Alles andere ist irgendwie nebulös

Jetzt war ich wieder bei einem meiner Lieblingskünstler, bei Hans-Joachim Bauer, über den ich schon mehrfach berichtet habe. Der ehemalige Berufsschullehrer brach nach seiner Pensionierung  in ein neues kreatives Leben auf  und entwickelte sich zum Landart Künstler.

Nun ist er schon viele Jahre dabei und seine Werke wachsen  immer weiter,  manchmal scheinen sie verrückt zu sein aber vor allem sind sie oft  vergänglich bis zur Transformation und regen an zum Nachdenken über das Leben, die Sinnsuche und den stetigen Fluss. Jetzt hat er das Orakel von Delphie mit dem GPS via Satellit in die  Wüste ( Artikel) geholt und will damit das Nebulöse der Wüste und des Orakels verbinden.

Zu Bauer kann man hier in diesem Blog einen weiteren Bericht finden.

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Gute Vorsätze verwirklichen, für mich kein Problem

Nächstes Jahr wird alles besser

Klar, auch ich habe mir was vorgenommen fürs nächste Jahr. Ich will den Umsatz meiner Firma verdoppeln, zehn Kilo abnehmen, weniger Rotwein trinken, das Haus perfekt in Schuss bringen, regelmäßig ins Fitnessstudio gehen, weniger fernsehen, mehr lesen. Kurz, ab nächstem Jahr wird alles besser.  Garantiert. Nein, das ist bestimmt nicht so wie letztes Jahr und auch nicht wie immer. Ich habe mir gerade Rat im Netz geholt, der mir dabei helfen soll.

Gleich nach dem Silvesterrausch beginnen wir mit einer strikten Fastenkur. Ja, das machen wir wirklich und zwar jedes Jahr. Auch wenn der Ratgeber meint, das seien zu harte Beschlüsse, das mache ich trotzdem wieder und  ernähre mich im Anschluss dieses Jahr allerdings gesund, nicht wie letztes Jahr, wo ich gleich nach den zehn Tagen ohne festes Essen den Kühlschrank geplündert habe. Jetzt hilft mir ja  der Leitfaden. Ich soll bis ins Detail konkret werden, sagt das Buch. Okay, dann fange ich mal damit an.

Ich räume dann endlich die Schubladen auf, mache mich an den Keller, bringe die Altkleider auf den Müll und lege Fliesen in der Waschküche. Dann werde ich das alte, herunter gekommene Dachzimmer renovieren, meine Aquise verstärken, neue Visitenkarten drucken, endlich das Programm mit zum Videoschneiden installieren und auch benutzen, im Fitnessstudio habe ich schon angerufen. Die letzte Flasche Rotwein wird vor Silvester gekillt, dann kauf ich nichts mehr von dem Zeug.

Prima, ich werde gerade super konkret und folge dem Ratgeber. Ich komme ganz in Rage und meine Leidenschaft für die neuen Vorhaben wächst.

Man soll sich die Dinge konkret vorstellen meint das Buch und in der Phantasie üben. Ja, das macht Spaß, meine Vorstellungskraft wächst. Endlich sehe ich mich als erfolgreiche, schlanke, schöne, intelligente, liebenswürdige, freundliche Mittvierzigererin, die noch einmal so richtig aufdreht. Das wird klasse. Dabei darf ich auch freundlich mit mir sein, wenn es mal nicht gleich klappt. Ach was freue ich mich schon auf das nächste Jahr.

Dann wird endlich alles anders. Bestimmt.

Erkenntnis

Ich habe mich immer gefragt, warum ich Angst erst kennen lernte, als meine Kinder geboren waren. Vorher hatte ich mich nie als besonders furchtsam erlebt.

Jetzt lese ich einen Satz, der das schön zusammenfasst und den ich gut nachvollziehen kann.

„Solange ich schwanger war, dachte  ich immerzu, dass ich meinen Körper wieder für mich haben wollte. Doch sobald ich mein Kind zur Welt gebracht hatte, erkannte ich, dass der wichtigste Teil von mir sich jetzt außerhalb meines Körpers befand, allen möglichen Gefahren ausgesetzt war und mir wieder abhanden kommen könnte“.   Jodi Piccoult  „Die Wahrheit  meines Vaters“ S. 16.

