Erlebnisdusche

Schatz, was hältst du davon, wenn wir so eine  Regendusche bei uns im Bad einbauen. Ich schaue meinen Mann ungläubig an. Er hat tatsächlich vor handwerklich tätig zu werden. Unglaublich. Sonst muss ich immer wegen jedem Kleinmist nerven.  Eigentlich müsste das Wohnzimmer gestrichen werden oder die Heizung braucht einen Check.   Wenn ich solche Bitten äußere, heißt es gleich von der Gegenseite. Du immer mit deinen Projekten.

Nun also hat er selbst etwas vor, ich freue mich. So eine Regendusche wollte ich immer schon einmal haben. Flugs montiert er die Schwallbrause im Bad ab, weil die seiner Meinung nach ohnehin keiner nutzt. Außer mir nach der Sauna, denke ich, sage aber nichts.  Dann schraubt er mit seinem Freund die Dusche an, also eigentlich macht das der Freund allein. Guck mal schön, ne, freut er sich und duscht als erster. Toll. Prima. Ein Genuß. Er  kommt total entspannt aus dem Bad.

Am nächsten Tag probiere ich das neue Gefühl aus.  Ich bin schon spät und habe  keine Zeit meine Haare zu waschen. Die Regendusche ist aber so groß, wer unter ihr steht, wird  von oben aus allen Löchern berieselt.

Wie mach ich das nur? Ich drücke an der Armatur rum, den kleinen Knopf rein und raus. Nichts da, es lässt sich nur schwer umstellen auf die Handbrause. Ich quetsche mich in die Kabine, das Wasser kommt jetzt zwar aus der Brause aber gleichzeitig tropft es an einigen Ecken von oben kalt aus der Regendusche auf meine Schulter. Igitt.

Ich stelle an dem Kopf rum, schiebe ihn nach rechts, nach links, nichts bringt´s. Allein wenn ich mich noch enger in die Ecke quetsche, entkomme ich knapp den kalten Tropfen. Das ist ein echtes Duscherlebnis.

Voll Moppelkotze

Moppelkotze. Diesen Ausdruck habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als ich gestern in einer Lesung saß und der Autor einiger netter Gedichte, Holger Becker,ein undefinierbares Essen am Ende als Moppelkotze entlarvte, konnte ich nicht anders als laut loslachen. Moppelkotze.  Das gibt es tatsächlich.  Ich habe mal nachgegoogelt. Moppelkotze ist ein im norddeutschen Raum verbreiteter Eintopf mit nicht näher definiertem Inhalt. Alles irgendwie quer Beet. Grüne Bohnen, Rindfleisch, Kartoffeln, ach irgendwas.

Heute wird der Ausdruck in der Jugendsprache für alles Ekelerregende benutzt. Das alles sagt wikipedia. Auch. Irgendwo beim NDR wird es in einer Sendung frei übersetzt mit Alles Unsinn. Das heißt dann natürlich“ voll Moppelkotze“.

Irgendwie trifft das auch den Kern dessen was Holger Becker, der im richtigen Leben Standesbeamter ist, so in seiner Freizeit macht. Nämlich alle Ungereimtheiten in Form zu bringen und sich seinen Reim darauf zu machen. Witzig, lustig,durchaus tiefgründig und vielleicht ein bisschen „voll Moppelkotze“.

Eine Probe: “Frosch am Teich entdeckt die Fliege. Denkt: Na, ob ich die wohl kriege? Fliege ist noch sehr vital. Frosch denkt: Na, dann nächstes Mal.”

Internet im Redaktionsalltag

Internet, Internet, Internet

Der Redaktionsalltag hat sich verändert, und zwar stark. Man merkt die wachsende Bedeutung des Internets. Was ist die erste Breaking News? Was wird die zweite und die dritte?  Alles ist sehr viel schneller geworden als noch vor Jahren. Heute reicht ein Foto vom Unfall nicht mehr, der Bericht kommt gleich ins Netz und am besten noch ein Video dazu. Alles unter dem Motto: Wie kann man die Themen des Tages noch schneller machen, noch spannender verpacken?

