Starter

Von einer guten Fee kam gleich mit dem Start meines Blogs dieser Artikel

Ich freue mich über deinen Mut zum Schreiben. Und ich bestaune deine Neugier auf eine neue Schreib-Erfahrung. Ich bin gespannt auf deine Glossen – so mitten aus dem Leben. Auf deine Interviews mit bemerkenswerten Menschen. Auf deinen Humor und deinen Tiefsinn… Christiane

Danke für den Mut, den du mir machst liebe Christiane

Originale

Der Homberger Eisbär



Dirk Schaller: Frisör, Sänger, Entertainer

Im Eisbärenlook streift Frisör Dirk Schaller am Wochenende als Reiner Irrsinn durch die Lokale und mischt im weißen Zottelmantel mit Partyschlagern die Leute auf. Himbeereis zum Frühstück, oder Humbta Mallorca sind einige seiner eigenen Mischungen: Er landete damit auf der Mallorca CD.

Abfeiern auf der Bühne nach Manier von DJ Ötzi ist ein Riesenspaß für die Leute, und ein Superausgleich für das Kraftpaket Schaller zur Arbeit als Frisör. „Wenn ich den Mantel anziehe und die Brille aufsetze, bin ich einer anderen Welt“, sagt er. Mittlerweile ist der 37-Jährige am Wochenende zur Partyzeit ausgebucht. Er repräsentierte während des Hessentags  die Stadt Homberg. Schaller moderierte die Vorstellungen der Stadt und gab abends noch seine Show auf der Bühne. Erfahrungen als Entertainer machte er auch mit seinen außergewöhnlichen Modenshows. Die Avantgarde hielt unter Schallers Regie Einzug in die Zentren des Kreises. Er organisierte vier Modenschauen gemeinsam mit Einzelhändlern.

Ein kreativer Kopf ist Schaller auch bei der Arbeit. Der Frisör machte als einer der Jüngsten im Kreis mit 20 Jahren seinen Meister und eröffnete sofort danach einen eigenen Salon. Mittlerweile hat er einen zweiten Laden in der Kreisstadt. Die ganz solide Seite vertritt Schaller als Ehemann und Vater von zwei Kindern, der zudem Innungsobermeister des Frisörhandwerks im Kreis ist.

Zwei an einem Tag

Immer wieder  am Jahrestag

Zwei an einem Tag von David Nicholls

Zufall oder Bestimmung:  Emma und Dexter lernen sich mit zwanzig bei einer Examensfeier kennen, am 15 Juli 1988. Nach der gemeinsamen Nacht trennen sich ihre Wege, obwohl beide fühlen, dass sie eigentlich ein ideales Paar wären. Doch sie bleiben Freunde. Während den zwanzig Jahren darauf erzählt der Autor David Nicholls die Geschichte dieser beiden Menschen, immer an ihrem Jahrestag, dem 15. Juli. Auch wenn jeder seine eigenen Erfahrungen macht, steht deren Geschichte an diesem Datum immer wieder neu im Raum.  Das Ungesagte  und nur Gedachte  macht das Buch zu einer der schönsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe.

Ein bisschen Nostalgie der achtziger Jahre spielt auch mit hinein. Ich war selbst in dieser Zeit um die zwanzig und es hätte theoretisch auch meine Geschichte sein können. Wer das Buch einmal angefangen hat zu lesen, kann es nicht aus der Hand legen. Man fiebert mit, erlebt die überraschenden Wendungen und will am liebsten den Schluss schon in der Mitte des Buches lesen. Zwei an einem Tag ist ein herrliches Buch, die Romanform von Gut gegen Nordwind. David Nicholls, geboren 1966, ist ein bekannter englischer Drehbuchautor und Schauspieler und lebt in London. Er hat  zwei weiterer Bücher geschrieben. „Keine weiteren Fragen“ wurde verfilmt, auch für das zweite Buch „Ewig zweiter“ sind die Filmrechte verkauft.

David Nicholls
Zwei an einem Tag
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5542-1
Preis: 22,90 Euro

Trommelbauer

Der Trommelbauer

Der Trommelbauer. Da ist noch eine zweite Geschichte drin. Mir fällt auf, er kommt aus der Nachbarregion. Ich könnte ein Porträt über ihn machen, rufe gleich in der Schule an und bekomme seine Telefonnummer. Im Internet kann ich ihn nirgends finden und denke mir schon, dass er vermutlich sehr zurückgezogen lebt. Ich telefoniere mit ihm, er ist angetan. Die Redaktion freut sich, auch auf eine bunte Geschichte im Blatt. Ich kündige es groß an. Das mache ich gern. Nicht immer wird das auch so groß, wie man denkt. Stichwort… es kommt alles anders.  Bei Menschen zu Hause, da muss vieles stimmen, vor allem die Chemie und man muss bereit sein, sich auf vieles einzulassen.

