Der rote Tiger

Max tischt auf

Wir haben eine Katze – nein eigentlich nicht. Das Tier gehört den Nachbarn. Ein kleiner rotbraun getigerter Kater namens Max besucht uns seit einem guten halben Jahr auf unserem Grundstück  und lässt es sich dort gut gehen. Er rast die Bäume hinauf, schleicht wie ein Tiger durchs Gras und tobt sich auf unserem großen und teilweise etwas wilden Garten aus. Hohe Bäume, dichte Hecken, verwinkelte Ecken und ein alter etwas vergammelter Strandkorb haben es ihm angetan.

Ich hänge Wäsche auf und höre ein Mauzen hinter mir. Hallo Max antwortete ich. Er kreist um meine Beine, streichelt dabei meine Waden, schmeißt sich auf den Rücken und fordert zum Bauchkraulen auf.  Eigentlich bin ich ja kein Katzenliebhaber, aber der kleine Kerl schleicht sich mit seiner charmanten Art in mein Herz. Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Neulich sitzen wir auf der Terrasse und Max kommt um die Ecke, würdigt uns aber keines Blickes, geschweige denn, dass er auf unser Rufen hört. Stolz wie ein Schwan mit  erhobenem Haupt steuert er geradewegs auf die Wiese. Ich denke schon, der hat doch etwas vor. Nachmittags sehe ich das Resultat. Vor der Haustür liegt ein totes Mäuschen. Appetitlich ist das nicht, aber ich fand diesen  Liebesbeweis trotzdem süß. Allerdings scheint seine Liebe zu mir beständig zu wachsen. Die Beweise säumen seitdem unseren Garten.

Nachtrag: Meine Nachbarn bekommen diese Geschenke übrigens nicht. Naja…. dann muss ich eben alle paar Tage auf meiner  Terrasse die „Liebesbeweise“ einsammeln und entsorgen…..

Traumstadt Buenos Aires

Buenos Aires – die Leidenschaftliche

Ich habe gestern eine neue Liebe entdeckt- Buenos Aires. Die Reportage im ZDF über die Stadt des Tango, auch genannt das Paris Südamerikas, war mitreißend – und vielversprechend.

Die  Facetten der Stadt wurden an den Porträts  völlig unterschiedlicher Menschen aufgereiht. Die  Reportage zeigt  Gegensätze pur:  polospielende Superreiche und eine Mutter, die ihre sieben Kinder auf der Straße durchbringt. Er lebt seine Träume – sie hat keine mehr – sagt sie.

Ein Traum ist Buenos Aires auch  für die Tangotänzerin Susanne Lorenz aus Hamburg, die dort ihre Wahlheimat gefunden hat. Sie lebt  ihre Liebe und die Leidenschaft  im Tanz. Wunderschöne Bilder einer wilden, schönen Stadt- mit facettenreichen Gegensätzen fasziniert in der Reportage.

Ein Textauszug: Die Stadt ist wie die Ureinwohner – genannt  Porteños. Sie sind neurotisch, intelligent, schön, leidenschaftlich und haben einen Hang zur Melancholie. Der Porteno kennt die Realität, kommt aber  nicht immer mit ihr zurecht. Dabei  ist er zutiefst sensibel und tanzt sich im Tango aus ihr heraus.

Herrlich.

Unkonventionelle Erziehung

David Gilmour

Unser allerbestes Jahr

Es ist eine Hommage an die Liebe zwischen Vater und Sohn, an das Verständnis zwischen den Generationen und die vielen unerklärlichen Dinge im Leben, die wir immer wieder neu  verstehen wollen.

Jesse, 16, typisch Pubertät, hat fest vor,  die Schule zu schmeißen und macht ernst.  Sein Vater, der Schriftsteller David Gilmour, will  Fehler in der Erziehung wieder gut machen. Er lebt in einer neuen Beziehung und zieht für ein Jahr wieder zu seinem Sohn. Er fasst einen unkonventionellen Entschluss. Der Junge darf machen, was er will. Bedingung, die zwei schauen sich regelmäßig Filme an. Sohnemann lässt sich auf das Abenteuer ein.

Der Vater schrieb früher Filmkritiken und will mit den bewegten Bildern den Sprössling fürs Leben interessieren. Eine Odysee durch die Filmgeschichte beginnt.   12 Uhr mittags oder Shinning:  Gary Cooper oder  Jack Nickolsen, interessante Filmkritiken und Sichtweisen auf Filme, die wir alle gesehen haben, fesseln

James Deans berühmte Szene in Giganten macht Furore.  Gilmour erklärt, wie er mit absolutem Nichtstun zum größten Idol seiner Zeit wurde. Das scheint in diesem Moment fast wie ein Vergleich.