Ich frage mich wirklich, ob man in Zukunft Lokales nur noch im Netz lesen wird. Klicks werden gezählt und gewertet. Das ist Kontrolle pur! Oder Richtung und Faden? Sicher  je nach Perspektive. Hilft der Leser beim Entwickeln einer neuen Zeitung kräftig mit? Eigentlich ist das ja das Beste was einem Schreiber passieren kann, die sofortige Kontrolle was gelesen werden will. Aber auch da kann man gleich kritisch werden. Ist  was der Leser vermeintlich lesen will auch das was man schreiben sollte? Oder lassen sich damit nur gute Werbeplätze verkaufen?

Viel mehr Menschen können nun durch ihre Kommentare ihre Meinung kundtun und so am demokratischen Prozess mitwirken. Die Hemmschwelle einen Kommentar abzugeben ist sicher geringer, als einen Leserbrief zu schreiben.

Der Umgang mit dem Netz mag für den Redakteur erst einmal eine zusätzliche Arbeit sein, aber vielleicht sichert er sich damit seine Zukunft. Es bleibt dabei. Irgendwer muss ja erst zum Unfall, dann  zur Eröffnung des neuen Krankenhauses und später in der  Parlamentssitzung brisante Themen aufdecken.

Aufopferung?!

Tief bewegt hat mich der Besuch bei Bettina Koyro, einer Frau in  meinem Alter, die seit 20 Jahren intensiv Entwicklungshilfe in Brasilien betreibt. Seit sie in der Kindheit für ein paar Jahre  in Sao Paulo lebte, hat sie die hilflosen, armen und hungernden Menschen nicht vergessen. Sie fasste nach dem Abitur den Entschluss, wieder dort hin zugehen. Sie wurde Hebamme, baute eine Krankenestation auf und kümmert sich nun in Juiz de Fora um die hunger leidenden Menschen in der Stadt. Das ist ihr Ding und irgend stellte sie das nie in Frage.

Auch wenn sie selbst kämpfen muss, für ihre Rente, die sie so wahrscheinlich nie bekommt. Sie hat selbst nicht viel, bereut es aber nicht, diesen Weg gegangen zu sein. Aufgeopfert habe sie sich nicht, sagt sie. Es war immer ein Bedürfnis.

Von Supermamas und Übervätern

Väter sind nie zu Hause

Männer gehen tasgüber zur Arbeit, auch mal in die Kneipe und am Wochenende ins Fußballstadion.. Stimmt. Aber Männer lieben auch ihre Kinder und wollen mit ihnen zusammen sein. Leider verhindern das oft die Arbeitszeiten, flexible Lösungen am Arbeitsplatz sind selten.

Väter drücken sich, wo sie nur können

Väter wissen alles besser

Mütter sind perfekt

Zum Glück nicht! Kinder brauchen keine perfekten Mütter, sondern authentische, die sich möglichst natürlich verhalten, zu ihren Unzulänglichkeiten stehen und auch mal über ihre Gefühle reden. Super Muttis wollen auch Vorzeigekinder, das kann für alle Beteiligten sehr anstrengend sein.

Mütter haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht alles schaffen

Mütter können nicht loslassen

Alles Vorurteile.… Mehr Vorurteile und  Auflösungen  im Magazin Blick in die Kirche

Jeder Mensch ist interessant

Jeder Mensch ist interessant

Dieser Satz stand neulich als Überschrift über einem Interview zu Judith Rakers in der HNA vom 1. Oktober 2010.  Sie wurde  dort als neue Moderatorin von  3 nach 9  vorgestellt.

Das ließ mich aufmerken, weil es einer meiner Lieblingssätze ist. Wenn mich jemand fragt, warum ich diesen Job mache, antworte ich immer: „Wegen der Menschen. Man lernt so viele unglaublich andere Menschen kennen. Das ist total spannend.“

Man mag natürlich nicht jeden. Aber oft ist es so , dass man die Menschen verstehen lernt, wenn  man sich mit ihnen auseinander setzt. Viel zu oft gibt es  irgendwelche Vorbehalte hat, warum auch immer. Oder man findet einfach keinen Zugang, weil es keine offensichtlichen Anknüpfpunkte gibt.  Das löst sich erst dann, wenn man gänzlich offen ist. Im Job muss man das sein, sonst kann man kein Gespräch führen.