Nun fahre ich ja nicht nach Afrika in den Busch sondern auf einen nordhessischen Bauernhof.

Überrascht bin ich nicht wirklich vom Ambiente.  Die Ordnung ist unübersichtlich, der Mensch der dort arbeitet voller Enthusiasmus. Er zeigt mir alle Kniffe, rennt immer wieder in die Werkstatt, um Werkzeug zu holen, neue Trommeln zu zeigen und Instrumente heran zu schaffen. Er rennt die Treppe rauf, die Treppe wieder hinunter.

Für seine 53 Jahre ist er fit.  Sehr fit, erzählt von seiner Vergangenheit, hat beim Trommelkurs seine Liebe für Afrika und die Musik entdeckt. Gibt zu, er sei ein 68er,  ihm lag nichts an Geld, suchte nach dem Sinn, wollte kreativ sein. Gibt zu, es ist nicht immer leicht, so ein paar Trommeln im Jahr bauen und verkaufen, das kann hart sein,  man muss überleben, auch mit Trommelkursen. Ein Blick ins Gesicht verrät, das stimmt. Ein Blick auf den Hof verrät, das stimmt. Die unübersichtliche Ordnung sagt, das stimmt.

Der junge 53-Jährige, der die Treppe hoch und herunterrennt sagt- das stimmt, aber er rennt wieder hinunter und holt ein weiteres Instrument, eine anderes Werkzeug, erzählt von Afrika, vom einfachen Leben dort. Spielt sein Instrument. Ist ganz die Trommel- ist ganz er.

Hutewald

Wandern auf der Waldweide

Nordhessen: Premiumweg im historischen Knüllwälder Hutewald

Rengshausen. Schon der erste Schritt ins satte Grün ist angenehm weich. Sanft drückt sich der Fuß in den dicken  Waldboden, das Laub vom letzten Herbst raschelt noch unter den Schuhen. Etwas weiter oben kommt das Naturgefühl auch an. Der Duft von Kiefern und Fichten  weht in die Nase. Automatisch atmet man tief durch. Das ist Wandern in exklusiver Ausführung – unterwegs auf dem Premiumwanderweg Hutewald  mitten im Knüll.

Etwa dreieinhalb Stunden dauert die Tour durch die Waldlandschaft,  vorbei an wunderschönen Ausblicken  in den Knüll. Gleich zu Beginn der Route, die in Rengshausen an der Freilichtbühne beginnt, muss man nach einem Kilometer einfach stoppen. Die Belohnung für die erste Strecke offenbart sich sofort. Im Tal liegt  der Ferienort im Knüll. Drei Mühlen, die Papiermühle, die Schneidemühle und die Knottenmühle trugen früher zum Wirtschaften bei. Heute sind sie  historische  Sehenswürdigkeiten. Zwei Straßen schlängeln sich malerisch aus dem Dorf hinauf auf die gegenüberliegende Höhe. Der Frühling zaubert mit seiner wilden Blüte frische Farbtupfer ins Bild.

Dort  befindet sich eine Schutzhütte, wo man sich zur Rast zurückziehen kann und die müden Wanderbeine baumeln lassen kann.

Hutewald

Doch jetzt geht es erst einmal weiter zur Attraktion des Weges: dem Hutewald. Das 13 Hektar große Gebiet wurde früher als Waldweide genutzt. Die Dorfbewohner trieben ihr Vieh zum Äsen aus dem Dorf in den Wald, dort ernährten sich die Tiere von dem Laub, Gras, Waldgewächsen und im Herbst von den Bucheckern. Ein Hirte hütet die wertvollen Tiere, meist Ziegen und Kühe, daher der Begriff Hutewald.  Unter den über 300 Jahre alten dicken Buchen fanden die Tiere ihr Futter. Diese Tierhaltung war bis ins das späte 17. Jahrhundert hinein üblich in der Region. Später wurden die Tiere im Stall gehalten.

