Hildegard

Das ist Leidenschaft pur:  Claudia Riemann aus Kassel entschied sich erst vor drei Jahren  ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Chansons zu singen. Ihre Mutter hatte ihr in der Kindheit  diesen Traum  ausgeredet.  Lern erst einmal etwas Vernünftiges, hatte sie gesagt. Die junge Frau wurde Erzieherin und dann Mutter. Mit Mitte Vierzig machte sie ihre Wünsche dann doch noch wahr.

Ich habe sie gestern zum Frauentag mit ihrem Hildegard Knef  Programm gesehen. Man fühlt durch jede Pore die Leidenschaft pur, wenn sie singt. Die Kraft musste lange Zeit warten bis sie sich ihren Weg an die Öffentlichkeit graben konnte. Dafür erstrahlt sie jetzt in ungebrochenem Glanz. Eine so starke Frau, wie die Knef zu kopieren und ihre mit kraftvollen Verben prall gefüllte, dynamisch spitze, sich in Konflikten wirbelnden Sprache auszudrücken, die im Schluss mit einem fulminanten Abgang endet, dafür braucht es eine Frau mit ähnlicher Ausstrahlung. Das schafft Claudia Riemann.  Mit ähnlich rauchiger Stimme, aufrechter Haltung.

Man hat das Gefühl,  die Knef steht leibhaftig vor dir. Ebenso überzeugend muss sie in Zarah Leander sein. Dort gibt es ebenfalls ein Programm über das Leben und die Chansons der Künstlerin, ein Porträt über Marlene Dietrich ist in Arbeit. Es lohnt sich mal wieder in die Chansons der Knef reinzuhören. Zum Zarah-Leander Programm

Claudia Riemann und Julia Reingardt

kann man auf  ein Video sehen. 15. Februar. „Und der Erfolg gibt mir Recht”, sagte sie selbstbewusst.

Leidenschaftlich  mit kraftvoller Stimme und ähnlicher Haltung fast wie die Knef selbst, erzählte Riemann vom aufregenden Leben der Diva. Sie sang deren Chansons, am Klavier begleitet von Julia Reingardt. Sie hob die trotzige Tapferkeit der unverwüstlichen Kämpfernatur hervor. Nach der Schauspielkarriere  in Hollywood  begann Hildegard Knef  in den sechziger Jahren als Sängerin und Autorin zu arbeiten. Sie schrieb  ihre Lieder selbst, mit einer Sprache, die nur so strotzt vor Kraft . “Mir sollen sämtliche Wunder begegnen”, lautet eine bekannte Textstelle.

Nicht ganz so tief verraucht wie die Knef selbst kam Riemanns Stimme über die Bühne aber mit einer ebenso großen Leidenschaft . Und weniger mit der beklemmenden Individualität des großen Stars, wie es einmal hieß. “Ich glaub ´ne Dame werd ich nicht”, sang sie lässig ins Mikro.  30 Konzertjahre hatte die Diva, aber ihr Lampenfieber endete nie, obwohl sie viel Lob bekam. Ein Kritiker schrieb einst: Die Knef hat keine herkömmliche Stimme, aber ein Organ, das auf dem Resonanzboden ihrer Seele liegt. Und die interpretierte auch Riemann beim wohl berühmtesten Lied  “Für mich soll es rote Rosen regnen” förmlich auf.  Das „Ich will, ich will” im Refrain ist wohl die zentrale Botschaft, vor allem zum Frauentag. Der Komponist Hans Hammerschmidt sagte, er habe den Zettel mit dem Text für rote Rosen auf dem Klavier gefunden. In nur fünf Minuten habe die Melodie gestanden. Die Schallplatte  wurde zwei Millionen Mal verkauft. Trotzdem hatte Hilde wohl nicht immer viel Geld, zwei Pleiten zierten ihr Leben. Ohnehin sei ihr Leben auch voller Wunden gewesen. Sie wurde 60 Mal operiert, hatte Krebs und ein Lungenemphysem, an dem sie am 1. Februar 2002 in Berlin verstarb. Sie schrieb sieben Bücher. Hildegard Knef stand immer für ihre  eigene Meinung. Geboren in  1925 gab es nur wenige Frauen, die so früh konsequent ihren eigenen Weg gingen. Zum Schluss sang Riemann das vielfach viel interpretierte und auch von der Knef mit einem deutschen Text übersetzte „la vie en rose“ als zweite Zugabe und wundervollem Abschluss des Abends.

Claudia Riemann und Julia Reingardt aus Kassel sind seit drei Jahren zusammen unterwegs. Riemann hatte damals beschlossen ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Sängerin zu werden. Sie hatte Erzieherin gelernt und war dann Mutter. Gesungen hatte sie bis dahin hauptsächlich in Chören. Dann bestand der Wunsch zum Chanson. Neben der Knef-Interpretation gibt es das Zarah Leander Programm. Demnächst soll Marlene Dietrich als dritte Diva mit  aufgenommen werden.

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