Es kommt immer anders, als man denkt

Termine, Termine……

Heute wache ich auf und schaue in den Terminkalender,  muss ich aber eigentlich nicht. Ich weiß ja, es steht nix  drin. Bin ich auch gar nicht böse drum. Der Keller muss dringend mal aufgeräumt werden, die Fenster.. oh Gott ….und einkaufen war ich auch schon ewig nicht mehr. Also ran an den Feind, heut ist Putztag. Nach dem Frühstück zerre ich den Eimer aus der Besenkammer und drehe den Wasserhahn auf. Meinen Putzplan habe ich mir schon zurecht gelegt. Erst die Fenster, wir wohnen in einer alten Villa, es sind ja nur 26, werde ich heute sicher schaffen.

Ich fange im Hausflur an, da klingelt das Telefon: Hallo hast du schnell Zeit? In der Schule ist ein Termin, Trommelkurs- ein Projekt aus Afrika. Kannst du das für uns vorstellen?, fragt die Redaktionsassistentin. Ich überlege und frag: Wie jetzt?  Sofort?  Das kommt mir ja mal wieder gar nicht gelegen. Na gut. Ich machs, überlege ich. Das Geld nehme ich gern mit, Putzen kann ich später auch noch. Das Wasser im Eimer ist mittlerweile eh schon fast kalt, die nette Redaktionsassistentin hat mir nur noch ganz kurz die Geschichte ihres Umzugs erzählt, ……. Naja, ich ziehe die alten Klamotten aus, schlüpfe in die neuen Jeans und schlappe in die Schule.

Der Trommelkurs aus Afrika entpuppt sich als ein Projekt der ersten Klasse. Also Routinetermin. Erst schreie ich 20 tobende Kinder an und stelle mich als Tante von der Zeitung vor. Darauf hin fragen die alle. Komm ich jetzt in die Zeitung?  Ja , sage ich, wenn ihr endlich ruhig seid und euch erst Mal von mir fotografieren lasst. Als ich die Truppe nach zehn Minuten endlich um fünf große Trommeln drapiert habe und alle brav laut Spaghetti gerufen haben, damit sie auf dem Foto lachen, interviewe ich den Trommellehrer. Der kommt auch nicht aus Afrika sondern aus der tiefsten Schwalm. Wenigstens fährt der aber einmal im Jahr auf den schwarzen Kontinent zum Trommelbauen und ist auch sonst sehr interessant. Da lässt sich mal eine Geschichte mit Hintergrund erzählen.

Kurz , meine Jagd war erfolgreich, mit einem fertigen Artikel im Kopf und gutem Bild fahre ich nach Hause. Ich habe für heute ja noch andere Pläne. Schreiben kann ich das auch morgen noch.

Einige geputzte Fenster später, geht die Sirene. Ich denke noch:  Hoffentlich muss ich heute nicht raus, ist bestimmt ein Unfall. Keine zwei Minuten später bimmelt wieder das Telefon: Da ist ein Brand bei euch. Kannst de mal hinfahren, raunt der Redakteur. Also muss ich wieder überlegen.  Mittlerweile sehe ich aus wie der Putzteufel höchstpersönlich. Die Haare stehen ab, das Gesicht  ist voller roter Flecken und unter meinen Armen strömt ein lieblicher Schweißgeruch hervor. Gut , denke ich,  bei so einem Brand muss man ja nicht aussehen, als ginge man zur Modenschau. Und einem attraktiven Mann bin ich auf meinen Terminen in den letzten 14 Jahren auch nicht begegnet.

Also schnappe ich wieder Block und Kamera und schiebe los. Mittlerweile hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Es qualmt nur noch aus dem Dachfenster, im Haus ist kein Mensch mehr und es bleibt mir nur übrig die gesamte Szenerie ein wenig darzustellen und den Feuerwehrführer aus dem Dorf zu interviewen. Das gibt nur ne kleine Geschichte, überlege ich, ist nichts dramatisches passiert. Wieder zu Hause blicke ich durch mein dreckiges Fenster im Büro auf meinen Ort. Jetzt muss ich doch noch schnell die Geschichten schreiben – Fenster putzen kann ich ja auch morgen noch.

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