Hebammenpfad

Der Weg bis dort hinauf erinnert an Wanderungen in den Alpen. Trampelpfade führen durch die pralle Natur. Der Sauerklee blüht lilafarben am Wegesrand, hier und da lugt der Wachholder aus dem Boden. Sogar die für diese Landschaft seltene  Heide hat  auf einer der freien Flächen einen Teppich ausgebreitet. Bizarr schlängelt sich ein kleiner Bach hinunter in das Tal durch die wild romantische  Landschaft, parallel zum ehemaligen Hebammenpfad. Der Waldweg soll früher die Verbindung für die Hebammen gewesen sein, die vom entfernten Licherode herüber nach Rengshausen eilten, wenn eine Geburt anstand. Ansonsten gibt es noch mehr historische Geschichten, die auf der Wanderung erzählt, auch den Intellekt anregen.

Die Studentensteine erinnern an drei Studenten, die dort der Sage nach im 16. Jahrhundert auf ihrem Weg nach Marburg ermordet wurden. Von dort kann man den Großen Inselsberg in Thüringen erkennen. Der geistige Blick kann auch ins Beiserhaus schweifen. Die Jugendeinrichtung wurde im Jahr 1841 von Pfarrer Emil Rausch für gefährdete Kinder gegründet, heute ist es Ausbildungsstätte. 400 Jahre alte Eichen liegen am Wegesrand des Mühlberges. Die elf Kilometer lange Runde schließt wieder am Freilichtmuseum – und dann ist der Rundweg an einem der schönsten Hutewälder der Region leider vorbei.                                                                                                     Christine Thiery

Prädikatswanderwege: Bei Prädikatswanderwegen wird darauf geachtet, dass ein möglichst kleiner Teil auf Fahrwegen verläuft, die überwiegende Strecke soll auf Naturboden und Wegen mit Pfadcharakter verlaufen. Naturschönheiten, Wechsel der Landschaftsformationen, Ausblicke, Sehenswürdigkeiten und kulturelle Aspekte tragen zur Attraktivität bei. Gute Markierung und Ausschilderung sind wichtig. Der Hutewaldweg in Rengshausen trägt das deutsche Wandersiegel Premiumweg.

Tipp: Wanderschuhe und Rucksackverpflegung wird empfohlen. Im Ort gibt es Gasthäuser, Hotels und ein Lebensmittelgeschäft.

Kontakt: Knüll-Touristik: www. knuelltouristik.de

Tel. 05681 – 930808.

Es kommt immer anders, als man denkt

Termine, Termine……

Heute wache ich auf und schaue in den Terminkalender,  muss ich aber eigentlich nicht. Ich weiß ja, es steht nix  drin. Bin ich auch gar nicht böse drum. Der Keller muss dringend mal aufgeräumt werden, die Fenster.. oh Gott ….und einkaufen war ich auch schon ewig nicht mehr. Also ran an den Feind, heut ist Putztag. Nach dem Frühstück zerre ich den Eimer aus der Besenkammer und drehe den Wasserhahn auf. Meinen Putzplan habe ich mir schon zurecht gelegt. Erst die Fenster, wir wohnen in einer alten Villa, es sind ja nur 26, werde ich heute sicher schaffen.

Ich fange im Hausflur an, da klingelt das Telefon: Hallo hast du schnell Zeit? In der Schule ist ein Termin, Trommelkurs- ein Projekt aus Afrika. Kannst du das für uns vorstellen?, fragt die Redaktionsassistentin. Ich überlege und frag: Wie jetzt?  Sofort?  Das kommt mir ja mal wieder gar nicht gelegen. Na gut. Ich machs, überlege ich. Das Geld nehme ich gern mit, Putzen kann ich später auch noch. Das Wasser im Eimer ist mittlerweile eh schon fast kalt, die nette Redaktionsassistentin hat mir nur noch ganz kurz die Geschichte ihres Umzugs erzählt, ……. Naja, ich ziehe die alten Klamotten aus, schlüpfe in die neuen Jeans und schlappe in die Schule.

Der Trommelkurs aus Afrika entpuppt sich als ein Projekt der ersten Klasse. Also Routinetermin. Erst schreie ich 20 tobende Kinder an und stelle mich als Tante von der Zeitung vor. Darauf hin fragen die alle. Komm ich jetzt in die Zeitung?  Ja , sage ich, wenn ihr endlich ruhig seid und euch erst Mal von mir fotografieren lasst. Als ich die Truppe nach zehn Minuten endlich um fünf große Trommeln drapiert habe und alle brav laut Spaghetti gerufen haben, damit sie auf dem Foto lachen, interviewe ich den Trommellehrer. Der kommt auch nicht aus Afrika sondern aus der tiefsten Schwalm. Wenigstens fährt der aber einmal im Jahr auf den schwarzen Kontinent zum Trommelbauen und ist auch sonst sehr interessant. Da lässt sich mal eine Geschichte mit Hintergrund erzählen.

