Märchen: eindeutig zweideutig

Erotische Märchennacht: Mein Gott was soll das sein, denke ich als mich die Redakteurin um Besetzung des Termins bittet. Mein Hirn rattert los und die Fantasie schlägt Alarm. Ich lache und male mir die wildesten Dinge aus. Was mir da wieder begegnet, ist wirklich witzig. Die Kasseler Schauspielerin Andrea C. Ortolano hat das Thema in ihr Programm aufgenommen. In feenhaften Kostümen trägt sie zwischen den Gängen erotische Märchen vor, bezieht das Publikum mit ein und erntet einen Lacher nach dem anderen. Das Ganze ist anspruchsvoll, einfach nett, dezent frivol und eindeutig zweideutig. Dazu gab es vom Verkehrsverein Frielendorf und den Gastronomen im Ort im schwarz-roten Ambiente Liebesknochen und wolllüstes Wildschwein oder scharfes Putencurry – sehr appetitlich. Ach so, hier geht es zum Artikel.

Andrea C. Ortolano und Julia als Dornröschen

Abenteuer Afrika

Wieder einmal bin ich einer beeindruckenden jungen Frau begegnet. Es gibt so viele junge Menschen, die sich etwas trauen, ihren ganz eigenen Weg gehen und der Spur ihrer Leidenschaft folgen. So eine mutige junge Frau ist Hanna-Lena Reich aus der Schwalm. Sie studiert Afrikanismus und setzt sich für die Menschen in Afrika ein. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema will sie sich auch vor Ort für die Menschen engagieren, sucht den Austausch und die Begegnung, es bleibt nicht nur bei der Theorie.  Und dennoch hat man den Eindruck, dass sie schon jetzt auch eine professionelle Distanz zu schwierigen, elenden Situationen hat.

Sie sieht auch das positive, das bunte Afrika mit seiner kulturellen Vielfalt und nicht nur die  die hohe Kriminalität oder die Armut. Sie verfällt nicht dem Helfersyndrom sondern bewahrt sich die professionelle Distanz, was sicher keine leichte Aufgabe ist und trotzdem spürt man die Leidenschaft.

Hanna Lena Reich

Begegnung mit dem Elend

Nausis. Nun ist sie wieder zu Hause, sitzt am Waldrand zwischen Weinreben im heimischen Garten in Nausis. Um sie herum herrscht die ländliche Ruhe.

Das war im vergangenen Monat noch anders. Hanna-Lena Reich (24) lebte ein halbes Jahr im lauten Nairobi, wo sie innerhalb ihres Afrika-Studiums für die Vereinten Nationen arbeitete. Von dort berichtete sie für die HNA über ihre aufregenden Erlebnisse in der Millionenstadt sowie ihre Urlaube in Tansania und an der Küste Kenias.

Im Moment sei sie froh in Deutschland zu sein. Sie genieße die Natur im deutschen Frühling. Aber die Erlebnisse in Nairobi wirken noch nach und Hanna-Lena überlegt, ob eine Arbeit bei den Vereinten Nationen (UN) eine berufliche Perspektive ist. „Die Arbeit war interessant, aber so ganz anders als ich es erwartet habe“, sagte sie.

Einsatz für die Frauen

Die Nausiserin wirkte an dem Projekt „Safer Cities“ mit und beschäftigte sich mit der Sicherheit von Frauen in Städten. Das Leben in Nairobi mit einer der höchsten Kriminalitätsraten der Welt ist gefährlich: Vergewaltigung, Prostitution, Gewalt seien an der Tagesordnung. „Die Schicksale sind oft unglaublich hart und viele Menschen haben keine Perspektive“, erzählt Hanna-Lena. 60 Prozent der Menschen in Nairobi lebten in Slums teils ohne Strom, Wasser und Toiletten. Lebensgeschichten hörte sie viele, auch im berühmten Slum Kibera, in dem 200 000 Menschen leben. Das Elend war für die junge Frau schwer zu ertragen. „Ich hatte gedacht, ich sei abgehärtet.“

Sie selbst wohnte in einem der reichen Viertel der Stadt. Die großen Gegensätze waren für sie erschreckend. „Ich war in Afrika und doch nicht richtig da“, meint sie. „Wir sollten die Welt verbessern und gingen abends essen, das passt nicht zusammen.“

Ins Schwärmen kommt die Studentin als sie von ihrem Besuch in Dar es Salaam in Tansania erzählt. Dort arbeitete sie vor zwei Jahren bei einem Wasserprojekt und besuchte die Menschen nun wieder. „Mein Herz hängt sehr an diesem Ort.“ Die Menschen seien ebenfalls arm, aber das Leben sei nicht so schlimm wie das der Slumbewohner.

Immer wieder Afrika

Immer wieder zieht es Hanna-Lena nach Afrika. Schon als sie zum ersten Mal als Schülerin dort war, war sie Feuer und Flamme. Den Menschen auf diesem Kontinent bei ihrer Entwicklung zu helfen, sieht sie als ihre Aufgabe. Ein Schwerpunkt sei Frauenarbeit. Die Unterdrückung der Frau sei extrem. Die Studentin spürt wie viel Glück sie hat, sich so ganz nach ihren Vorstellungen entwickeln zu können. „Ich brauche Abenteuer und Abwechslung. Mir ist schnell langweilig.“

In Afrika gebe es keine Langeweile. Zu bunt sei das Leben dort, zu kontrastreich und spannend die Eindrücke.

Nun fährt sie wieder nach Bayreuth zum Studium. Aber irgendwann geht es wohl wieder in Richtung Afrika.

Von Christine Thiery HNA vom 22. Mai 2011