Dann zeigen sich oft erstaunliche Dinge. Und der Satz von Judith Rakers stimmt wirklich. :

„Wenn man den Menschen ohne Vorurteile begegnet, ist jeder auf seine Weise interessant.“

Es fehlt die Liebe

Es gibt Menschen, die haben etwas gegen andere, ohne dass diese anderen etwas gegen sie haben. Es gibt den Unwillen von Menschen gegen andere. Sie finden etwas, was ihnen an anderen nicht gefällt. Dadurch, dass sie andere verurteilen, sind sie unwillkürlich besser als die, die sie verurteilen. Mit jedem Verurteilungsakt werden sie größer, besser, vielleicht sogar berühmter.

Ich darf jetzt nicht sagen, sei verurteilen andere, machen andere herunter, um selber besser und größer dazustehen. Dass sie durch das Runtermachen anderer sich selber deutlicher werden, das ist klar. Aber dass sie andere heruntermachen, um selber besser dazustehen, darf man nicht sagen. Sie haben jeweils andere Gründe, andere herunterzumachen. Sie sagen laut genug, warum sie andere heruntermachen. Gibt es eine Ursache für dieses Alles herunter machen? Es gibt eine Vermutung. Es fehlt die Liebe.

Ich wage zu vermuten: Wo Liebe fehlt, springt Hass ein.

„Die Heruntermacher bersten vor Gründen. Lieben braucht keinen Grund. Lieben, bevor wir geliebt werden!“

Auszug aus Martin Walsers Roman Muttersohn, der im kommenden Jahr erscheinen soll.

Ein größerer Auszug ist im Focus vom 4. Oktober 2010 zu lesen.

Witzig ein paar Seiten zuvor gab es eine Interview mit dem Literturkritiker Marcel Reich-Ranicki- Überschrift: Ich habe geärgert… putzig…..

Immer wieder freitags

Freitags ist der Wurm drin….

Es muss doch irgendwo eine Statistik geben, die zeigt, dass freitags die meisten Unfälle passieren. Drei Wochen in der Nachbarredaktion reichen, um mir wieder einmal zu zeigen: Freitag rumst es immer. Wenn  die Sirene geht, werden alle Redakteure unruhig. Da gibt es eine eindeutige Marschrichtung: Bei Unfall oder Brand müssen wir berichten. Da ich nun die einzige bin, die im Moment dafür in Frage kommt, sitze ich quasi immer in den Startlöchern. Kamera und Block liegen griffbereit auf dem Tisch. Beim ersten Tatütata schnappe ich beides und rase los. Oft komme ich gemeinsam mit der Polizei an.

Am schlimmsten ist es freitags. Meistens kurz vor Dienstschluss, wenn es so etwas als Lokalreporter überhaupt gibt, geht das tatütata.  Aber da hilft nichts,  im Dienste des Lesers geht es raus ———–egal wann. Der Adrenalinpegel steigt und damit auch die Power. Das ist dann nach einem 9 Stunden Tag auch nötig, denn nach dem Einsammeln der Fakten, dem Knipsen und manchmal sogar noch dem Videodreh wird alles noch für den nächsten Tag fertig gemacht. Wenn man dann so gegen 8 aus der Redaktion fällt, ist der elf-Stunden Tag auch wieder einmal voll.

Lernen und kleine Pause

Ich habe vor einer Woche gerade ein Experiment begonnen. Für vier Wochen arbeite ich  in der Nachbarredaktion . Meine Idee war es wieder mehr in das Redaktionssystem Einblick zu bekommen und den täglichen Redaktionsablauf. Ich habe das früher oft gemacht und  in den letzten drei Jahren weniger, weil ich noch in der Firma meines Mannes mit gearbeitet habe.

Es ist irgendwie wirklich wie ein Experiment. Es hat sich vieles verändert und ich muss mich ganz schön strecken, um da wieder anzudocken. Da prallen viele Eindrücke auf mich ein. Deshalb komme ich im Moment auch nicht dazu, mich um meinen Blog zu kümmern. In zwei Wochen wird es wieder anders.  Ich werde dann von meinen Erfahrungen berichten und hoffentlich auch mit vielen Ideen wieder dabei sein.