Kurz , meine Jagd war erfolgreich, mit einem fertigen Artikel im Kopf und gutem Bild fahre ich nach Hause. Ich habe für heute ja noch andere Pläne. Schreiben kann ich das auch morgen noch.

Einige geputzte Fenster später, geht die Sirene. Ich denke noch:  Hoffentlich muss ich heute nicht raus, ist bestimmt ein Unfall. Keine zwei Minuten später bimmelt wieder das Telefon: Da ist ein Brand bei euch. Kannst de mal hinfahren, raunt der Redakteur. Also muss ich wieder überlegen.  Mittlerweile sehe ich aus wie der Putzteufel höchstpersönlich. Die Haare stehen ab, das Gesicht  ist voller roter Flecken und unter meinen Armen strömt ein lieblicher Schweißgeruch hervor. Gut , denke ich,  bei so einem Brand muss man ja nicht aussehen, als ginge man zur Modenschau. Und einem attraktiven Mann bin ich auf meinen Terminen in den letzten 14 Jahren auch nicht begegnet.

Also schnappe ich wieder Block und Kamera und schiebe los. Mittlerweile hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Es qualmt nur noch aus dem Dachfenster, im Haus ist kein Mensch mehr und es bleibt mir nur übrig die gesamte Szenerie ein wenig darzustellen und den Feuerwehrführer aus dem Dorf zu interviewen. Das gibt nur ne kleine Geschichte, überlege ich, ist nichts dramatisches passiert. Wieder zu Hause blicke ich durch mein dreckiges Fenster im Büro auf meinen Ort. Jetzt muss ich doch noch schnell die Geschichten schreiben – Fenster putzen kann ich ja auch morgen noch.

Keine Angst

Keine Angst – Mauern gegen den Abstieg

Mittwoch, 10. März, 20.15 Uhr, ARD  Keine Angst – Mauern gegen den Abstieg.  Ich saß vor dem Fernseher und konnte manchmal kaum hinschauen. Es war bedrückend in welcher Situation die 14-jährige Becky aufwächst. Obwohl es sich um einen Spielfilm handelt, scheint der Film sehr realistisch, er zeigt die Welt einer völlig vernachlässigten Jugendlichen, die in schrecklichen Umständen aufwächst, wie man sie heute aber bestimmt oft antrifft.  Es tut so weh, man möchte fast aufstehen und rausgehen. Doch das Thema fasziniert auch in seiner Rohheit und Wahrheit. Es handelt sich dabei um mehr als um das ewig alte Drama zweier Liebenden, wie sie schon oft in der Literatur benutzt wurden, um Konflikte in der Gesellschaft aufzuzeigen. Ob Romeo und Julia oder Kabale und Liebe -dort wo zwei Menschen sich nicht lieben können wegen ihrer verschiedenen Herkunft werden immer auch die dahinter liegenden Probleme sichtbar. Bringt  der Film nun wirklich zwei Welten zueinander, wie das die Regisseurin meint?  Soll dies die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft symbolisieren?  Zumindestens bleibt das Ende offen. So offen wie die Lücke zwischen Arm und Reich.

Da kannst du nix gegen machen

Immer wieder für eine Geschichte gut ist die Tochter meiner Freundin, Zora.   Mit ihren sechs Jahren bringt sie die Dinge gern auf den Punkt. Natürlich will sie in Diskussionen gern Recht behalten und hat so ihre eigene Art das durchzusetzen. Wenn sie auf einem Standpunkt beharrt, verschränkt sie die Arme vor der Brust, schmeißt  ihre blonde Mähne  in den Nacken, streckt das Kinn nach vorn und sagt mit strenger Miene. „Und da kannst du nix gegen machen.“

Hildegard

Das ist Leidenschaft pur:  Claudia Riemann aus Kassel entschied sich erst vor drei Jahren  ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Chansons zu singen. Ihre Mutter hatte ihr in der Kindheit  diesen Traum  ausgeredet.  Lern erst einmal etwas Vernünftiges, hatte sie gesagt. Die junge Frau wurde Erzieherin und dann Mutter. Mit Mitte Vierzig machte sie ihre Wünsche dann doch noch wahr.