Mittlerweile sind die Kinder groß und diese wichtigsten Teile entfernen sich immer mehr von mir. Es gilt nun sie ziehen zu lassen, sie los zulassen, damit sie sich transformieren und zu etwas anderem völlig  Neuem werden. Jeder  meiner zwei Teile tut das auf seine Weise, experimentiert, verbindet sich mit anderen und entwickelt sich.  Nur im Vertrauen und Loslassen geht die Angst.

Schadenfreude und die Folgen

Im Februar dieses Jahr  habe ich mal eine Kolumne geschrieben, sie wurde auch veröffentlicht und lautete:

Eis und Schnee bitte nur für gerade Jahre

In unserer Gemeinde gibt es klare Regeln fürs Gehweg-Räumen bei Eis und Schnee. Wir haben nur einen Bürgersteig in der Straße und die Hausnummer 3. Deshalb müssen wir in ungeraden Jahren den Weg eisfrei halten. Bei geraden Jahreszahlen sind unsere Nachbarn dran, – also die von gegenüber. Ich erinnere mich an ein ungerades und sehr schneereiches Jahr, da bedauerte mich die Nachbarin. Mensch, es tut mir aber leid, dass es dieses Jahr so wahnsinnig viel schneit, sagte sie. Das macht doch nichts, hält fit, erwiderte ich sportlich und schob zähneknirschend die weißen Massen vor mir her. Seit Anfang  2010 arbeite ich morgens früh am Computer, schaue dabei aus dem Fenster und sehe fast täglich unseren Nachbarn. Er läuft die Straße rauf und runter, kehrt  seit Wochen den Schnee weg, kratzt das Eis vom Asphalt und streut den Weg. Wenn ich zur Arbeit fahre,  ist  der Nachbar ist immer noch am Werk. Ich winke ihm freundlich zu, er stützt die Arme auf den Schneeschieber und grinst breit zurück.  Was bin ich froh, dass sich dieser Jahrhundertwinter ein gerades Jahr ausgesucht hat. Statistisch ist es dann doch bestimmt sehr wahrscheinlich, dass der nächste Winter Jahr total mild wird rechne ich aus und fahre weiter.

Nachsatz: Jetzt sind wir immer noch in 2010  und der Nachbar schippt schon wieder seit einem Monat den Schnee beiseite. Ich  schaue nun schon seit Wochen die Prognosen für Schnee im Januar 2011 an und  finde  der Winter hat früh angefangen und er sollte auch  früh aufhören, oder? Nach Silvester wird es bestimmt nicht mehr schneien. Das reicht ja jetzt auch mit dem Schnee. Stopp. Aus. Fertig. Schluss.

Die Langsamkeit des Winters

Lange Zeit haben wir uns nach diesen Wintern gesehnt, immer wieder gejammert, dass es keinen Schnee mehr gibt wie früher, als alles noch in scheinbar in Ordnung war. Heute türmen sich die Schneeberge wieder, das Thermometer fällt in den Keller. Ist nun alles wieder in Ordnung? Nein. Nun ist der Winter  schlimm, weil das Klima ja in Unordnung ist .  Oder ist etwa mit uns etwas nicht in Odnung? Früher holte man das Holz in Hütte, machte den Ofen an  und kuschelte sich ein. Weite Wege mussten nur die wenigsten zurück legen. Verkehrschaos kannte man in diesen Ausmaßen nicht. Das  Leben in unseren Breitengraten war über den Jahreswechsel einfach  langsamer, daran musste man sich halten.

Der Verkehr wuchs in den vergangenen 20 Jahren sehr stark an, in diesen Jahren waren die Winter meist mild, die Probleme daher vielleicht auch kleiner als jetzt. Wir sind nicht mehr auf wochenlange dicke Schneeberge und Eiseskälte eingestellt.

LKW werden aber trotz aller Warnungen  auf die Autobahnen geschickt, alle wissen sie bleiben stecken. Kilometerlange Staus sind vorprogrammiert, viele Verkehrstote auch. Das nimmt man eben in Kauf, statt mal einen oder zwei Tage zu warten. Selbst die Züge fahren nicht planmäßig, Schienen frieren ein, Verspätungen und lange Wartezeiten in kalten Bahnhöfen sind die Folge. Wer braucht das schon?

Es ist ein wenig so, als wolle die Welt uns zeigen, dass wir nicht alles kontrollieren können. Im Gegenteil das Wetter kontrolliert uns, hält uns im Griff, immer noch. Der viele Schnee und das Eis bringen mir ein Stück Gelassenheit.  Ich werde ruhig, weil ich eh nichts dagegen tun kann. Das ist  die Langsamkeit des Winters. Gut, dass es ihn wieder gibt.