52 Zoll – ungefähr so wie bei den Freunden

„Schatz wir brauchen einen neuen Fernseher.“  Mein Mustermann kann die alte Röhre nicht mehr sehen. Die letzten Krimis haben allesamt einen leichten dunklen Streifen, alle andere Filme, Talkshows oder Dokumentationen auch. Das liegt also am Fernseher.

„Hach, dann bekommen wir auch endlich so einen schönen flachen Bildschirm. Super, mach mal“, sage ich.  Damit war das Thema für mich erst einmal erledigt. Bis mich der Kompagnon meines Mannes im Büro auf das bevorstehende Ereignis hinwies. Er klopfte an meine Tür und vollführte so etwas wie eine Pantomime. „Oh, was für eine schöne Abwechslung“, dachte ich, als der Mann mit weit ausgestreckten Armen und einem schweren Gang wie Quasimodo über den Flur humpelte und mich fragte. „Was ist das?“

Ich dachte sofort an das typische Bilderrätsel aus der WDR Sendung „Zimmer frei“ und riet munter drauf los. Tauziehen. „Nein“,  sagte der Geschäftspartner. „Das ist euer neuer Fernseher“.  Das machte mich dann doch nachdenklich. Mit einem Blick auf die Spannweite der Arme, die ungefähr der eines Riesenalbatros glichen, kamen mir dann doch erste Zweifel an der Größe des Gerätes.

Dazu muss man sagen, dass ich zwar gern fernschaue, aber ich nichts schlimmer finde als übergroße Geräte, die ganze Wohnzimmerfronten einnehmen. So was wollte ich auf keinen Fall. Wenn ich ins Kino will, dann gehe ich ins Kino, dafür muss ich mir mein schönes Wohnzimmer nicht verschandeln.  Mein Mann weiß das aber eigentlich. „Wie groß ist denn der Fernseher nun wirklich?“fragte ich dann nach der eleganten Vorführung des Freundes.

„Ach 52 Zoll, in etwa nur so groß wie der von den Freunden“, meint mein Mann.  „Schließlich werden wir ja älter, und sehen ja immer schlechter.“  „Du willst wahrscheinlich jede einzelne Rippe der Fußballsocken bei der Bundesliga am Wochenende erkennen“, denke ich insgeheim. Dann schimpfe ich mich gleichzeitig. Schließlich braucht der Mann ja auch mal seinen Spaß. Okay, dann kriegen wir nun eben auch so ein Monstrum.

„Also ist der wirklich nur so groß wie bei den Freunden?“ „Ja, sagte ich doch, ungefähr so“, murmelt er. „Und wie groß ist der von den Freunden“, fragte ich. „46 Zoll.“  „ Und das ist gleich groß?“ „Ja doch, so ähnlich“, heißt es nun aus seinem Mund.  Nun, irgendwie war ich dann wieder zufrieden. Der Fernsehen von den Freunden ist schon sehr groß, aber gut.

Am nächsten Morgen klingelt der Paketbote. Ich hole die Euros vom Tisch und freue mich nun doch auf den neuen Fernseher. Mein Mann hat den alten schon abgeräumt, den Receiver abgeklemmt und ich gerade noch den Staub vom Regal gewischt. Als ich freundlich grinsend die Tür aufreiße, kommt mir der Paketbote mit einem  Gabelstabler entgegen. Meine Augen werden immer größer. Mir fällt die Kinnlade runter. Darauf  steht ein schrankgroßes Paket.

Ich werde wütend. Ich werde immer wütender. Ich werde wütend bis zur Weißglut.  „Das Ding geht zurück“, ich muss mich zurück halten, um den Boten nicht anzuschreien.  Der wird klein mit Hut, obwohl er gar nichts dafür kann. „52 Zoll ist schon eine ordentliche Größe“, sagt er als ich den Zettel für den Rückschein ausfülle und dann wütend in das Büro meines Mannes abdampfe.   52 Zoll sind eben nur so ähnlich wie 46 Zoll – und nicht gleichgroß.

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