Ich habe sie gestern zum Frauentag mit ihrem Hildegard Knef  Programm gesehen. Man fühlt durch jede Pore die Leidenschaft pur, wenn sie singt. Die Kraft musste lange Zeit warten bis sie sich ihren Weg an die Öffentlichkeit graben konnte. Dafür erstrahlt sie jetzt in ungebrochenem Glanz. Eine so starke Frau, wie die Knef zu kopieren und ihre mit kraftvollen Verben prall gefüllte, dynamisch spitze, sich in Konflikten wirbelnden Sprache auszudrücken, die im Schluss mit einem fulminanten Abgang endet, dafür braucht es eine Frau mit ähnlicher Ausstrahlung. Das schafft Claudia Riemann.  Mit ähnlich rauchiger Stimme, aufrechter Haltung.

Man hat das Gefühl,  die Knef steht leibhaftig vor dir. Ebenso überzeugend muss sie in Zarah Leander sein. Dort gibt es ebenfalls ein Programm über das Leben und die Chansons der Künstlerin, ein Porträt über Marlene Dietrich ist in Arbeit. Es lohnt sich mal wieder in die Chansons der Knef reinzuhören. Zum Zarah-Leander Programm

Claudia Riemann und Julia Reingardt

kann man auf  ein Video sehen. 15. Februar. „Und der Erfolg gibt mir Recht”, sagte sie selbstbewusst.

Leidenschaftlich  mit kraftvoller Stimme und ähnlicher Haltung fast wie die Knef selbst, erzählte Riemann vom aufregenden Leben der Diva. Sie sang deren Chansons, am Klavier begleitet von Julia Reingardt. Sie hob die trotzige Tapferkeit der unverwüstlichen Kämpfernatur hervor. Nach der Schauspielkarriere  in Hollywood  begann Hildegard Knef  in den sechziger Jahren als Sängerin und Autorin zu arbeiten. Sie schrieb  ihre Lieder selbst, mit einer Sprache, die nur so strotzt vor Kraft . “Mir sollen sämtliche Wunder begegnen”, lautet eine bekannte Textstelle.

Nicht ganz so tief verraucht wie die Knef selbst kam Riemanns Stimme über die Bühne aber mit einer ebenso großen Leidenschaft . Und weniger mit der beklemmenden Individualität des großen Stars, wie es einmal hieß. “Ich glaub ´ne Dame werd ich nicht”, sang sie lässig ins Mikro.  30 Konzertjahre hatte die Diva, aber ihr Lampenfieber endete nie, obwohl sie viel Lob bekam. Ein Kritiker schrieb einst: Die Knef hat keine herkömmliche Stimme, aber ein Organ, das auf dem Resonanzboden ihrer Seele liegt. Und die interpretierte auch Riemann beim wohl berühmtesten Lied  “Für mich soll es rote Rosen regnen” förmlich auf.  Das „Ich will, ich will” im Refrain ist wohl die zentrale Botschaft, vor allem zum Frauentag. Der Komponist Hans Hammerschmidt sagte, er habe den Zettel mit dem Text für rote Rosen auf dem Klavier gefunden. In nur fünf Minuten habe die Melodie gestanden. Die Schallplatte  wurde zwei Millionen Mal verkauft. Trotzdem hatte Hilde wohl nicht immer viel Geld, zwei Pleiten zierten ihr Leben. Ohnehin sei ihr Leben auch voller Wunden gewesen. Sie wurde 60 Mal operiert, hatte Krebs und ein Lungenemphysem, an dem sie am 1. Februar 2002 in Berlin verstarb. Sie schrieb sieben Bücher. Hildegard Knef stand immer für ihre  eigene Meinung. Geboren in  1925 gab es nur wenige Frauen, die so früh konsequent ihren eigenen Weg gingen. Zum Schluss sang Riemann das vielfach viel interpretierte und auch von der Knef mit einem deutschen Text übersetzte „la vie en rose“ als zweite Zugabe und wundervollem Abschluss des Abends.

Claudia Riemann und Julia Reingardt aus Kassel sind seit drei Jahren zusammen unterwegs. Riemann hatte damals beschlossen ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und Sängerin zu werden. Sie hatte Erzieherin gelernt und war dann Mutter. Gesungen hatte sie bis dahin hauptsächlich in Chören. Dann bestand der Wunsch zum Chanson. Neben der Knef-Interpretation gibt es das Zarah Leander Programm. Demnächst soll Marlene Dietrich als dritte Diva mit  aufgenommen werden.