lerne ich. Die 26-Jährige hat eine ungewöhnliche Berufung. Sie sagt: „Ich bin eine Kräuterfrau“.

Beim Anblick der zierlichen und vitalen Sozialpädagogin will man dem Klischee einer Kräuterfrau, wie man sie vielleicht  aus Erzählungen im Mittelalter her kennt, nicht folgen. Eine moderne junge Frau läuft neben mir her, die vor Begeisterung nur so sprüht. „Ich will das alte Naturkunde Wissen weiter geben“, sagt sie als wir bei Temperaturen um den Nullpunkt die Eder entlang gehen. Während ich den Mantel noch enger um mich schlage, kommt sie beim Erzählen in Wallung. Nach dem Studium des Sozialwesens in Kassel bildete sie sich in der Heilpflanzenkunde bei Doris Grappendorf in Köddingen weiter, lernte dort viel über Kräuter und wie sie zum Wohlbefinden beitragen können. „Ich war schon als Kind an der Natur sehr interessiert“, sagt sie. Sie stammt aus Kasachstan und wuchs in Bad Wildungen auf.

Das jahrhunderte alte Wissen der heilkundigen Frauen aus dem Mittelalter sei mittlerweile wissenschaftlich bewiesen und füge sich so in die Moderne ein. „Mit Esoterik hat das alles nichts zu tun“, erklärt sie.

So kommt es mir auch nicht vor. Die junge Frau wirkt klar und aufgeschlossen. Sie bringt die Fakten auf den Punkt und spickt das Ganze mit spannender Geschichte.  Da erfahre ich sogar noch etwas über die Hexenverfolgung in der Neuzeit. Dann schwenkt sie wieder zum Die wirke entwässernd,  eigne sich im Frühjahr prima für eine Entschlackungskur und unterstützte bei Krankheiten wie Rheuma und Gicht. Ich bin froh, wenn ich das Kraut überhaupt erkenne. Das Thema der Kräuterheilkunde ist für die junge Frau aber nicht ganz einfach. „Ich darf nicht therapieren. Anwendungen mit Kräutern müssen immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Jeder Körper ist anders und reagiert dementsprechend,“ betont sie. Von Selbstmedikation rät sie ab. Das sei immer eine heikle Sache.

Der Abschluss der Phytotherapeutin, den sie mit ihren Studien erworben hat, ist zwar in Österreich anerkannt, aber nicht in Deutschland.  Daher spezialisierte sie sich auf den pädagogischen Bereich. Sie arbeitet als umweltpädagogische Honorarkraft,  meist führt sie Kinder im Wildpark Knüll durch den Wald, bestimmt Kräuter, erzählt ihre Geschichten dazu und kocht. Als Kräuterweib verkleidet besucht sie mittelalterliche Märkte und wird von Gemeinden gebucht. Ihre kleine Firma, über die sie diese  Angebote und Kräuterführungen abwickelt, nennt sie Haggeflüster- das soll die Verbindung zu den Hageweibern  zeigen.

„Auf dieser Wiese blüht der Löwenzahn im Sommer in  Massen“, hält sie dann an.  Löwenzahn sei ein reiner Ginsengersatz. Er rege die Funktion von  Leber und Darm an und man könne quasi alles davon essen, Blüte, Stängel und Blätter und Wurzeln.  Löwenzahntee zähle zum  Aphrotisiakum, sei besser als jeder Kaffee und die anregende Wirkung halte lange Zeit an. „Die Kräuter wachsen da, wo sie gebraucht werden“, sagt die Fachkundige. Sie kommt ins Schwärmen und hört nicht mehr auf und entdeckt noch ein Sträußchen Vogelmiere.

Ich kenne das zwar vom Sehen, aber hätte dem nie eine wohl tuende Wirkung zugesschrieben. Als Tee, Salat und Quark entfalte sie ihre Wirkung. Sie sei anregend und helfe bei Hautproblemen. So geht das dann die ganze Zeit weiter: Ich lerne Kräuter kennen, die ich gerade mal vom Namen her kenne. Hutter rät:  Esst die Kräuter, sie haben viele wichtige Spurenelemente und Mineralien. Das Thema ist unerschöpflich.  In ihrer Küche probiert sie vieles aus, fertigt Tinkturen und Tees, schafft neue Rezepte und kann gar nicht genug von der Vielfalt der Kräuter  bekommen.

„Ich bin eine Frau, die auf alte Bräuche schaut“, meint sie und gibt sogar nach eine Wetterprognose. St. Martin sei ein Lostag. „Es war sonnig, das heißt der Winter wird lang und kalt“, fügt sie hinzu.  Na, dann freue ich mich jetzt schon mal auf die ersten frischen Kräuter nach dem langen kalten Winter.  (ZTY)