Das absolute Vertrauen in sich, seinen Sohn und die Richtigkeit dieses Tuns überrascht. Mit diesem Vertrauen und mit der unbändigen Liebe, die zwischen den Zeilen steckt, bewältigt er die Krise.  Man fühlt  in seiner  Angst um den Jungen, der in einer Szene auf Kuba in eine Bar verschleppt wird, die Kraft der Verbundenheit. In dieser Szene kämpft er um sein Kind, begibt sich in Gefahr, wie er es mit dem zunächst seltsamen Vorhaben ebenso tut. Die Zwei wachsen zusammen, bauen eine Beziehung auf und am Ende führen  die Weisheiten von Film und Vater den Jungen in die Realität zurück.

Ein sehr intelligenter Roman, der mit klugen Sätzen und Lebensweisheiten daher kommt. „ Menschen vor denen man Angst hat, hasst man irgendwann einmal“.  An einigen Passagen triftet die Geschichte ein wenig  ins Kitschige ab. Doch die gut gemachten Filmkritiken retten die Geschichte  dann gleich wieder.

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit. Gilmour schrieb die eigene Geschichte mit seinem Sohn auf. Der Schriftsteller ist gleichzeitig Film- Kritiker.

David Gilmour: „Unser allerbestes Jahr“. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Adelheid Zöfel. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2009. 254 S., geb., 18,95 [Euro]

„eine weise, lebensbejahende Studie über das Erwachsenwerden“ Andreas Schröder in Literaturwelt Das Blog

Cinque Terre und Porchetta allo spiedo

Italien –  immer wieder ein Genuss

Der Finger landete in  unserem Italien-Atlas dieses Mal auf Finale Ligure . Das befindet sich etwa 60 Kilometer westlich von Genua nahe an der Italienischen Grenze. Genau in diesem Ort waren wir nicht, der ist zu touristisch, da kann man zwar gut baden aber zum Wohnen bevorzugen wir eine ruhigere Gegend. Ein paar Kilometer weiter in den Bergen im Relais il Casale in Tovo San Giacomo kann man ein schönes Appartement buchen, ruhig gelegen mit Pool ist es die reinste Idylle. Von dort aus kann man prima Radfahren. Wenn das auch nur für ambitionierte Radler zu empfehlen ist, weil es immer steil bergauf geht. Aber es gibt auch schöne Wanderwege. In zehn Minuten ist man mit dem Auto am Meer, der Strand ist nicht zu überlaufen – außer natürlich im August, wenn der Italiener Urlaub macht.

Günstig kann man in den umliegenden Bergdörfchen essen gehen, das kostet die Hälfte wie an den Strandbars, die teuer und überlaufen sind . So kann man auch den Italiener beim Feiern sehen. Porchetto allo spiedo- auf Deutsch Spanferkel am Spieß – scheint eine typisch italienische Spezialität zu sein. Gleich sieben Stück davon bereiteten die Bewohner von Magliolo für ihr Fest zu. In den Terrassen des Weindörfchens saßen Hunderte Italiener an der gedeckten weißen Tafel, diskutierten, aßen miteinander im Sonnenuntergang – ein göttlicher Anblick.

Anlage fürs Schweinegrillen
Casa Porchetta allo spiedo

Schnell ist man auch in Monaco, für alle, die mal die Jachten des Jet Set sehen möchte und einen Blick auf den Palast der Grimaldis werfen wollen. Beim Grenzübergang spürt man den Unterschied zwischen Italien und Frankreich. In Menton weht ein französisch eleganter Wind mit einem Hauch von Anmut.

Ein Stück weiter südlich an der Italienischen Adria liegt das Cinque Terre.  Die fünf  Dörfchen sind Weltkulturerbe und eine Reise wert. Besonders empfehlenswert ist der Wanderweg von Levanto nach Monterossa. Über Stock und Stein durch romatische Wälder zwischen Weinbergen geht es mit einem wunderschönen Blick aufs Meer in zwei Stunden in das erste der Cinque Terre Dörfer. Besonderes Highlight ist das Mare Mesco, eine Bed and Breakfast Pension, die liebevoll restauriert wurde. Ein Kleinod mit Blick auf die Bucht von Levanto.