Vogel, Pferd oder Muffin?

Bei Frauengesichtern könne man zwischen Pferd, Vogel oder Muffin unterscheiden. Das sagt die amerikanische amerikanische Autorin Nora Ephron im Interview mit der Brigitte woman.  Jane Fondas Gesicht sei ein Pferd, Meg Ryans ein Vogel und Sally Field habe großes Glück, sie habe ein Muffinantlitz, erzählt sie.  Das Gute an Sally Fields Gesicht sei, dass sich runde Gesichter am besten liften lassen,  dann folgen Pferdegesichter aber Vogelgesichter wie die Autorin selbst eins habe, sähen nach einer Straffung leider aus wie Totenmasken.

Die Erfolgsautorin hat Drehbücher wie „Harry und Sally“ , „E-mail für dich und „Schlaflos in Seattle“ geschrieben und kommt nun mit einem neuen Buch heraus. „Ich kann mir alles merken, nur nicht mehr so lange“ so der Titel, der neugierig macht und sich humorvoll mit den Tücken des Alterns beschäftigt.  Gut geschrieben ist aber auch das Interview von Evelyn Holst, die sich im Nachhinein als irgendwas zwischen Pferd und Vogel outet. Ich habe es da als Muffin eindeutig besser.

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Ruhig auch mal ein bisschen faul sein

Eine Bekannte stellte neulich die Hypothese auf, die Nachgeneration des Wirtschaftswunders, also wir, sei zu verweichlicht und deshalb dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen. Das hat mich total geärgert, aber ich hatte gerade kein überzeugend griffiges Gegenargument zur Hand, außer, dass alles schneller wird und hektischer und deshalb so viele Menschen ausgebrannt sind. Außerdem wollte ich den Abend genießen und keinen Streit.

Das Thema Burnout begegnet mir zurzeit überall, auch auf der Meisterfeier der Kreishandwerker redet der Bischof Martin Hein über christliche Werte in der Wirtschaft und rät dazu, das richtige Maß zu halten.

Bei Frank Plasbergs Sendung „Hart aber Fair“ im Ersten war der Burnout gestern Abend Thema. Bernd Sprenger, ein auf Burnout spezialisierter Arzt, saß in der Runde und sagte, dass sich die Krankheitsbilder im Gegensatz zu früher verschoben hätten, weil die Arbeitswelt eine andere sei. Früher hätte es mehr orthopädische Erkrankungen gegeben, weil die Menschen körperlicher arbeiteten, heute arbeitet ein Großteil der Menschen im Dienstleistungssektor. Die Anforderung mentaler Art seien dort sehr gestiegen, ständige Erreichbarkeit und Hektik, Druck und die ständige Kommunikation per mail, sms, Telefon etc. führten zu psychischen Krankheiten und deshalb häuften sie sich. Dazu kämen noch oft unsichere Arbeitsverhältnisse, geänderte Tarifverträge, all das mache zusätzlich Stress, erläuterte die Gewerkschaftsvertreterin.

Es gab noch viel mehr Aspekte und auch Starkoch Tim Mälzer berichtete von seinem Burnout in 2006 und wie er sein Leben danach verändert hat. „Burnout ist eine Krankheit, die wieder vergeht, wenn man sein Leben ändert“, sagte er. Und: Er habe sie sich selbst erarbeitet in seiner Arbeitswut.

Gier spielt sicherlich auch eine Rolle und wer das Maß nicht kennt und nur auf der Erfolgswelle schwimmt, immer mehr will und sich keine Auszeiten für Bewegung und soziale Kontakte nimmt, landet irgendwann auch im seelischen Nichts. Da hat der Bischof wieder recht, das rechte Maß finden ist ein wichtiger Beitrag für das seelische und damit auch gesellschaftlich wirtschaftliche Gleichgewicht. „Zur Vermeidung des Burnout ist es nötig, elementare Grundbedürfnisse seelischer und körperlicher Art nicht zu ignorieren“, so der Psychiater Sprenger.

Also auch für meine Bekannte war etwas dabei. „Man sollte gut auf sich achten und auch mal ein bisschen weicher mit sich sein, dann gibt es keinen Burnout.“ Das sag ich mal so.

Hanni und Nanni

Heute überprüfe ich gerade mal meine Bildergalerie von den Modellbauern im Internetauftritt der HNA. Ich habe am Sonntag fotografiert und checke, ob das alles da gelandet ist, wo es hingehört. Schließlich werde ich dafür bezahlt. Was entdecke ich da unter meinen schönen Fotos. Da steht doch der Name der Ex-Kollegin. Die hat gerade den Job gewechselt. Hört das denn nie auf? Jetzt werden wir immer noch verwechselt, obwohl wir nicht mehr für die gleiche Firma arbeiten.

Nahezu 16 Jahre habe ich mich rum gedreht, wenn ich auf  Terminen ihren Namen  hörte; umgekehrt war es auch oft so. Die Kollegin folgte irgendwann jedem blind, der „Frau Thiery“  rief.

Nun kommt das nicht von ungefähr. Wir sind schon ein Typ. Gleiches Alter, knapp 1,60 Meter groß,  dunkler Lockenkopf und dann noch beide bei der Zeitung. Ich gebe zu: Das kann man alles schon mal verwechseln. Dazu wir treten oft im Doppelpack auf, weil wir schon lange Zeit befreundet sind. Und: Unsere Männer arbeiten zusammen. Also wir sind in vieler Hinsicht sehr verbunden. Aber wer uns kennt weiß, wie unterschiedlich wir sind.

„ Nein, ich bin die Frau Thiery, aber machen sie sich nichts draus, das passiert vielen“, habe ich immer wieder freundlich erzählt. Worauf sich der Vorsitzende irgendeines Vereins tausend Mal entschuldigt hat. Denen war das immer peinlich. Wir hatten unseren Spaß damit. Ich ging oft prustend in die Redaktion zurück und erzählte es gleich der Kollegin, worauf hin wir lachten und uns abklatschten. Wir hätten eine lange Liste über die häufigen  Verwechslungen führen können, habenaber immer gesagt. „Egal, ist doch eh alles eins.“ Dies krönte unser Chef mal irgendwann  und gab uns die Beinamen Hanni und Nanni.

Nun hat der oder irgendein anderer Kollege beim Bearbeiten meines Artikels wahrscheinlich gerade an meine Ex-Kollegin gedacht, die alle sehr schmerzvoll vermissen, und in reinem Wunschdenken ihren Namen unter meine Fotos geschrieben.

Davon kommt sie auch nicht wieder.  Aber liebe Kollegen, wenn ihr euren Abschiedsschmerz verarbeiten wollt, dann könnt ihr ruhig noch weiter ihren Namen über meine Artikel schreiben und die Fotos damit beschriften. Wenn es hilft. Ich stelle mich weiter gern zur Verfügung. Hanni oder Nanni –“Egal, ist doch eh alles eins“.