Berlin, Berlin

Mütter und Töchter

Ich bin nun glückliche Mutter zweier Töchter, eine davon studiert ja nun in Berlin. Wir besuchen sie gerade und haben noch ein Sofa mitgebracht. Mein Arbeitszimmer ist nun etwas kahl, dafür prangt das rote Prunkstück unterm Hochbett meiner Tochter. „Ach, wie schön“, sie kriegt sich gar nicht mehr ein.

„Endlich kann ich mir Gäste zum Übernachten einladen“, sagt sie und „So sieht das Zimmer noch viel besser aus.“ Ich schaue mich so um. Ok. Das ist Zimmer ist klein, aber eigentlich ganz nett. Wenn da nicht………ich verbiete mir jeglichen Kommentar. Das Kind ist groß und eine junge Frau, da kann ich nicht ständig die Besserwisserin spielen. Ich muss loslassen, beruhige ich mich, atme tief durch, falle in den Sessel, hänge die Beine über die Lehne und lass sie baumeln als wäre ich 23.

Erst vor drei Monaten haben wir hier das Hochbett aufgebaut und die Klamotten die Treppe hochgeschleppt. Beim Verlassen habe ich noch so gedacht. Nächstes Mal sieht es bestimmt schon gut aus. Na ja. Ich erinnere mich noch an so manchen Streit als sie noch zu Hause wohnte. Damals glich ihr Zimmer eher, sagen wir mal,….. einem einzigen kreativem Chaos. Ich hoffte auf Besserung. Das kommt schon noch, redete ich mir ein, wenn ich mal wieder Dutzende von leeren Wasserflaschen und gebrauchten Taschentüchern ausgeräumt hatte.

Mütter sind eben einfach manchmal uncool. So ein lebendiges und tolles Mädel hat einfach viel und bessere Dinge zu tun. Erst recht in Berlin.

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Starke Frauen braucht das Land

Das passt wieder zu meinem Thema mit den Müttern im Land. In der neuesten Ausgabe der  emotion,  gibt es ein Interview mit unserer schönen Maria Furtwängler. Das Thema: Wir brauchen starke Frauen als Vorbilder.

Emotion Januar 2011

Sagt´s und macht es selbst gleich vor. Sie spricht über das Thema Muttersein in Kombination mit Beruf und dem neuen Verständnis der Frauen. Der Umgang der französischen Frauen mit dem Muttersein und der Karriere ist  seit Jahren anders. Dort ist es längst selbstverständlich, dass Frauen Beruf und Familie auch in Führungspositionen miteinander kombinieren.

Das Thema taucht bewusst in ihrer Rolle als Tatortkommissarin mit Kind auf. Sie ist trotz Mutterseins eine Kommissarin mit Leib und Seele und macht die Rolle der arbeitenden Mütter und sogar Alleinerziehenden damit sichtbar. Gerade weil vieles daneben geht, wirkt das so lebensecht. Die Leidenschaft zwischen Kind und Karriere teilen, diesen Zwiespalt erleben bestimmt viele Frauen, die gern ihrem Beruf nachgehen. Beides haben, lange Zeit war das verpönt, hier in unserem Land.

Ein interessanter Beitrag, eine interessante Frau und vor allem eine, die ihre Rolle als Vorbild ernst nimmt und dabei glaubhaft bleibt.

Absolut salonfähig

Das gibt es doch nicht. Nun habe ich vor Tagen von meiner Obsession zu den Salons zu Goethes Zeiten geschrieben und nun treffe ich in der neuesten „Emotion“ auf den Artikel „absolut salonfähig“.

Die Geselligkeit der Salons ist zurück,  heißt es darin. Man trifft sich wieder ganz echt und richtig, um sich auszutauschen, nicht nur im Netz bei Facebook oder studivz. „Klar im Chat wird man nicht so tief und verbindlich wie wenn man einem Menschen gegenübersteht,“ meint die Autorin des Artikels Almut Siegert.

Sogar auf Rahel Levin , später Varnhagen, über die ich neulich schrieb, wird eingegangen. Nach den Treffen blieb man über Briefe in Kontakt, heute geht man ins Netz, um weiter zu diskutieren. Und, heute gibt es wie für unsere Zeit üblich viele Varianten der Salongesellschaften, etwa zu Themen oder auch zum Kennenlernen. In Berlin gibt es einen literarischen Salon.
Auch in Kassel trifft man sich wieder zum Diskutieren bei Tee und Gebäck.

