Schongang

Schonen Sie sich mal ein bisschen. Wie gern höre ich diesen Satz, natürlich nur wenn nichts Gravierendes dahinter steckt. „Alles gut verlaufen, sie müssen sich nur ein wenig ausruhen“, sagte die Ärztin. Jap, denke ich und haue mich schon für den ganzen Nachmittag auf die Liege. Die Sonne scheint auf mich herunter, ich leide am besten noch ein bisschen und haue mir den Krimi rein, den ich schon immer lesen wollte. Dabei schaue ich dann noch etwas auf das Unkraut herunter, dass in der letzten Zeit jeglichen Anstand verloren hat und fast  baumhoch  neben mir hoch wächst.  Ich ignoriere diese Frechheit einfach. Heute soll ich mich schonen. So und Pah.

Da wird der Himmel plötzlich grau, ein Wind kommt auf und bläst meine Kaffeetasse um. Sie klappert über die Terrasse. Ich rase zur Wäschespinne, sammele Hosen und Hemden ab und schleppe das Ganze dann ins Bügelzimmer. Dort empfängt mich mein Wäscheberg freundlich. Es scheint , dass er wie im Märchen ruft: Bügel mich. Ach, so schlimm ist es ja auch nicht. Ne halbe Stunde bügeln, wird schon gehen, stöhne ich und stelle das Eisen an. Schonen werde ich mich dann gleich wieder. Ganz bestimmt.