I-Pad(dy) and me

Ja, ich bin nun Besitzer eines iPad. Eigentlich wollte ich ja einen Laptop, aber mein Mustermann, technisch immer auf dem Laufenden, hat mich schon das ganze letzte Jahr genervt. Quatsch, so ein iPad ist viel besser, wies er mich schon nahezu jeden Abend auf das Ding hin. Das ist miniklein und super für die Handtasche. Da gibt es tolle Apps, super Spiele, kommt er in Fahrt. Ach, Spiele, so ein Quatsch, denke ich. Außer Trivial Pursiut hasse ich Spiele. Ich nehm jedes Mal reißaus, wenn ich nur Karten sehe. Todlangweilig. Ich lese viel lieber. „Aber für deine Termine, da bist du immer online, kannst vor Ort gleich schreiben und an die Redaktion schicken“, versucht er mich zu überzeugen. Gut, das kann ein notebook auch, meine ich. Jedenfalls habe ich dann lange weder an Laptop noch iPad gedacht. Bis der Heilige Abend kam.
Mit offenen Mund saß ich vor dem Geschenk, meine Kinder starrten mich erst neidisch an und haben mir dann die Applewelt erklärt. So langsam gewöhne ich mich an das Gerät. Und wahrscheinlich wird es so sein wie immer bei mir, erst maule ich und dann ist alles ganz super. Ich erinnere mich, dass ich noch vor 20 Jahren so gut wie nichts mit dem Computer anfangen konnte. Dann habe ich noch eine Fortbildung in Kommunikation gemacht und über Rechner, Maus und Tastatur ganze Prospekte gestaltet und später sogar Zeitung gemacht.

Ein Handy wollte ich partout nie benutzen, mittlerweile kann ich ohne das Ding schon nicht ins Bett gehen. Übrigens, ich merke gerade, blogen kann man mit so einem iPad auch.

Faszination Salondame

In meiner Fastenzeit komme ich auf allerlei lustige Ideen. Um die Küche mache ich einen großen Bogen und bin desto mehr hinter geistiger Nahrung her. Da kommen mir die Thementage in 3 sat gerade recht. Gestern ging es um die Preußen.  Geschichte kann so spannend sein. Besonders beeindruckt hat mich die Salondame Rahel Levin.

Rahel Levin

Sie war in den Jahren um 1800 herum die berühmteste Salondame  Berlins. Ihr galt am 6. Januar gegen Mitternacht eine ganze Sendung in den Thementagen. Die bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Zeit gingen bei ihr zum Tee ein und aus. Darunter Alexander von Humboldt und Friedrich Schlegel .

Zwischen Tee und Gebäck wurde der Aufbruch in eine neue Zeit diskutiert. Einer der berühmtesten Teilnehmer am Teetisch war Prinz Louis Ferdinand von Preußen, ein Schöngeist und Rebell. Levin war Jüdin. Sie wollte immer Deutsche sein und dazugehören. Sie bezeichnete sich als Falschgeborene, wegen ihrer Religion. Aber gerade das war wahrscheinlich der größte Antrieb dafür ein großer Impulsgeber zu sein. Es heißt, sie habe über eine außergewöhnliche Intelligenz verfügt und eine große Gabe des Zuhörens. Dazu kam wohl darüber hinaus der Wunsch im Sinne des Neuen die Menschen miteinander zu verbinden. In ihrem Salon schaffte sie das wohl.

Sie schrieb viele Briefe und galt durch ihre Korrespondenz auch als Schriftstellerin, obwohl sie nie auch nur ein Buch veröffentlicht hat. Ihre ungewöhnliche Art zu denken und frei ihre Gedanken zu äußern, galt in diese Zeit als revolutionär, nur wenige konnten sich das leisten.

Von den Salonrunden gingen in dieser Zeit viele Impulse und Veränderungen aus.

Was das mit mir zu tun hat?

Das fragte ich mich auch bei meiner Faszination für diese Geschichte. Da fiel mir eine Begegnung ein. Neulich fragte mich eine Bekannte, was ich am liebsten machen würde, wenn ich alles tun könnte, ohne jegliche Einschränkung. Da kam ich merkwürdigerweise auf Salondame. Schon immer geht davon eine große Anziehung aus, wie unrealistisch das heute und vielleicht nur romantisch das nun auch sein mag.

Menschen kennen zu lernen,  mit und vor ihnen zu lernen,  finde ich total spannend, auch die Korespondenz mit ihnen reizt mich. Ich mag  den Stil der Briefe aus der damaligen Zeit. In vielen werden  die Menschen über die lange Zeit hinweg  fühlbar und so auch die Geschichte. Zudem  beschäftigt mich auch die Frage, welche Menschen Rahel heute einladen würde und was  die zu sagen hätten?

Mist, es taut.

Neulich hatte ich doch vom Schneeschieben der Bürgersteige  in unserer Straße geschrieben   ( Schadenfreude und die Folgen). Pünktlich zum 1. Januar kam meine Nachbarin bei mir vorbei und überreichte mir den Schneeschieber in gebastelter  Version . Ich war total entzückt und und finde es so süß, welche Mühe sie sich gemacht hat . Gleich habe ich das fest gehalten. Dann kam es mit einem Zucken aus ihrem Mund: „Mist, es taut“.

Ja, wenn ich heute so raus schaue, kann ich das nur bestätigen. Der ganze Schnee ist fast weg. Zweimal musste ich allerdings schon ran. Und,  nächste Woche soll es ja wieder schneien.

Ariane und Anna Hopf mit dem gebastelten Schneeschieber
Ariane und Anna Hopf mit dem gebastelten Schneeschieber